Die Nächte werden kälter und mit dem ersten Frost steht für viele Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer die Winterwurmkur an. Gerade jetzt lohnt es sich, einen genauen Blick auf die Wirksamkeit der Entwurmungsmittel zu werfen. Eine aktuelle deutsche Feldstudie bringt dazu spannende Erkenntnisse: Während einige Präparate kaum noch wirken, zeigt sich das oft unterschätzte Pyrantel deutlich zuverlässiger als erwartet.

Bild: Equidocs
Hintergrund: Wenn Wurmkuren an Wirkung verlieren
Fast alle Pferde auf der Weide tragen kleine Strongyliden in sich. Solange die Zahl gering bleibt, ist das meist unproblematisch – doch bei hoher Eiausscheidung kann eine Behandlung notwendig werden. Das Problem: Weltweit nimmt die Resistenz gegen Entwurmungsmittel zu. Besonders Fenbendazol gilt vielerorts als praktisch wirkungslos, und auch gegen Pyrantel wurden bereits Resistenzen beschrieben. Ziel der aktuellen Studie war es, die aktuelle Situation in Deutschland zu bewerten.
Die Studie im Überblick
Zwischen 2015 und 2023 wurden 1913 Behandlungen an 1670 Pferden aus ganz Deutschland ausgewertet. Zum Einsatz kamen:
- Pyrantel (87,9 % der Behandlungen),
- Fenbendazol (2,9 %),
- und makrozyklische Laktone (Ivermectin, Moxidectin – 8,5 %).
Die Wirksamkeit wurde über den sogenannten Kot-Eizahl-Reduktionstest (FECRT) sowie das moderne statistische Modell „eggCounts“ bestimmt. Dabei wird verglichen, wie stark die Zahl der ausgeschiedenen Wurmeier vor und nach der Behandlung sinkt.
Ergebnisse
- Pyrantel: In 68,7 % der Fälle war die Behandlung erfolgreich (Eierzahlreduktion > 95 %), in 31,3 % unzureichend – ein Hinweis auf teilweise Resistenz. Trotzdem blieb die Gesamtwirkung deutlich besser als vielerorts angenommen.
- Fenbendazol: Nur 21 % der Behandlungen führten zu ausreichender Wirkung – es gilt damit als weitgehend wirkungslos gegen Strongyliden.
- Makrozyklische Laktone: Mit 98 % Erfolgsrate waren sie am zuverlässigsten, auch wenn in Einzelfällen vermutete Anwendungsfehler zu geringeren Werten führten.
Damit bestätigt die Studie bekannte Tendenzen, liefert aber ein wichtiges Detail: Pyrantel ist nicht „veraltet“, sondern kann – korrekt dosiert und angewendet – weiterhin wirksam sein.
Warum diese Ergebnisse wichtig sind
Die Autorinnen und Autoren warnen vor einem einseitigen Vertrauen auf „starke“ Wirkstoffe wie Ivermectin. Wer ausschliesslich diese Mittel nutzt, riskiert, dass auch hier bald Resistenzen zunehmen.
Stattdessen raten sie zu:
- Kotprobe vor der Behandlung: Klärt, ob überhaupt entwurmt werden muss.
- Nachkontrolle 10–14 Tage nach der Kur: Zeigt, ob das Mittel gewirkt hat.
- Wirkstoffklassen abwechseln: Um Resistenzen vorzubeugen.
- Nicht immer zum stärksten Mittel greifen: Auch Pyrantel kann – richtig eingesetzt – eine gute Wahl sein.
Nur so lassen sich unnötige Behandlungen vermeiden und vorhandene Wirkstoffe langfristig erhalten.
Fazit: Kein Mittel wirkt ewig – Kontrolle ist Pflicht
Die neue deutsche Studie zeigt klar:
- Fenbendazol ist praktisch wirkungslos.
- Makrozyklische Laktone wirken noch zuverlässig,
- Pyrantel bleibt eine wertvolle Option – sofern korrekt angewendet und nachkontrolliert wird.
Für Pferdebesitzerinnen und Tierärzte bedeutet das: Entwurmung braucht heute mehr Planung und Kontrolle als früher. Eine Kotprobe nach der Behandlung ist kein Luxus, sondern die einzige Möglichkeit, rechtzeitig zu erkennen, wenn ein Mittel seine Wirkung verliert.
Quelle:
Döberl J., Li Z., Furrer R., Jäger M.C. (2025): Treatment efficacy of pyrantel, fenbendazole and macrocyclic lactones in equine strongyles in Germany using FECRT and the model eggCounts. Journal of Equine Veterinary Science. DOI: 10.1016/j.jevs.2025.105715
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