Das West-Nil-Virus galt lange als ein Thema ferner Regionen. Doch inzwischen gehört der Erreger auch in gemässigten Klimazonen zu den saisonalen Gesundheitsrisiken. Ein aktueller wissenschaftlicher Übersichtsartikel im Fachjournal Annals of Medicine fasst zusammen, warum das Virus weltweit zunehmend Aufmerksamkeit erhält und welche Fragen die Forschung weiterhin beschäftigen. Das West-Nil-Virus (WNV) zählt zu den am weitesten verbreiteten durch Gliederfüsser übertragenen Viren (Arboviren).

Übertragen wird es vor allem durch Stechmücken, insbesondere Culex pipiens. Vögel dienen dabei als natürliche Wirte, während Menschen und Pferde sogenannte Fehlwirte sind: Sie können erkranken, spielen aber in der Regel keine entscheidende Rolle für die weitere Verbreitung des Virus. (Quelle: Zerbato et al., «West Nile virus: epidemiology, prevention, clinical features, diagnosis, treatment, and open research questions», Annals of Medicine, 2026.) (Symbolbild von Chris F.)

Viele Infektionen bleiben unbemerkt – aber nicht alle

Ein Grund, warum sich das West-Nil-Virus schwer einschätzen lässt: Viele Infektionen fallen gar nicht auf. Beim Menschen verlaufen laut der Übersichtsarbeit rund 80 Prozent der Infektionen ohne Symptome. Etwa 20 Prozent entwickeln das sogenannte West-Nil-Fieber mit Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Deutlich seltener, aber schwerwiegend, sind Erkrankungen des Nervensystems. Weniger als ein Prozent der infizierten Menschen entwickelt eine sogenannte neuroinvasive Form, beispielsweise eine Gehirn- oder Hirnhautentzündung. Bei diesen schweren Verläufen kann die Sterblichkeit rund zehn Prozent erreichen.

Diese Zahlen stammen aus der Humanmedizin – verdeutlichen aber, weshalb die Überwachung des Virus auch in der Tiermedizin eine wichtige Rolle spielt. Denn auch Pferde können nach einer Infektion schwer erkranken. Laut dem Universitären Tierspital Zürich heilt die Erkrankung zwar bei rund zwei Dritteln der betroffenen Pferde komplikationslos aus, bei etwa einem Drittel kommt es jedoch zu einer Beteiligung des Nervensystems. Solche neurologischen Verläufe können schwerwiegend sein und im schlimmsten Fall tödlich enden.

Warum Pferdehalter aufmerksam sein sollten

Auch Pferde können sich durch infizierte Mücken anstecken. Während viele Infektionen mild oder unbemerkt verlaufen können, sind vor allem neurologische Symptome problematisch.

Mögliche Warnzeichen beim Pferd können sein:

  • Koordinationsprobleme oder unsicherer Gang
  • Schwanken bis zum Umfallen
  • Muskelschwäche oder Zittern
  • Verhaltensveränderungen
  • Festliegen
  • neurologische Auffälligkeiten

Solche Symptome sollten immer tierärztlich abgeklärt werden.

Warum Vorbeugung entscheidend ist

Da das Virus über Mücken übertragen wird, spielt Prävention eine zentrale Rolle. Der Übersichtsartikel betont, dass die Kontrolle von Mückenpopulationen und die Vermeidung von Stichen wichtige Bestandteile im Umgang mit dem Virus sind. Ob eine Impfung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Region, dem individuellen Risiko und der aktuellen Verbreitung des Virus ab. Pferdehalter sollten die persönliche Situation deshalb mit ihrem Tierarzt besprechen. Neben einer möglichen Impfung sind diese Massnahmen wichtig:

  • Schutzmöglichkeiten mit dem Tierarzt besprechen
  • Mückenbelastung möglichst reduzieren
  • stehendes Wasser als Brutstätte vermeiden
  • Stall- und Weidezeiten bei hoher Mückenaktivität überdenken
  • regionale Empfehlungen und Meldungen beachten
  • Schutzmöglichkeiten mit dem Tierarzt besprechen (Impfstrategien)

Gibt es eine Behandlung?

Eine gezielte antivirale Therapie gegen das West-Nil-Virus gehört weiterhin zu den offenen Forschungsfeldern. Die Behandlung erkrankter Tiere konzentriert sich deshalb vor allem auf unterstützende Massnahmen und die Versorgung der Symptome. Die Forschung arbeitet jedoch weiter daran, die Mechanismen des Virus besser zu verstehen und neue Ansätze für Vorbeugung und Therapie zu entwickeln.

Kein Grund zur Panik – aber ein Grund für Aufmerksamkeit

Das West-Nil-Virus ist kein neues Virus und nicht jeder Mückenstich ist ein Risiko. Die aktuelle Forschung zeigt jedoch, dass sich Infektionsgebiete verändern können und eine gute Überwachung entscheidend bleibt.

Für die Pferdewelt ist die wichtigste Botschaft: Wissen schützt. Wer Risiken kennt, Symptome einordnen kann und Prävention ernst nimmt, leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit von Pferd und Mensch.

Weitere nützliche Informationen zu Infektionserkrankungen u.a. West-Nil-Fieber, finden Sie auf Equinella, der Melde- und Informationsplatform für nicht-meldepflichtige Infektionserkrankungen beim Pferd in der Schweiz.

Quelle:
Zerbato V., Rossi B., Di Bella S. et al. «West Nile virus: epidemiology, prevention, clinical features, diagnosis, treatment, and open research questions.» Annals of Medicine, 2026; 58(1):2615482. DOI: 10.1080/07853890.2026.2615482. PMID: 41546488.

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