Künstliche Intelligenz ist längst im Stall angekommen – zumindest auf unseren Smartphones. Ob Fütterung, Haltung oder Genetik: Viele Pferdehalterinnen und Pferdehalter stellen ihre Fragen heute zuerst einem KI-Tool. Doch wie verlässlich sind die Antworten wirklich? Eine neue Studie aus dem Journal of Equine Veterinary Science hat genau das untersucht – und kommt zu einem differenzierten, teils ernüchternden Fazit.

Warum die Studie wichtig ist
KI-Tools wie ChatGPT oder Microsoft Copilot können in Sekundenbruchteilen Informationen aus unzähligen Quellen zusammenfassen. Doch sie unterscheiden nicht immer sauber zwischen Fakten und Meinungen – ein Risiko, das die Forschenden ausdrücklich betonen .
Gerade in der Pferdewelt, wo Managementfehler schnell gesundheitliche Folgen haben können, ist das ein kritischer Punkt. Die Studie erinnert daran, dass Pferdehaltung Erfahrung und evidenzbasierte Wissenschaft braucht .
Wie wurde getestet?
Die Forschenden stellten 40 Fragen aus fünf Bereichen:
- Pferdepflege
- Stall- und Anlagenmanagement
- Ernährung
- Genetik
- Reproduktion
Diese wurden vier Schwierigkeitsstufen zugeordnet – von Anfänger bis „Trending“ .
Drei KI-Plattformen mussten die Fragen beantworten:
- ChatGPT
- Microsoft Copilot
- ExtensionBot (ein US-Tool, das auf Extension-Factsheets basiert)
Bewertet wurden Genauigkeit, Relevanz, Gründlichkeit und Quellenqualität.
Die wichtigsten Ergebnisse
1. KI ist gut bei einfachen Fragen – und schwach bei komplexen
Die Tools schnitten bei Anfänger- und mittleren Fragen am besten ab. Bei komplexen Themen wie Reproduktion oder Trendthemen sank die Genauigkeit deutlich .
2. ChatGPT und Copilot waren am präzisesten
Beide lieferten höhere Genauigkeitswerte als ExtensionBot (4.18 bzw. 4.08 Punkte vs. 3.26) .
3. KI hat Mühe mit Nuancen
Die Plattformen zeigten inkonsistente Leistungen und hatten besonders bei komplexen, vielschichtigen Fragen Schwierigkeiten .
4. Drei Plattformen – drei verschiedene Antworten
Die gleiche Frage führte oft zu drei unterschiedlichen Antworten . Das zeigt, wie stark die Resultate vom jeweiligen Modell abhängen.
5. KI ersetzt keine Fachpersonen
Das Fazit der Forschenden ist klar: KI kann ein hilfreiches Werkzeug sein, aber sie erreicht nicht das Niveau von Equine Extension Specialists – also Fachpersonen mit wissenschaftlicher und praktischer Expertise .
Was bedeutet das für Pferdehalterinnen und Pferdehalter?
KI kann unterstützen – aber nicht entscheiden
Für einfache Fragen kann KI durchaus nützliche, schnelle Antworten liefern.
Doch bei Themen wie:
- Fütterungsmanagement
- Trainingsphysiologie
- Zucht
- Gesundheitsfragen
sollten KI-Antworten immer kritisch geprüft und mit Fachpersonen abgeglichen werden.
Warum das wichtig ist
Die Studie erinnert daran, dass falsche oder unpräzise Informationen zu Managementfehlern führen können – mit potenziell schmerzhaften oder teuren Folgen für das Pferd .
Einordnung für die Schweiz
Auch hierzulande greifen immer mehr Pferdemenschen zu KI-Tools. Die Studie zeigt: Das kann sinnvoll sein – aber nur, wenn man weiss, wo die Grenzen liegen.
Für Schweizer Pferdehaltungsfragen gelten zudem oft spezifische Rahmenbedingungen:
- Tierschutzgesetzgebung
- klimatische Bedingungen
- regionale Fütterungspraktiken
Diese Aspekte kennt eine globale KI nicht automatisch.
Fazit: KI ist ein Werkzeug – kein Orakel
Die Studie zeigt eindrücklich: KI kann die Pferdewelt bereichern, indem sie Wissen zugänglich macht. Aber sie ersetzt weder Erfahrung noch Fachwissen.
Für den Stallalltag gilt deshalb:
KI darf unterstützen – aber nicht entscheiden.
Wer sein Pferd gesund, sicher und artgerecht halten will, sollte KI als Ergänzung nutzen, nicht als Autorität.
Wissenschaftliche Quelle
Aldworth‑Yang, S., Coleman, S. J., O’Reilly, K., & Catalano, D. N. (2026). Accuracy of large language model‑based artificial intelligence tools for equine topics. Journal of Equine Veterinary Science, 163, Article 105924. Elsevier. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0737080626001590
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