Pferde gehören in der Schweiz wie in Deutschland längst zu den wichtigen Partnern in Therapie, Pädagogik und Coaching. Doch wie wird garantiert, dass auch das Wohl der Tiere nicht zu kurz kommt? Eine aktuelle Umfrage unter 111 deutschen Fachkräften der pferdegestützten Intervention liefert neue Einsichten.

Bild: Pexels (Diana)
Tierwohl: Haltung und Wissen als Grundstein
96,6 Prozent der befragten Spezialistinnen und Spezialisten betrachten das Wohl der Pferde als zentralen Wert. Wichtig ist dabei nicht nur die artgerechte Haltung — wie genügend Weidegang, Sozialkontakt und individuelle Betreuung — sondern auch das Verständnis der emotionalen und körperlichen Bedürfnisse jedes einzelnen Pferdes.
Die Studie zeigt: Das Wissen um Stress, Bindung und Erholungsphasen ist oft vorhanden, doch die praktische Umsetzung erfordert Aufmerksamkeit und stetige Weiterbildung. In der Schweiz gelten wie in Deutschland strenge Vorgaben zur Haltung und zum Schutz von Pferden in der Therapie — doch jedes einzelne Teammitglied muss sich der Verantwortung bewusst sein.
Stress erkennen: Zwischen Routine und Feinfühligkeit
Die Studie hebt hervor, dass Fachkräfte zwar offensichtliche Stresszeichen wie Unruhe, Ohren zurücklegen oder erhöhte Muskelspannung meist sicher erkennen. Weniger offensichtlich sind subtile Signale — etwa leichte Anspannung, Änderungen im Blick oder minimale Verhaltensänderungen. Gerade hier ist noch Weiterbildung nötig: Videoanalysen werden bislang nur von einem Drittel der Profis genutzt, könnten aber neue Impulse für die Qualitätssicherung bieten.
Praktische Konsequenzen: Anpassung und Prävention
Ist ein Pferd gestresst, passen die Fachpersonen ihre Interventionen an, legen Pausen ein oder beenden die Übung. Massnahmen wie gezielte Entspannungssequenzen, längere Ruhephasen oder das Training stressfreier Interaktionsformen sind dabei zentral. Die Befragten berichten, dass sie sich nach jedem Tier individuell richten und situative Entscheidungen treffen.
Formale Kompetenzen: Erlaubnis und Weiterbildung
In Deutschland brauchen Anbieterinnen und Anbieter eine Genehmigung laut Tierschutzgesetz (parallele Bestimmungen gibt es in der Schweiz). Die Studie belegt, dass rund ein Viertel der Befragten diese formale Erlaubnis noch nicht besitzt. Das verdeutlicht, wie wichtig die kontinuierliche Professionalisierung und Qualitätssicherung im Bereich pferdegestützte Intervention bleibt.
Fazit für die Schweiz: Verantwortung als Prozess
Das Wohl der Pferde in pferdegestützten Settings kann nur durch Wissen, Routine und Offenheit für Neues gesichert werden. Ein reflektierter Umgang mit Stressindikatoren, kontinuierliche Weiterbildung und transparente Strukturen sind unerlässlich. Die Studie gibt Fachleuten aus der Schweiz Denkanstösse, um die eigenen Standards immer wieder kritisch zu prüfen und zu verbessern — damit Pferde und Menschen gleichermassen von der Arbeit profitieren.
Quelle:
Equine-assisted interventions in Germany: animal welfare knowledge and practices among equine-assisted professionals T.F. Braun a,K. Ameli b, S. Krämer b
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0737080625003144
Jeden Donnerstagabend erhalten Newsletter-Abonnentinnen und -Abonnenten
ausgewählte Artikel sowie die nächsten Veranstaltungen bequem per E-Mail geliefert.


