Zwei Tage, zwei Welten: Während am White Turf Family Day die Ponys und Kinder den St. Moritzersee erobern, gehört die Bühne am Rennsonntag den Vollblütern, der Society – und dem grossen Sport.

Text & Bilder: Kavallo Redaktion
Samstag: Pony-Power auf Eis
Am Family Day scheint der Himmel tief über dem St. Moritzersee zu hängen. Das Licht ist flach, die Gipfel verlieren sich im Dunst – von Postkarten-Kitsch keine Spur. Doch auf dem Eis herrscht Hochbetrieb: Ein Strom aus Familien wandert über die gefrorene Fläche, Kinder werden auf Schlitten hinterhergezogen, eingepackt in warme Skianzüge und bunte Bommelmützen.
Das nasskalte Wetter drückt ein wenig auf die Stimmung, vor allem für jene, die länger am Streckenrand stehen. Gleichzeitig entsteht genau dadurch dieser typische Family-Day-Charme: Man rückt näher zusammen, wärmt sich an heissen Getränken – und staunt umso mehr über die jungen Sportlerinnen und Sportler, die mit ihren Ponys im Galopp über den See sausen.
Zwischen Ponyrennen, Kids-Skikjöring, Pony-Taxi und Maskottchen-Auftritten bleibt kaum ein Moment ohne Action. Wer gerade nicht um den Sieg reitet, sammelt erste Erfahrungen im Sattel, denn ganz hoch im Kurs ist das geführte Ponyreiten. Wer den Vierbeinern noch nicht ganz traut, wagt sich auf die Schlittschuhbahn. Der See mutiert zum riesigen Winterspielplatz, die Stimmung ist fröhlich und gelöst, dem grauen Wetter zu trotz.






Sonntag: Champagner-Wetter vor Bergkulisse
Nur 24 Stunden später fühlt sich derselbe See an wie ein ganz anderer Ort: Die Sonne strahlt, der Himmel zeigt sich in sattem Blau, und die Engadiner Berge stehen gestochen scharf hinter der Rennbahn. Was für eine Kulisse!
Auch das Publikum wirkt wie ausgewechselt: Zwischen Daunenjacken und Wollmützen mischen sich Pelzkrägen, Moon Boots und Designer-Sonnenbrillen. Society und Pferdefans stehen oder sitzen Schulter an Schulter an den Rails oder auf der Tribüne. Das White Turf schafft dabei einen Spagat, der sich im Portemonnaie widerspiegelt. Während der Stehplatz bereits für 29 CHF zu haben ist, lassen sich exklusive VIP-Packages bis zu 850 CHF pro Person kosten.
Diese Vielfalt setzt sich auf den Tellern fort. Hier existiert vieles friedlich nebeneinander: Die klassische Bratwurst und Pizza treffen auf lokale Spezialitäten und frische Austern. Nur ein Detail fehlte überraschend: Die im Reitsport sonst fast obligatorischen Pommes waren nirgends zu finden – stattdessen prägten unzählige Champagnergläser das Bild. Während die Rennen im Halbstundentakt starten, wird am Rand flaniert, geprostet und posiert; People-Watching gehört hier ganz selbstverständlich dazu.
Das vielleicht Erstaunlichste an diesem Tag? Trotz der rund 10.000 Besucher bleibt die Atmosphäre entspannt. Dank breiter Wege und einer grosszügigen Flächenplanung – von der Gastronomie bis zu den Sanitäranlagen – kommt kein Gedrängel oder Schieben auf.
Drei Namen für das Gedächtnis
Sportlich ist der Sonntag das Revier der Profis. Der Rhythmus aus Trab, Flachrennen und Skikjöring ist halbstündlich getaktet, und lässt damit genügend Raum um zwischen Rennbahn, Kulinarik und den besten Aussichtspunkten hin- und herzupendeln.
Drei Pferde drückten dem Renntag ihren Stempel auf:
- Beau Gars: Der Aussenseiter schockte die Favoritenwetten und stürmte im mit 25’000 Franken dotierten Sprint zum Sieg.
- High Noon: Im Trabrennen demonstrierte er pure Kraft und Kontrolle auf dem eisigen Untergrund.
- Dressman: Der Star über die 1800 Meter im Flachrennen.
Fazit: Ein Event, zwei Gesichter
Am Ende bleibt der Eindruck eines Wochenendes mit zwei Gesichtern, die erstaunlich gut nebeneinander funktionieren. Kinderlachen am Pony-Taxi oder auf der Schlittschuhbahn und Champagnergläser an den Rails oder in VIP Lounges – beides gehört zu diesem Event, der Familien, Rennsportfans und Society-Publikum auf demselben See zusammenführt, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Perspektiven.
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