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Die momentane Befindlichkeit eines Pferdes richtig deuten zu können, erleichtert den Umgang mit ihm stark. Doch was im Zusammenleben unter Menschen genauso möglich ist, kann auch beim Pferd passieren – Irrtümer sind nicht auszuschliessen.
Das generelle Befinden eines Pferdes beurteilen Halter und Ausbilder zunächst aus dem physischen Zustand und dessen Veränderungen: Körpergewicht, Fellzustand, Nahrungs- und Wasseraufnahme, Ruheverhalten, Bewegungslust u.?a., aber auch am Ausdruck von Gesicht und Körperhaltung. Befindlichkeit wirklich feststellen kann aber jedes Individuum nur an sich selbst. Als Aussenstehender ist man darauf angewiesen, das zu bewerten, was Aussehen und Verhalten des Gegenübers im Kontext mit der gegebenen Situation mitteilt. Diese Bewertung bleibt also eine Einschätzung, die auch die Möglichkeit einschliesst, dass man sich irrt.
Verhalten vorausahnen
Auf Befindlichkeiten einer engen Bezugsperson reagieren Pferde. Den Tieren entgehen die feinen Verhaltensunterschiede nicht, die mit Änderungen der Gefühlslage ihres menschlichen Partners verbunden sind. Sollte nicht Gleiches in umgekehrter Richtung möglich sein? Den Ausbilder interessiert es, wie das Pferd «drauf ist». Dessen Befinden gibt ihm Hinweise darauf, was das Pferd bewältigen kann, und es hilft ihm, in jedem Moment der Arbeit das Verhalten des Pferdes vorauszuahnen.
Das Pferd gibt dabei durchaus Zeichen von sich, die anzeigen, ob es gerade «Erwünschtes» oder «Unerwünschtes» erlebt und ob es sich sicher oder unsicher fühlt. Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich diese übergeordneten Kategorien von Befindlichkeit am zuverlässigsten einschätzen lassen, insbesondere wenn der Bezug zur jeweiligen Situation Berücksichtigung findet (Tschanz et al., 1997, Tschanz, 2007). Demjenigen, der mit Pferden umgeht und sie ausbildet, genügen diese Kategorien nicht; er arbeitet mit einer grösseren Differenzierung von Befindlichkeiten. Eines der Zeichen des Pferdes ist z.B. das «Kauen und Lecken». Ich selbst habe dieses Verhaltensdetail jahrzehntelang nicht beachtet, bis es die Tierärztin Marion Wickert (2004) zum Gegenstand ihrer Dissertation machte. Einige Kaubewegungen in Verbindung mit Ablecken der Lippen zeigen Pferde z.?B. nach dem Durchparieren zum Schritt oder Halten, aber auch nach dem Wälzen oder Aufstehen. Wickert ordnet diese Verhaltensweise dem Übergang von Anspannung zu Entspannung zu und wertet sie als Zeichen für das «Unbelastetsein für das nächste Ziel». Eine weitere Feststellung interessiert im Zusammenhang mit der klassischen Ausbildungslehre: Beim Leerkauen entsteht Speichelfluss, der physiologisch auf einen beruhigenden Effekt schliessen lässt. Beim Reiten ist angestrebt, dass das Pferdemaul tätig ist, «sich mit dem Gebiss beschäftigt». Beim Arbeiten nach dem dargestellten Belohnungsprinzip teilt der Reiter dem Pferd fortlaufend sein «Okay» mit, z.B. durch leichtes Nachgeben, das Pferd gibt sein «Okay» durch Kauschläge; der schaumige Saum der Lippen, der mit dieser Aktivität verbunden ist, gilt also als ein erwünschtes Zeichen dafür, dass das Pferd die von uns verlangten Anforderungen entspannt bewältigt. Hier ist auch die Aufforderung des Reitlehrers an die Schüler am Ende des Unterrichts einzuordnen: «Zügel aus der Hand kauen lassen.» Allerdings muss dazu das Reithalfter so verschnallt sein, dass das Pferd überhaupt noch kauen kann. Die Zäumungslehre schreibt deshalb vor, dass zwischen Nasenbein und Nasenriemen zwei Finger nebeneinander Platz haben sollen.
Knirschen nicht gleich Knirschen
Das Kauen und Lecken erfolgt mit mässiger Tätigkeit der Kaumuskulatur. Wenn dagegen das Pferd mit den Zähnen knirscht, sind die Kiefermuskeln angespannt – was darauf hindeutet, dass sich das Pferd nicht «loslässt». Dauerknirschen zeigt erfahrungsgemäss an, dass sich das Pferd nicht wohlfühlt. Bei manchen Pferden kommt es allerdings auch vor, dass sie in Augenblicken hoher Konzentration meist leise Knirschgeräusche von sich geben, auch wenn sie für die Erfüllung der Anforderungen motiviert erscheinen. Meine Stute Kitty war so eine Kandidatin; ich wertete den damit angezeigten Erregungszustand als einen Hinweis, zu Entspannungsübungen oder Arbeitspausen überzugehen. Die Erregung bei konzentrierter Arbeit kann sich auch in anderen «Marotten» ausdrücken. Eines meiner früheren Lehrpferde für die Arbeit am langen Zügel war der von Egon von Neindorff ausgebildete Trakehner-Wallach Ibikus. Er hatte die Angewohnheit, mit Ober- und Unterlippe aufeinander zu klappern, wenn es anstrengend wurde.
Im zweiten Teil unserer Leseprobe über die Einschätzung der Befindlichkeit des Pferdes weist Ulrich Schnitzer noch auf weitere Verhalten hin, die uns Hinweise auf den Gemütszustand vermitteln.
*Mit freundlicher Genehmigung des FNverlages entnommen aus «Verhalten und Pferdeausbildung», FNverlag, Warendorf, 2018.

Verhalten und Pferdeausbildung.

An seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Ausbildung von Pferden lässt Ulrich Schnitzer alle teilhaben, die die Ausbildung ihrer Pferde in einer harmonischen Reiter-Pferd-Beziehung vornehmen wollen. Anschaulich und gut verständlich führt er die Ausdrucksverhalten von Pferden in der Auseinandersetzung mit uns Menschen vor Augen. Prof. Ulrich Schnitzer. 80 Seiten mit vielen Fotos und Illustrationen, 21 x 26cm, geb., FNverlag. Fr. 42.90

Initimes Kennen als Voraussetzung

Bei der Wahrnehmung der Befindlichkeit des Pferdes und dem damit verbundenen spontanen Handeln der ausbildenden Person wirken mehrere Elemente zusammen:
• das Erfahrungswissen darüber, was «normales» Verhalten von Pferden ist mit seinen rasse-, geschlechts- und altersspezifischen Merkmalen;
• das intime Kennen des einzelnen Tieres. Denn die Unterschiedlichkeit, mit der Pferde Nuancen ihres Befindens preisgeben, ist kaum geringer als beim Menschen (manch einer, der Aussenstehenden gegenüber einen missgelaunten Eindruck erweckt, befindet sich in bester Laune);
• die ganzheitliche Sinneswahrnehmung in der akuten Situation;
• die unbewusste Verarbeitung dieser komplexen Wahrnehmung mit den Erfahrungen und der Einzeltierkenntnis zu einer Beurteilung;
• die Konsequenz daraus für das Handeln gegenüber dem Pferd.
Dieser Weg des Erfassens, Urteilens und Handelns beruht also zum grossen Teil auf Intuition, weniger auf Analyse.

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