«Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks.» – Diese Behauptung ist glücklicherweise ein Mythos. Egal wie alt Ihr Hund ist, es ist nie zu spät dafür, ein paar wichtige Grundlagen zu schaffen (oder zu verbessern), damit er zum entspannten Begleiter im Pferdestall oder beim Ausritt wird.

«Der Hund als Begleiter im Stall und beim Ausritt» ist ein Auszug des Buches «Praktische Ausbildung für Pferd & Hund» von Katharina Möller und Madeleine Franck  mit freundlicher Genehmigung der Cadmos Verlag GmbH. Informationen zum Buch am Ende dieses Artikels aus dem Kavallo-Magazin 5/2020.

Idealerweise lernt Ihr Hund schon im Welpenalter alle Lebewesen kennen, die in seinem späteren Leben eine Rolle spielen. Sind Pferde für Ihren erwachsenen Hund völlig neu, tun Sie einfach so, als wäre er ein Welpe, und nehmen Sie sich Zeit für die Gewöhnung. Er soll unter anderem lernen, welche Umgangsregeln für das Zusammensein mit Pferden gelten.

Regeln festlegen

Überlegen Sie, schon bevor Sie beide Tiere zusammenbringen, wie diese Regeln aussehen sollen: Der Hund wird das Pferd sicherlich weder anbellen noch anspringen, hüten, jagen oder nach ihm schnappen dürfen. Das sind jedoch alles Verhaltensweisen, die potenziell Spass machen könnten, also möglichst von Anfang an verhindert werden sollten. Stattdessen soll er lernen, im direkten Kontakt gelassen zu bleiben, das Pferd weitestgehend zu ignorieren, dabei aber immer einen gewissen Abstand einzuhalten.

An Pferdeverhalten gewöhnen

Dazu muss er einerseits die Bewegungsmuster eines Pferdes kennen- und einschätzen lernen und andererseits verstehen, dass ihm ausserhalb von dessen Reichweite keine Gefahr droht. Er muss ausserdem eine Verhaltensstrategie für den Notfall entwickeln, denn auch das bravste Pferd kann plötzlich erschrecken und etwas Unvorhergesehenes tun.

Zeigt ein Hund Pferden gegenüber Hüteverhalten, kann das für ihn gefährlich werden. (Foto: Zuzule/shutterstock.com)

Zum Teil muss sich ein Hund also einfach an Pferde und ihr Verhalten gewöhnen, zum Teil wird er jedoch individuelle Beziehungen aufbauen und die Eigenarten einzelner Tiere einschätzen lernen. Definieren Sie Ihre eigenen Regeln und sorgen Sie durch Management und Belohnungen dafür, dass Ihr Hund sich von Anfang an richtig verhält und nur positive Erfahrungen mit dem Pferd sammelt.

Geländeritt mit Hund

Dreht Ihr bereits an Ihr Pferd gewöhnte Hund so richtig auf, wenn Sie Ihr Pferd satteln und er merkt, dass ein Ausritt bevorsteht? Bellt er beim Losreiten und umkreist das Pferd oder die Pferde? In diesem Fall gilt es, die Erwartung Abritt = wilde Action schnell zu durchbrechen. Zunächst würden wir die Situation managen, indem der Hund im Auto oder in seiner Box einen Kong nuckeln darf, während man sattelt.

Ruhe aufbauen

Ausserdem sollten Sie ruhige Routinen aufbauen, wobei Katharina [eine der Protagonistinnen, Anmerkung der Redaktion] persönlich wie folgt vorgeht: «Beim Vorbereiten des Pferdes sind die Hunde sowieso noch im Büro. Steht das Pferd dann gesattelt am Anbinder und die Trense hängt bereit, ziehe ich meinen Helm an, schliesse die Sattelkammer zu und hole die Hunde. Diese werden in sicherer Entfernung zum wartenden Pferd abgelegt. Nun trense ich das Pferd auf, gurte nach und hole die Hunde ab: Sie werden im Liegen belohnt, anschliessend ins Fuss gerufen und ich führe das Pferd mit den Fuss gehenden Hunden gesittet vom Hof.

