Es ist später Feierabend, im Stall ist es angenehm ruhig. Sie kontrollieren noch einmal die Heunetze für die Pferde. In einer Box steht seit kurzem ein neues Pferd, ein ruhiger Wallach mit rund 520 kg Gewicht. Die Stallgemeinschaft diskutiert: Wie viel Heu sollte dieser Wallach bekommen – und warum ist die Menge so wichtig? Gemeinsam werden die Gewichte geprüft, Futterportionen gewogen und Fragen gestellt: Was ist die optimale Tagesration, und warum wird empfohlen, Heu lieber verteilt über mehrere Mahlzeiten anzubieten statt als grosse Portion auf einmal?

Auflösung:

Für die Gesundheit eines Pferdes ist die Heumenge nicht verhandelbar. Basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) sowie der Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und
Veterinärwesen BLV ergibt sich für einen 520 kg schweren Wallach eine Basis-Rechnung – doch Vorsicht: Pferd ist nicht gleich Pferd.

Die Faustformel: 1,5 % bis 2 % vom Körpergewicht

Ein Pferd benötigt für eine gesunde Verdauung täglich mindestens 1,5 kg bis 2,0 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht.

  • Die Rechnung: 5.2 x 2.0 kg = 10,4 kg Heu pro Tag.

Die individuellen Faktoren: Wann muss ich anpassen?

Die oben genannte Menge ist ein Richtwert für ein Pferd mit Idealgewicht bei leichter Arbeit. In der Praxis müssen wir die Ration individuell feinjustieren:

  • Das Pferd im Training: Werden Muskeln und Ausdauer gefordert, steigt der Energiebedarf. Hier reicht Heu allein manchmal nicht aus oder muss am oberen Limit (2,0 kg+) gefüttert werden, um den Protein- und Energiebedarf zu decken.
  • Das alte Pferd: Senioren können Heu oft nicht mehr effizient verwerten (Zahnprobleme, nachlassende Darmfunktion). Hier muss oft mit Heuersatzprodukten (z.B. Cobs) ergänzt werden, um das Gewicht zu halten.
  • Das „dicke“ Pferd (leichtfuttrig): Hier ist Management gefragt. Die Menge darf nicht radikal gekürzt werden (Gefahr von Magengeschwüren/Hyperlipidämie). Stattdessen hilft das Strecken des Heus mit hochwertigem Futterstroh oder der Einsatz von Slowfeedern, um die Kautätigkeit bei geringerer Kalorienzufuhr hochzuhalten. Und natürlich entsprechend Sport & Bewegung.

Mehrere Portionen am Tag

Equiden machen freiwillig höchstens drei- bis vierstündige Fresspausen. Wenn sie nicht unbegrenzt Zugang zu Raufutter haben, sollte es ihnen auf mehrere Rationen verteilt gefüttert werden. Dies ist sowohl zur Befriedigung ihres Kaubedürfnisses als auch für die einwandfreie Verdauungsfunktion und zur Prävention von Magengeschwüren wichtig (vgl. Art. 6 Abs. 1 TSchG; Art. 3 Abs. 3 und Art. 4 Abs. 2 TSchV). In der Pferdefütterung bewährt sich daher die Gabe von drei bis vier Rationen Heu pro Tag.

Fazit

Die Waage ist ein wichtiges Hilfsmittel, aber der Blick auf das Pferd (Body Condition Score) ist entscheidend. Die Heumenge ist das Fundament, auf dem alles andere – von der Mineralisierung bis zum Kraftfutter – aufbaut.

Weitere Quellen

BLV: Fachinformation Tierschutz Ausreichend Raufutter für Pferde und andere Equiden

https://www.blv.admin.ch/dam/blv/de/dokumente/tiere/heim-und-wildtierhaltung/fachinformationen-pferde/fi-ausreichend-raufutter-pferde.pdf.download.pdf/Fachinfo_ausreichend_Raufutter_Pferde.pdf

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (Prof. Coenen/Vervuert): Forschung zur Raufutteraufnahme und Magengesundheit. Das Standardwerk Meyer/Coenen: Pferdefütterung basiert auf diesen Daten.

NEWSLETTER
Jeden Donnerstagabend erhalten Newsletter-Abonnentinnen und -Abonnenten
ausgewählte Artikel sowie die nächsten Veranstaltungen bequem per E-Mail geliefert.

Vorgeschlagene Beiträge

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

×