Das Pferd weidet – und Stall- oder Pferdebesitzer bekommen live Informationen darüber, wie viel es frisst, wann es frisst und wo es grast. Kein langes Beobachten, kein Rätselraten mehr. Genau das zeigt eine neue Studie: Kleinste Bewegungssensoren am Pferdekopf plus künstliche Intelligenz erkennen das Grasen mit fast 100 % Genauigkeit. Klingt nach Zukunft? Und wie!

Warum das überhaupt spannend ist
Für Pferd und Halter ist das Fressverhalten mehr als „einfach Gras fressen“. Es liefert Hinweise auf Gesundheit, Wohlbefinden und Weidenutzung:
- Weniger Grasaufnahme kann auf Stress, Schmerzen oder Weideprobleme hinweisen.
- Wo und wann das Pferd grast, sagt etwas über die Weidequalität oder bevorzugte Flächen aus.
- Ein genauer Überblick hilft, Futter-, Weide- oder Gesundheitsmanagement gezielt anzupassen.
Bislang hiess Beobachten oft langes Stehen am Zaun oder Stunden Videomaterial – arbeitsintensiv und fehleranfällig.
Wie die Studie vorgegangen ist
In Japan wurden vier einjährige Vollblutpferde mit kleinen, dreiachsigen Beschleunigungssensoren ausgestattet – sie sassen unter dem Kiefer. Die Tiere weideten 19 Stunden lang auf einer 4 ha grossen Fläche. Parallel lief Videoaufzeichnung: Jede Bewegung wurde als „Grasen“ oder „Nicht-Grasen“ markiert (insgesamt über 230.000 Datenpunkte).
Die Daten gingen dann durch drei KI-Modelle:
- Ein 1-D-Convolutional Neural Network (CNN)
- Ein Long Short-Term Memory Netzwerk (LSTM)
- Und eine Kombination aus beiden (CNN + LSTM)
Ergebnis: Das kombinierte Modell war klar am besten – mit einer Genauigkeit von 98 % und einer AUC (Area Under the Curve) von 1,00 (perfekte Unterscheidung). F1-Scores lagen bei 0,99 fürs Grasen und 0,97 fürs Nicht-Grasen.
Was das konkret für die Praxis bedeutet
Die Studie zeigt eindrucksvoll:
- Mit Sensorik & KI kann man das Weideverhalten automatisch, objektiv und kontinuierlich erfassen.
- Das ermöglicht frühzeitige Hinweise auf Veränderungen – z. B. wenn ein Pferd weniger frisst oder bestimmte Flächen meidet.
- Weidenutzung lässt sich besser analysieren: In der Studie zeigte sich, dass Pferde am Rand der Weide stärker grasten, während sie sich im Zentrum mehr aufhielten ohne zu fressen.
- Für Pferdehalterinnen oder -halter heisst das: Mehr Information mit weniger Beobachtungsaufwand zur Optimierung der Weide-, Futter- oder Bewegungsstrategien .
Hinweise & Grenzen
Natürlich ist das noch eine Pilotstudie – mit nur vier Pferden und einer definierten Fläche unter japanischen Bedingungen. Für die Übertragung auf andere Pferdetypen, Weidegrössen oder Haltungsformen braucht es weitere Forschung. Wichtig: Die Technik ersetzt nicht die Beobachtung – sondern ergänzt sie sinnvoll.
Quelle: Kamiya U., Kakiuchi K., Kawamura K., Ueda K., Kawai M., Matsui A., Negishi N. (2025). Deep learning approach for classifying grazing behavior in yearling horses using triaxial accelerometer data: A pilot study. Journal of Equine Veterinary Science. DOI: 10.1016/j.jevs.2025.105706
Bild: Perspektivo (Pexels)
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