Zu Pioniertaten scheinen Isländer geboren zu sein. Denn als friedliche Eroberer waren sie schon im Jahre 984 aufgetreten, als sie an der Seite der norwegischen Siedler nach Island kamen, während Jahrhunderten das einzige Transportmittel blieben und damit die Besiedlung der Insel erst ermöglichten. Fast 1000 Jahre sollten vergehen, bis die Nachfahren dieser keltischen Robustpferde wieder aufs europäische Festland zurückkehrten, um nochmals eine neue Ära einzuleiten – die Freizeitreiterei. Für Jahre waren die gutmütigen und robusten Nordländer der Inbegriff für einen nicht wettkampfmässig betriebenen Pferdesport bei naturnaher Haltung, vorzugsweise in der Gruppe. Das neu erwachte Pferdeverständnis zeigte Breitenwirkung: Auf die Isländer folgte Rasse um Rasse, was zu einer bisher nicht vorstellbaren Vielfalt führte.
Reiten als Sport
Dass sich Isländer aber nicht nur für ein unbeschwertes Feierabendvergnügen einsetzen lassen, zeigten dieser Tage die in Brunnadern ausgetragenen Mitteleuropäischen Meisterschaften. Als «wichtigsten internationalen Turnierevent» pries der Deutsche Islandpferdeverband den von Teams aus zehn Ländern besuchten viertägigen Anlass, neben den Weltmeisterschaften zweifellos das sportlich hochstehendste Turnier.
Wäre Spitzensport gleichzusetzen mit hochdotierten Preisgeldern, müsste die Islandpferdereiterei nach wie vor als Feierabendvergnügen eingestuft werden. Denn Geldpreise gibt es an Championaten nicht, auch wenn mittlerweile für ein gutes Turnierpferd bis zu 100000 Franken bezahlt werden. «Das Reiten ist der Sport und nicht das Turnier», bringt es Eve Barmettler, eine der unermüdlichen Vorkämpferinnen in Sachen Islandpferd, auf den Punkt. Dass sich über den Sport das reiterliche Niveau steigern lässt, galt zu Zeiten der Kavallerie vor über 100 Jahren wie beim Breitensport moderner Prägung. Denn auch für Eve Barmettler hat sich die Islandpferdereiterei laufend verbessert. Bei den Reitern wie bei den Pferden, die heute im Aquatrainer ebenso zielgerichtet gefördert werden wie hochklassige Rennpferde.
Obwohl man heute recht tief in die Tasche greifen muss, um mit einem Isländer im Passrennen, in der Tölt-, Vier- oder Fünfgangprüfung am Schluss vorne zu sein, geht es um die Haltung, haben sie das bleiben können, was sie von Anfang an waren. Auch an einer internationalen Meisterschaft mit Teilnehmern aus zehn Nationen muss sich kein Pferd im engen Stallzelt langweilen, sondern kann wie zu Hause einen ganztägigen freien Auslauf geniessen.
Fantasie kennt keine Grenzen
Die Entwicklungen im Pferdesport vor 50 Jahren beschränkten sich nicht auf die Schweiz allein. Das gleiche Szenario spielte sich bei der Pferdenation Deutschland ab. Was für die Tradi-tionsdisziplinen das Bundeschampionat ist, ist das Bundespferdefestival für den Freizeitbereich. Zum sechsten Mal wurde es dieses Jahr ausgetragen, erstmals wurde es nach Süddeutschland vergeben. Die rund 40000 Besucher erlebten eine bunte Welt der Pferde und machten die Veranstaltung zu einem Erfolg. Ob unter dem Sattel, ob vor der Kutsche, ob an der Longe, ob an der Hand: Das Bundespferdefestival bewies sich einmal mehr als Schaufenster des Breitensports mit dem Pferd. Drei Tage lang gaben Reiter, Fahrer, Voltigierer und Züchter Einblick in die vielseitigen und fantasievollen Möglichkeiten, seine Freizeit mit Pferden und Ponys zu verbringen. Auf zwölf Plätzen konnten die 800 Teilnehmer in über 70 Wettbewerben teilnehmen. Einsteiger konnten ihre ersten Versuche auf dem Pferde–rücken in teilweise geführten Klassen zeigen. Geschicklichkeit galt es in den Allroundreiter-Prüfungen und Springwettbewerben zu zeigen. Teamgeist und Fantasie waren in den Dressurwettbewerben gefragt. Turnen auf dem Pferderücken sahen die Zuschauer beim Gruppenvoltigieren. Hinzu kamen diverse Angebote für Fahrer, für Western- und Wanderreiter. Manchmal ging es ruhig zu, manchmal rasant und laut wie zum Beispiel bei den Mounted-Games-Reitern. Und fast immer war es bunt. In Wettbewerben mit Verkleidung und Kostümen – auch für die Pferde – lebten die Teilnehmer sehr zur Freude der Besucher ihre ganze Fantasie aus. Sich präsentieren und ausprobieren war das Motto der meisten Teilnehmer, die oft in mehreren Wettbewerben starteten und Schnupperangebote nutzten. Für den Bundescharakter der Veranstaltung sorgten eine Länderteamwertung, die Bundesstutenschau Sport-ponys sowie das bundesweite Cham-pionat des Freizeitpferdes respektive -ponys.
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