Der Wolf breitet sich in der Schweiz und in den Nachbarländern immer weiter aus. Diese Entwicklung ist zwar grundsätzlich erfreulich und zeugt von der Integrität der Naturräume, birgt aber auch ein hohes Konfliktpotenzial. Obwohl der verbesserte Herdenschutz Früchte trägt, werden regelmässig neue Fälle gemeldet, in denen Nutztiere Schaden erleiden. Viele Pferdebesitzer sind sich nicht bewusst, dass auch Equiden betroffen sein können. Das Expertennetzwerk EQUI-SCOPE möchte Equidenbesitzer und -halter (Pferde, Ponys, Esel, Maultiere und Maulesel) in der Schweiz sensibilisieren, um ein harmonisches Zusammenleben zwischen Nutztieren und Wildtieren zu ermöglichen.
Aufnahme von der Überwachungskamera des Hofes Herrendingen
Es fordert zudem, dass Equiden bei den Überlegungen zum Wolf sowohl auf Bundes- als auch auf Kantonsebene sowie von den betroffenen Organisationen berücksichtigt werden, sei es bei Schutzmassnahmen oder bei Entschädigungen im Schadensfall. Entschädigungen können bei Tierverlusten oder für die Behandlung von Verletzungen beantragt werden. Einige Punkte, wie beispielsweise Kollateralschäden, sind noch unklar. Für bestimmte Schutzmassnahmen sind auch gezielte kantonale Unterstützungen möglich (aber nicht verpflichtend). Diese Punkte sind in einem Positionspapier zusammengefasst. Parallel dazu hat EQUI-SCOPE ein Informationsblatt für Pferdehalter erstellt. Neben Informationen zu möglichen Schutzmassnahmen soll es konkrete Antworten für den Fall liefern, dass es dennoch zu einem Angriff kommt, damit richtig gehandelt werden kann. Für Betriebe in Gebieten, in denen Wölfe vorkommen, ist es sinnvoll, diese in das Sicherheitskonzept des Betriebs einzubeziehen. Angesichts der Entwicklung der Raubtierpopulationen sind Begegnungen mit Menschen, ihren Haustieren und Nutztieren in der dicht besiedelten Schweiz unvermeidlich. Auch Tiere der Pferdegattung können Teil der Ernährung von Raubtieren sein und Opfer werden. Besonders gefährdet sind Jungtiere, kleine Tiere (Ponys und Esel) und ältere Tiere.
Neues «Wolfskonzept» in Ausarbeitung
Die Zuständigkeit für den Wolf liegt beim Bundesamt für Umwelt (BAFU). Gemäss der Jagdverordnung erarbeitet es das Konzept für Grossraubtiere, darunter auch den Wolf. Die am 1. Februar 2025 in Kraft getretene Totalrevision der Jagdverordnung hat zur Folge, dass das bestehende «Wolfskonzept» aus dem Jahr 2023 überarbeitet werden muss. Diese Revision wird derzeit vom BAFU durchgeführt. Das neue «Wolfskonzept» wird für 2027 erwartet. EQUI-SCOPE steht in Kontakt mit dem BAFU und wird in diesem Prozess die Interessen der Pferdebranche vertreten, wie in seiner Stellungnahme zum Thema Wolf erwähnt.
Ein Merkblatt zur Vorbeugung von Schäden und zum richtigen Verhalten bei Raubtierangriffen
Die Möglichkeiten, Tiere der Pferdegattung vor Schäden durch den Wolf oder andere Grossraubtiere zu schützen, sind nach wie vor begrenzt. In bestimmten Fällen könnten sie von den Kantonen unterstützt werden, doch dies ist eher die Ausnahme. Es werden jedoch immer mehr Fälle gemeldet, in denen diese Hilfe aufgrund eines fehlerhaften Verfahrens nicht ausgezahlt wurde. Der Einsatz von Schutzhunden bei Pferden ist in der Schweiz nicht offiziell anerkannt. Es sollten Überlegungen angestellt werden, wie der Schutz von Equiden verbessert werden kann. EQUI-SCOPE hat zu diesem Thema ein Informationsblatt erstellt, das Pferdehaltern helfen kann. Bei Schäden durch Raubtiere muss unverzüglich der Wildhüter hinzugezogen und der Schaden sorgfältig dokumentiert werden. Angesichts der föderalen Strukturen und der unterschiedlichen Umsetzung in den Kantonen ist es jedoch schwierig, ein klares und allgemeingültiges Vorgehen für die gesamte Schweiz zu empfehlen: Aus diesem Grund wird dieses Informationsblatt laufend aktualisiert. Die Stellungnahme sowie das Merkblatt können unter www.equi-scope.ch heruntergeladen werden.
Ein Plädoyer für einen guten Umgang mit Raubtieren
Die Pferdebranche möchte betonen, dass diese Massnahmen keineswegs eine Ablehnung der Artenvielfalt oder der Anwesenheit von Raubtieren wie dem Wolf darstellen. EQUI-SCOPE möchte die Branche lediglich für diese Problematik sensibilisieren und betont, dass alles getan werden muss, um Pferde wirksam zu schützen und zu verhindern, dass die Betroffenen im Schadensfall Fehler begehen.
Kontakt
EQUI-SCOPE, info@equi-scope.ch, Reto Burkhardt
EQUI-SCOPE setzt sich aus Experten aus allen Bereichen der Schweizer Pferdebranche zusammen. Es handelt sich um eine Reflexions-, Beratungs- und Vorschlagsgruppe zum Nutzen dieser Branche

Symbolbild: Madeleine Lewander auf Pixabay
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