Nachruf von Christoph Meier.
Hansjoggi war Landwirt, Unternehmer, Reiter, Pferdezüchter, der seine Pferde klug und grosszügig Talenten zur Verfügung stellte. Aufgewachsen in einer Kavalleristenfamilie auf dem wunderschönen Bruderholzhof im baselländischen Oberwil mit zwei Schwestern und einem jüngeren Bruder entdeckte er schon früh sein Unternehmer-Gen und verkaufte als Bub mit Pferd und Wagen die Kartoffeln vom Hof in den umliegenden Dörfern. Später in Lully erfüllte er sich einen Bubentraum und züchtete auf 20 Hektaren Nordmann-Tannen und belieferte die halbe Schweiz mit diesen ideal wachsenden Weihnachtsbäumen. Er absolvierte seine landwirtschaftliche Ausbildung im neuenburgischen Cernier, legte dort den Grundstein für seine spätere perfekte Zweisprachigkeit, und beendete sie im schaffhausischen Gächlingen. Mit 18 durfte er das Gelernte umsetzen auf dem elterlichen Betrieb. Mit 18 kam er auch zu seinem ersten Pferd Dream, den er ein- und zweispännig fuhr, seine ersten Turniere bestritt, gekrönt von seiner ersten Teilnahme an der EM der Ländlichen in Basel. Es folgte die Kavallerie-Rekrutenschule unter dem legendären Kommandanten Paul Weier, mit anschliessender Weiterausbildung zum Unteroffizier. Bei der zweiten Teilnahme an der EM der Ländlichen in Compiègne wurde er schon Fünfter und siegte bei der dritten EM 1967 in Salzburg.

1971 heiratete er seine langjährige Freundin Lotti, übernahm kurzfristig die Pacht des Bruderholzhofs, wurde aber nicht glücklich dabei und brach 1974 auf zu neuen Ufern nach Lully, wo er als selbständiger Unternehmer seine Träume – die Gründung einer Familie, Pferdezucht und Weihnachtsbäume – verwirklichen konnte. Im selben Jahr kam seine Tochter Gaby zur Welt, die lebenslänglich Besitzerin seines Zuchthengstes Gauguin de Lully bleiben sollte, den er im selben Jahr im Bauch seiner Mutter Gasparona in Schweden erwarb.


Gauguin de Lully 1974 mit Mutter Gasparona
Gauguin wurde sorgfältig ausgebildet und zeigte auch viel Talent über fallende und feste Sprünge. Die Spezialisierung als Dressurpferd erfolgte erst, als er ab 1981 bei Christine Stückelberger in Beritt kam und eine beispiellose Karriere hinlegte mit mehreren Olympia-, WM- und Weltcup-Medaillen.


Mit Christine Stückelberger 1988
Gauguin war zu seiner Zeit der erfolgreichste Dressurhengst der Welt. 1992 wurde er – gesund und auf der Höhe seiner Karriere, Zuchthengst in Schweden.
1993 wurde er feierlich verabschiedet in Genf und durfte ab 1994 frei mit einer Stutenherde in Frankreich leben und sich seine Gespielinnen selbst aussuchen. Er starb 1996 auf der Weide inmitten seiner Stutenherde an einem Aortariss.

Hansjoggi stellte die vielen Nachkommen Gauguins und seiner Söhne und Töchter gern selbst im Sport vor, ritt Dressur bis Stufe S und Military bis international M (heute 3*).


Links: EM Ländliche in Holziken mit Gauguin-Sohn Quasi de Lully | rechts: GP-Kür mit Quai de Lully
Es folgten unzählige erfolgreiche Pferde aus seiner de-Lully-Zucht, die nationale und internationale Spitzenplätze erzielten. An einem Turnier 2004 in Parzago hatte er drei Gauguin-Nachkommen in derselben S-Prüfung am Start.
Es folgten unzählige erfolgreiche Pferde aus seiner de-Lully-Zucht, die nationale und internationale Spitzenplätze erzielten. An einem Turnier 2004 in Parzago hatte er drei Gauguin-Nachkommen in derselben S-Prüfung am Start.
Die Aufzucht seiner Fohlen hatte er schon früh nach Frankreich verlegt, wo er zwei wunderschöne Betriebe besass. Geschickter Unternehmer, der er war, gelang es ihm, dass die in Frankreich aufgewachsenen Pferde trotzdem als CH eingetragen wurden.
In den 90-er Jahren entwickelte sich sozusagen als Nebenprodukt der Dressurpferdezucht die Idee, gezielt Militarypferde zu züchten. Es begann mit dem 91 geborenen Guadalquivir de Lully, der mit der Juniorin Nadja Baroni Erfolge bis zum Alpenchampionat erzielte. Der 96 geborene Tarango de Lully brachte es mit Sébastien Poirier zum Schweizermeistertitel 2011, zur EM-Teilnahme 2007 in Rom und zur WM 2014 in der Normandie.

Stargate xx
2009 erwarb Hansjoggi den Vollbluthengst Stargate und begann gezielt, die Zuchtlinien zu koordinieren, um Gang und Speed zu vereinen. Misti de Lully wurde mit Joëlle Bruni auf Anhieb Schweizermeisterin der Junioren und ritt ihn bis auf 3*-Level. Mit Lullys My Girl erhielt der damals 17-jährige Spring-Junior Robin Godel eine erste Chance, mit Lullys My Girl an der J-EM in Bishop Burton teilzunehmen. Er nutzte diese Chance ausgezeichnet und legte damit den Grundstein für die langjährige Erfolgsgeschichte rund um Grandeur de Lully, mit dem Robin eine sagenhafte Karriere hinlegte mit Schweizermeistertiteln, 4*-Siegen, WM-, EM-Teilnahmen und schliesslich der Olmpiateilnahme 2024 in Paris. Robin und Grandeur bereiteten Hansjoggi viele glückliche Momente in seinen letzten Lebensjahren, die er zusammen mit seiner Partnerin Jacqueline Schibler in seinem schönen Anwesen in Lully genoss. Er konnte auch seinen immer wieder hartnäckig verfolgten Wunsch, dass die Pferdebesitzer mehr Anerkennung erhalten sollten, in den letzten Jahren verwirklichen. Vielleicht charakterisiert ihn das Credo, das auch im Schlusswort seiner Biographie aufscheint, am besten:
«Lasst euch nie entmutigen, liebe Freunde. Denn wir sind dazu geschaffen, auch grosse Ziele zu erreichen, wenn wir ganz fest daran glauben und alles geben, sie zu erreichen.»

2022 erschien seine überaus anregende Autobiographie. Wer etwas mehr über den faszinierenden Horseman Hansjoggi erfahren möchte, wende sich an info@marpa.ch oder an Hansjoggis Partnerin Jacqueline Schibler.

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