Plattenepithelkarzinome (SCC) gehören zu den häufigsten Tumoren bei Pferden – besonders an Penis, Präputium, Vulva und rund ums Auge. Sie wachsen lokal zerstörerisch und können sich über Lymphbahnen ausbreiten. Die neue Studie bringt erstmals eine klare WHO‑Klassifikation für diese Tumoren und zeigt, welche Faktoren die Prognose tatsächlich beeinflussen.
Warum entstehen diese Tumoren?
Zwei Hauptfaktoren spielen eine Rolle:
- UV‑Strahlung
- Equus‑caballus‑Papillomavirus Typ 2 (EcPV‑2)
Das Virus wurde in den meisten Tumoren nachgewiesen – ausser im papillären Subtyp, der sich biologisch klar unterscheidet.
Die sechs neuen WHO‑Subtypen
Erstmals wurden Pferde‑SCC nach WHO‑Kriterien eingeteilt:
- usual/invasive (häufigster Subtyp)
- verrucous
- pseudoglandular
- papillary
- warty
- basaloid
Diese Subtypen unterscheiden sich im Wachstum und teilweise in der Prognose.
Was sagt etwas über die Überlebenszeit aus?
Drei Faktoren sind entscheidend:
- Gefässinvasion → deutlich kürzere Überlebenszeit
- Intratumorale Nekrose → schlechtere Prognose
- Rezidive → halbieren die Überlebenszeit
Nicht relevant für die Prognose waren: Alter, Geschlecht, Rasse, Lokalisation, Mitosezahl, HER‑2‑Status und EcPV‑2‑Status.
Marker p16 und HER‑2: Was bringen sie?
- p16 ist beim Menschen ein HPV‑Marker. Beim Pferd jedoch nicht mit EcPV‑2 verknüpft. Trotzdem lebten p16‑negative Pferde kürzer.
- HER‑2 ist häufig überexprimiert, aber kein Prognosefaktor. Die breite Expression könnte langfristig ein therapeutischer Ansatz werden.
Was bedeutet das für die Praxis?
- Die neue Klassifikation macht Diagnosen klarer und vergleichbarer.
- p16 könnte künftig zur Prognoseeinschätzung genutzt werden.
- Rezidive und Gefässinvasion sind die wichtigsten Warnsignale.
- HER‑2 ist kein Risikoindikator, aber ein möglicher Ansatzpunkt für zukünftige Therapien.
Fazit
Die Studie liefert erstmals eine präzise Einteilung equiner SCC und zeigt, welche Faktoren wirklich über den Verlauf entscheiden. Für die Schweiz – mit vielen hellhäutigen Pferden und hoher UV‑Belastung – ist das ein wichtiger Schritt zu besserer Diagnostik und gezielter Behandlung.
Wichtig für Pferdebesitzer: Auffällige Veränderungen an Augen oder Genitalien sollten immer tierärztlich abgeklärt werden.
Zur Studie: O’Brien et al. (2026), «Equine genital and ocular squamous cell carcinomas: clinical, histopathological, molecular and viral characterization with proposed histopathological classification system», Veterinary Quarterly.
Originalstudie lesen

Bild: Grobe Darstellung des equinen genitalen und periokulären Plattenepithelkarzinoms. (a & b) Peniles SCC, basaloider Subtyp. (c) Peniles SCC, verruköser Subtyp. (d) Okuläres SCC, usual/invasiver Subtyp. (e) Präputiales SCC, verruköser Subtyp. Massstab = 1 cm.
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