Schweizer SGS beendet Zertifizierung der Überseeschlachthöfe

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Viele Schweizerinnen und Schweizer haben solche Bilder im Kopf, wenn sie südamerikanisches Pferdefleisch kaufen. Dass jedoch die Pferdefleischproduktion in vielen Übersee-Ländern mit schweren Tierschutzverstössen gekoppelt ist, weiss man seit Jahren. Nun fordern 14 Schweizer Nationalräte ein Ende von Pferdefleisch aus solcher Qualproduktion, wie der Tierschutzbund Zürich mitteilt. Initiantin ist die Nationalrätin Meret Schneider von den Grünen.

Viele Schweizerinnen und Schweizer haben solche Bilder im Kopf, wenn sie südamerikanisches Pferdefleisch kaufen. Dass jedoch die Pferdefleischproduktion in vielen Übersee-Ländern mit schweren Tierschutzverstössen gekoppelt ist, weiss man seit Jahren. Nun fordern 14 Schweizer Nationalräte ein Ende von Pferdefleisch aus solcher Qualproduktion, wie der Tierschutzbund Zürich mitteilt. Initiantin ist die Nationalrätin Meret Schneider von den Grünen.

«Die EU-Anforderungen in Bezug auf den Tierschutz und die Rückverfolgbarkeit von Pferden in Übersee werden nicht eingehalten. Es ist an der Zeit, diese Importe zu stoppen.» (Meret Schneider, Nationalrätin.)

Der Verband der Schweizerischen Pferdefleischimporteure (VPI) hat sich im Januar 2021 aufgelöst. Er war Auftraggeber für jährliche Audits in den Übersee-Pferdeschlachthöfen. Beauftragt war die Société Générale de Surveillance SA (SGS) in Zürich. Schweizer und europäische Pferdefleischanbieter nutzten deren Zertifizierungen, um ihren Kunden die Sicherheit zu vermitteln, dass das Pferdefleisch tierschutzgerecht nach europäischen und nahezu Schweizer Standards produziert wurde. Der Tierschutzbund Zürich (TSB Zürich) kritisierte diese Zertifikate wiederholt, weil sie nur das Managementsystem des jeweiligen Schlachthofes betrafen.

«Solche Zertifikate bestätigen lediglich, dass interne Vorschriften und Infrastruktur vorhanden sind, aber nicht deren konsequente Anwendung. Unsere Recherchen vor Ort haben mehrfach bewiesen, dass die Tierquälerei auf Transporten, in Sammelstellen und Schlachthöfen seit Jahren ungemindert weitergeht», berichtet Sabrina Gurtner, TSB Zürich Projektleitung Pferdefleischimporte. In einer E-Mail am 16. März an den TSB Zürich schreibt Elvira Bieri, SGS-Geschäftsführerin Schweiz: «Wir waren die exklusive Zertifizierungsstelle des VPI für die Prüfung des Managementsystems der Pferdefleisch-Exporteure im Ausland. Basis für die Audits war das entsprechende Handbuch des VPI. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen beim VPI entfallen unsere Dienstleistungen.»

Damit entfällt der Kern der Rechtfertigung der Importeure, die versucht hatten, mit Zertifizierungen Tierschutz-Verbesserungen in Übersee zu erreichen. Auch mit der Marketing-Plattform Respectful Life versuchen die europäischen Importeure, die Akzeptanz für Pferdefleisch aus Übersee herzustellen. Gegenüber Respectful Life äussert der TSB Zürich seit Jahren massive Kritik. «In Kooperation mit der belgischen Universität Leuven werden Audits durchgeführt, deren positive Ergebnisse die Qualproduktion von Pferdefleisch in Südamerika leugnen. Die beauftragten Wissenschaft- ler haben gegenüber dem TSB Zürich eingeräumt, dass sie lediglich Forschung betreiben», so Sabrina Gurtner. Der TSB Zürich hat vor Ort dokumentiert, wie die Verhältnisse in den südamerikanischen Schlachtbetrieben sind. «Ist ein Audit angekündigt, wird der Schlachthof vorberei- tet. Sind die Auditoren abgereist, geht die Pferdequälerei weiter.» Auch mehrere EU-Auditberichte bestätigen, dass vor Kontrollbesuchen kurzfristig Pferde ausgetauscht oder entfernt werden.

Trotz dieser Manipulationen verfolgt die EU-Kommission weiterhin die Strategie, «dass eine Vertiefung des Dialogs und eine Stärkung der Zusammenarbeit mit Drittländern besser geeignete Instrumente sind, um in Tierschutzfragen positive Veränderungen zu bewirken, als im Streben nach mehr Tierschutz einfach Verbote (Importverbote, Anm. TSB Zürich) zu verhängen». (Aus einer EU-Kommissions-Mitteilung an die Mitglieder des Petitionsausschusses, 24.6.2020/Petition Nr. 0076/2019) Für den TSB Zürich ist diese Argumentation nicht mehr aufrechtzuhalten. «Nach fast 10 Jahren wiederholter Interventionen seitens der Schweizer Behörden und der EU-Kommission ist der Dialog an die Wand gefahren. Die Pferdefleischproduzenten und -importeure täuschen die Verbraucher und Behörden», weiss Sabrina Gurtner und vermutet, dass Tier- und Verbraucher- schutz den Interessen von Freihandelsabkommen geopfert werden. Nur so ist zu erklären, wa- rum gegen Mexiko ein EU-Importverbot verhängt wurde, gegen die Freihandelspartner Uru- guay, Argentinien, Kanada und Australien jedoch nicht. Dabei stellen die Berichte der EU-Ve- terinärbehörde nahezu identische Verstösse fest. Diese betreffen die fehlende Rückverfolgbar- keit der Pferde, das Risiko von Medikamentenrückständen, die qualvollen Transportbedingun- gen und die mangelhafte Kontrolle durch die staatlichen Behörden. «EU-Berichte heben her- vor, dass amtliche Kontrollen nicht gewährleisten können, dass geltende EU-Bestimmungen eingehalten werden», erklärt Sabrina Gurtner.

«Das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) äusserte sich gegenüber dem TSB Zürich, dass die gezeigten Tierschutzverstösse nicht zu akzeptieren seien, und man deshalb auf die EU einwirken würde», berichtet Sabrina Gurtner. Seitens des BLV könne man kein Schweizer Importverbot verhängen, weil man an die bilateralen Verträge mit der EU gebunden sei, so das BLV. Am 8. März 2021 hat sich das EU-Parlament mit Pferdefleisch aus Übersee beschäftigt, nach- dem auch die neuesten NGO-Recherchen und EU-Audits in Australien, Nord- und Südamerika massive Tier- und Verbraucherschutzprobleme aufgezeigt haben. Eingeladen waren NGO-Ver- treter aus Australien, den USA und der TSB Zürich, der über seine Recherchen in Südamerika und die Manipulation von EU-Audits durch die Fleischproduzenten berichtete. Gemeinsam mit der Eurogroup for Animals in Brüssel, der Dachorganisation europäischer Tierschutzorganisa- tionen, stellten die NGO-Vertreter auch die Petition «Importstopp für Pferdefleisch aus Über- see» vor. In kürzester Zeit wurde sie von über 140’000 Personen unterzeichnet.

Link zur Petition

Link zum Postulat von Nationalrätin Meret Schneider

Bericht des Schweizer Fernsehens zum Thema aus dem Jahr 2018

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