Aqua-Trainer gehören heute in einigen Reha‑ und Trainingsbetrieben zum festen Inventar. Sie versprechen gelenkschonende Bewegung und eine kontrollierte Belastung, die sich fein dosieren lässt. Doch wie stark wirkt sich Wassertraining tatsächlich auf die Muskulatur aus? Eine neue Studie aus dem Journal of Equine Veterinary Science (Articles in Press, 2026) liefert erstmals konkretere Hinweise.

Symbolbild: Bild von Petra auf Pixabay
Ein Trainingsreiz, der sich von der Arbeit an Land unterscheidet
Wasser verändert die Biomechanik deutlich: Der Auftrieb entlastet Gelenke und Sehnen, während der Widerstand des Wassers die Muskulatur stärker fordert. Für Pferde, die nach einer Verletzung wieder aufgebaut werden müssen, ist diese Kombination besonders interessant. Sie erlaubt eine aktive, aber dennoch kontrollierte Belastung, ohne dass das Pferd sein volles Körpergewicht tragen muss.
Was die Studie untersucht hat
Die Forschenden begleiteten Springpferde über mehrere Wochen in einem strukturierten Aqua-Training. Mithilfe bildgebender Verfahren erfassten sie Veränderungen der Skelettmuskulatur und verglichen diese mit Kontrollpferden, die kein Wassertraining absolvierten. Ziel war es, festzustellen, ob sich die Muskelstruktur messbar verändert – und falls ja, in welchen Bereichen.
Die wichtigsten Befunde
Die Studie beschreibt eine Zunahme der Muskelmasse in bestimmten Regionen, insbesondere dort, wo Rumpfstabilität und Schubkraft der Hinterhand eine Rolle spielen. Die Anpassungen traten innerhalb eines relativ kurzen Trainingszeitraums auf, fielen jedoch nicht in allen Muskelgruppen gleich aus. Die Autorinnen und Autoren bewerten die Veränderungen nicht als „besser“ oder „schlechter“, sondern halten sie als beobachtete morphologische Anpassungen fest.
Was heisst das für die Praxis?
Aqua-Training ist nicht nur eine schonende Bewegungsform. Es kann zudem den Muskelaufbau unterstützen, besonders bei Pferden, die nach einer Pause wieder an Kraft gewinnen sollen. Gleichzeitig ersetzt Wasserarbeit kein vielseitiges Training an Land. Für Tragkraft, Koordination und langfristige Leistungsfähigkeit bleibt ein breites gymnastisches Programm entscheidend.
Die Studie zeigt zudem, wie stark Faktoren wie Wassertiefe, Geschwindigkeit und Trainingsdauer die Belastung beeinflussen. Pauschale Empfehlungen lassen sich daraus nicht ableiten; die Gestaltung des Trainings bleibt eine individuelle Aufgabe.
Einordnung der Ergebnisse
Die Untersuchung liefert wertvolle Hinweise, hat aber Grenzen: Die Stichprobe ist überschaubar, und es fehlen Langzeitdaten, die Aussagen über nachhaltige Leistungsentwicklung oder mögliche Überlastungsrisiken erlauben würden. Dennoch zeigt die Studie, dass Aqua-Training strukturelle Veränderungen der Muskulatur auslösen kann – ein Befund, der für Reha-Betriebe und Trainerinnen und Trainer gleichermassen spannend ist.
Quelle
Journal of Equine Veterinary Science, Articles in Press (2026): Aqua training promotes changes of skeletal muscle mass in show jumping horses.
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