Aus «Kavallo» 04/25: Sie hat den Bürostuhl mit dem Kutschbock getauscht und trägt nun nicht mehr schicke Klamotten, sondern Überkleider und Stahlkappenschuhe. Tatjana Henninger hat sich einen Lebenstraum erfüllt und arbeitet hauptberuflich mit Pferden: als erste Fuhrfrau in der Geschichte der Rheinfelder Brauerei Feldschlösschen. Das ist nicht nur einfach, aber sie bereut ihren Schritt nicht.
Von Barbara Saladin
Auf dem Kutschbock sitzt man hoch, sehr hoch. Kein Wunder, sonst würde man nicht über die gewaltigen Kruppen der Pferde hinwegsehen können, die das Gefährt ziehen. Mit einer Widerristhöhe von um die 1.70 Meter und einem Gewicht von rund 900 Kilo gehören Lord und Amira zu den Titanen in der Pferdewelt. Die beiden sind Belgische Kaltblüter, arbeiten als Brauereipferde für die Brauerei Feldschlösschen in Rheinfelden und sind auf ihrer täglichen Trainingsfahrt.
Mit ruhiger Stimme gibt Tatjana Henninger, die Frau auf dem Kutschbock, ihnen Anweisungen, während sie zuerst durch Nebensträsschen und dann auf der Hauptstrasse der historischen Altstadt zu trotten. «Wir erleben im Strassenverkehr sehr viel Rücksichtnahme», sagt Tatjana. «Es kommt zwar vor, dass Autofahrer nahe oder schnell vorbeifahren, aber das ist die Ausnahme. In Rheinfelden kennt man uns. Für die Einheimischen gehören wir zum Stadtbild, aber Auswärtige machen manchmal grosse Augen: Solch mächtige Pferde sind für viele schon recht exotisch.»

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