Mit Übungen und Freilaufphase beginnen

Draussen mache ich eventuell noch ein paar Übungen wie Anhalten und Sitzenlassen, dann schicke ich die Hunde ‘Auf und Vor’, sodass sie freilaufen und schnüffeln und einfach Hund sein dürfen, aber vor meinem Pferd bleiben sollen. Ich führe das Pferd mindestens einen halben Kilometer, was zum Warmlaufen sowieso ideal ist. Danach rufe ich die Hunde ins ‘Down’, sodass sie am Wegesrand liegen, während ich fertig nachgurte und aufsitze. Anschliessend lasse ich die Hunde aufstehen, reite im Schritt los und entlasse sie wiederum ‘Auf und Vor’. Auf diese Weise beginnt unser Ausritt sozusagen scheibchenweise und Phasen von Impulskontrolle (angeleint sein, bei Fuss gehen, liegen bleiben) wechseln sich mit Phasen des freien Auslebens (schnüffeln, rennen, miteinander spielen) ab.»

Rückruf und Gehorsam auf Distanz müssen in verschiedenen Umgebungen und unter Ablenkung geübt und belohnt werden, damit beides später zuverlässig funktioniert. (Foto: Maresa Mader)

Trab und Galopp

Wenn Sie einige Ausritte mit Pferd und Hund im Schritt gemeistert haben und der Hund dabei genauso entspannt war als würden Sie zu Fuss spazieren gehen, können Sie auch schnellere Gangarten reiten. Dank der ausführlichen Vorbereitung sind dabei keine bösen Überraschungen zu erwarten. Traben oder galoppieren Sie zumindest anfangs nur auf breiten, übersichtlichen Wegen, sodass der Hund weiträumig ausweichen kann. Wie schon gesagt favorisieren wir das Vorauslaufen des Hundes, um ihn im Blick behalten zu können. Katharinas Hund Herr Findus und ihr Pony Dobllino sind viele weite Etappen auch einträchtig im Gleichtakt nebeneinanderher galoppiert. Je nach Grösse und Tempo Ihrer Vierbeiner wird sich sicher auch bei Ihnen bald eine Routine einstellen.

Abhängen des Hundes vermeiden

Reitet man jedoch in einem (zu) flotten Galopptempo und der Hund ist eher kurzbeinig, kann es sei, dass er zurückbleibt. Das «Abhängen» des Hundes können wir nicht empfehlen, denn er befindet sich dann zum einen ausserhalb der Einwirkung des Besitzers und zum anderen muss es sich für einen Hund schrecklich anfühlen, wenn er seinen Menschen zu verlieren droht und im Höchsttempo hinter ihm her hetzen muss. Je nach Konstellation macht es Sinn, in ruhigem Tempo und auf breiten Wegen zu bleiben, wenn der Hund dabei ist, und ihn zu Hause zu lassen, wenn man schnell galoppieren möchte.

Reiten mit angeleintem Hund

Den Hund vom Pferd aus mit Leine zu führen, birgt immer ein gewisses Risiko. Benutzen Sie niemals eine Flexileine, wickeln Sie sich eine zu lange Leine nicht ums Handgelenk und befestigen Sie die Leine auf keinen Fall am Sattel. Halten Sie die Leine einfach nur in der Hand, um sie im Notfall loslassen zu können. Tritt dieser Notfall ein, versuchen Sie, die Leine vom Pferd wegzuwerfen, damit es sich nicht darin verheddert. Wir empfehlen, lieber abzusteigen und zu führen, wenn zum Beispiel die Verkehrssituation es für eine längere Strecke erforderlich macht, dass der Hund angeleint bleibt.

Reiten in der Gruppe

Je grösser eine Reitergruppe, desto grösser die Dichte an Bewegungsreizen für den Hund. Wenn Ihre Ausritte allein gut verlaufen, sollten Sie erst nur gemeinsam mit einem zweiten Reiter im Schritt ausreiten, bevor Sie zu mehreren mit Hund unterwegs sind. Sollen ausser Ihrem noch weitere Hunde mitkommen, klären Sie am besten vorab deren Verhalten mit den Besitzern.

Ist zu erwarten, dass die anderen Hunde sich beim Losreiten oder in einer bestimmten Situation aufregen, führen Sie den Anfang der Strecke und steigen Sie ab, wenn es kritisch wird. Lassen Sie sich das brave Verhalten Ihres Hundes nicht durch schlechte Vorbilder kaputtmachen, die zwischendurch mal schnell auf einen Jagdausflug verschwinden, unterwegs die Kühe auf der Weide ankläffen oder gar am Pferd Unsinn machen.

Mit dem Hund zuvorderst reiten

Klären Sie unbedingt die Vorlieben der anderen Reiter und Pferde ab: Welches Pferd hat Angst vor Hunden, welches tritt eventuell? Oft ist es am stressärmsten, wenn Sie mit Hund in der Gruppe vorn reiten und ihn vorausschicken. Dann werden andere Pferde gar nicht tangiert, niemand überreitet Ihren Hund und Sie haben ihn immer gut im Blick.

Kann eines der mitreitenden Pferde aber aufgrund mangelnder Ausbildung (noch) nicht hinten gehen, sondern will unbedingt das erste sein, dann macht es vielleicht mehr Sinn, in dieser Konstellation den Hund zu Hause zu lassen oder mit diesem Reiter/Pferd nicht zusammen auszureiten.

Klare Kommunikation wichtig

Entscheidungen dieser Art muss niemand persönlich nehmen, denn es geht einzig um die Sicherheit aller Beteiligten. Klare Kommunikation vorab erspart allen Stress. Zudem spricht überhaupt nichts dagegen, montags in Ruhe allein mit dem Hund auszureiten und dienstags den Hund daheim zu lassen, um einen geselligen Ausritt mit den Stallkollegen ohne weitere Verantwortung zu erleben.

Gemeinsames Impulskontroll-Training mit Pferd und Hund. Gefüttert wird immer mit genügend Abstand und unter Kontrolle des Menschen, damit kein Futterneid aufkommt. (Foto: Madeleine Franck)

Die Streckenplanung

Wie bereits gesagt, bietet es sich an, nicht unnötig viele Ortsdurchquerungen einzuplanen. Anstatt durch Ortschaften zu kommen, den Hund anleinen zu müssen und sich dem Verkehr auszusetzen, kann man oft ein, zwei Kilometer mehr reiten und dafür die Ortschaft umgehen.

Was den bevorzugten Untergrund angeht, haben Hund und Pferd ebenfalls ähnliche Interessen: Asphalt ist möglich, schadet auf lange Strecken und in höherem Tempo aber Füssen und Gelenken. Allzu steiniger Boden und Schotterwege erfordern ebenfalls ein langsames Reittempo und sollten daher gemieden werden, wobei Hunde oft auf Randstreifen naturbelassenen Boden vorfinden und Pferde mit Hufschutz auch auf Schotter gehen können.

Schatten und griffige Wege im Wald

Am schönsten ist natürlich das Reiten auf Wald- und Wiesenwegen, sofern diese nicht aufgeweicht, sondern griffig sind. Sie federn, belasten den Bewegungsapparat weniger und laden auch zu flotteren und längeren Ritten ein. Im Sommer ist zu bedenken, dass Hunde nicht auf heissem Asphalt laufen können und generell pralle Sonne gemieden werden muss. Ein Hitzschlag ist eine ernst zu nehmende Gefahr für Reitbegleithunde! Im Eifer des Mitkommenwollens gehen Hunde allzu leicht über ihre Grenzen hinaus.

Schützen Sie Ihren Hund vor seinem Eifer! Im Hochsommer kann mit Hunden tagsüber ausschliesslich in gemässigtem Tempo in dichten Wäldern geritten werden, besser nur in den frühen Morgenstunden. Wenn unterwegs nicht sicher Wasser in gut zugänglichen Bächen zu erwarten ist, nehmen Sie unbedingt eine kleine Wasserflasche und einen Faltnapf in Ihrer Satteltasche mit. Kotbeutel sind übrigens obligatorisch.

Vorschriften und gesetzliche Regelungen

Prinzipiell dürfen Sie Ihren Hund überall mit hinnehmen, wo es nicht ausdrücklich verboten ist, und Sie dürfen ihn immer dann frei laufen lassen, wenn keine Leinenpflicht herrscht. Hundegesetze sind regional unterschiedlich, das heisst ortsabhängig. In der Brut- und Setzzeit vom 1. April bis zum 31. Juli gilt zum Schutz wildlebender Tiere besondere Aufsichtspflicht und in manchen Kantonen auch ein genereller Leinenzwang. Unabhängig davon gebietet es selbstverständlich der Respekt vor Natur und Mitmenschen, dass wir unsere Hunde sozusagen ständig an der «unsichtbaren Leine» haben, sie keinesfalls unkontrolliert stöbern lassen und sie davon abhalten, andere Erholungssuchende in der Natur zu stören!

«Praktische Ausbildung für Pferd & Hund. Von der  Stallgasse bis zum gemeinsamen Ausritt», Katharina Möller und Madeleine Franck, Cadmos Verlag GmbH, 128 Seiten, 17 x 24 cm, ca. 65 farbige Abbildungen, Softcover, ISBN: 978-3-8404-2049-8, Preis: 19,95 €, 23, 90 CHF.

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