Pferde stellen besondere Ansprüche an eine Weide. Die Besonderheiten des Pferdes als Weidetier werden allerdings oftmals nicht berücksichtigt und viele Flächen ähnlich bewirtschaftet wie Weiden für Rinder. Pferde unterscheiden sich nicht nur in ernährungsphysiologischer Hinsicht von Rindern. So verbeissen sie Pflanzen mit ihren Schneidezähnen tiefer und ausgeprägter als Rinder, wodurch das Regenerationsvermögen von wertvollen Futterpflanzen empfindlich erschöpft werden kann. Es bilden sich Lücken in der Grasnarbe, in denen sich Unkräuter ansiedeln und ausbreiten können. Eine weitere Herausforderung stellt das selektive Weideverhalten der Pferde dar. Nicht schmackhafte Pflanzen und mit Kot und Harn verschmutzte Stellen werden stehen gelassen und können bei fehlendem Weidemanagement zum Problem werden. Zudem haben Pferde einen ausgeprägten Bewegungsdrang, sodass die Weide nicht nur der Ernährung, sondern auch als Spiel- und Bewegungsraum dient. In Kombination mit dem starken Tritt der Pferdehufe führt das zu einer stärkeren Verletzung der Grasnarbe und begünstigt das Auftreten von Unkräutern.
Die speziellen Eigenschaften des Pferdes als Weidetier und ein unangepasstes Weidemanagement führen dazu, dass die Verunkrautungsgefahr auf Pferdeweiden besonders gross ist. Unkräuter lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
• fakultative Unkräuter
• obligate Unkräuter
Exemplarisch werden im Folgenden Beispiele fakultativer und obligater Unkräuter sowie die Vorbeugung ihrer Verbreitung und ihre Bekämpfung diskutiert. Die Aufstellung auf Seite 54 und 55 gibt eine Übersicht über eine Auswahl der für Pferdeweiden bedeutsamen Unkräuter. Als fakultative Unkräuter werden Pflanzen bezeichnet, die von einem bestimmten Anteil am Pflanzenbestand an zu Unkräutern werden. Als fakultatives Unkraut auf Pferdeweiden gilt zum Beispiel der Weissklee (Trifolium repens L.). Als tritttolerante Pflanze wäre er grundsätzlich wertvoll für die Beweidung mit Pferden, zumal er auch gerne gefressen wird. Dennoch sind hohe Anteile aufgrund des niedrigen Strukturgehaltes nicht erwünscht, da dies zu Fehlgärungen im Verdauungstrakt mit der Gefahr einer Kolik führen kann. Wie die meisten Unkräuter kann auch der Weissklee von Grasnarbenverletzungen profitieren. Dank seiner Ausläuferbildung, welche durch den starken Tritt der Pferde noch gefördert wird, kann er Lücken in der Grasnarbe schnell besiedeln. Zudem gilt er als Zeigerpflanze für Überbeweidung. Als flachwachsende Pflanze profitiert er von der fehlenden Beschattung durch andere Pflanzen, wenn diese kurz abgefressen sind. Präventiv sollten also vor allem Überbeweidung und Grasnarbenverletzungen vermieden werden.
Schädlich für Tiere und Weide
Obligate Unkräuter sind Pflanzen, die überall und in jedem Zustand mit all ihren Organen und in jeder Menge schädlich für die Weidetiere und/oder die Grasnarbe sind. Zu dieser Kategorie der Unkräuter gehören echte Giftpflanzen sowie Platz- und Nährstoffräuber. Bei Platz- und Nährstoffräubern handelt es sich um Pflanzen, welche im Vergleich zu ihrem Futterwert zu viel Wuchsraum beanspruchen oder aufgrund ihrer Wuchsform von den Tieren gemieden werden.
Ein sehr lästiger Platz- und Nährstoffräuber ist die Ackerkratzdistel (Cirsium arvense [L.] Scop.). Sie wächst vermehrt auf überdüngten Flächen, weswegen sie auf Pferdeweiden oftmals an Kotstellen zu finden ist. Zudem bildet sie sowohl sehr tiefe als auch seitliche Wurzeln, welche ein grosses Reservestoffspeichervermögen haben. Sogar kleinste Wurzelstücke können wieder austreiben und eine neue Pflanze hervorbringen. Wie der Name Ackerkratzdistel bereits besagt, tragen ihre Blätter Stacheln, weswegen sie von Pferden nicht gefressen wird. Insgesamt ist sie also ein sehr konkurrenzstarkes und hartnäckiges Unkraut. Man sollte bereits Einzelpflanzen ausstechen, denn wenn sich eine Ackerkratzdistel im Bestand etabliert hat, ist deren Bekämpfung ein mehrjähriges Unterfangen mit wiederholtem Ausreissen und/oder Schneiden.
Gefahr echter Giftpflanzen
Eine echte Giftpflanze, welche im Zusammenhang mit Pferden stark thematisiert wird, ist das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobea L.). Besonders häufig ist das Jakobskreuzkraut auf wenig gepflegten Dauerweiden anzutreffen. Weitere typische Standorte sind extensiv bewirtschaftete Böschungen, Waldsäume und extensive Weiden. Vereinzelt kann auch auf intensiv genutzten Weiden Jakobskreuzkraut vorkommen, wenn sie an obengenannte Flächen grenzen. Die zwei wichtigsten Einflussfaktoren, die das Auftreten von Jakobskreuzkraut begünstigen, sind eine extensive Bewirtschaftung und Lücken in der Grasnarbe, wo sich das Jakobskreuzkraut etablieren kann. Je höher die Bewirtschaftungsintensität, umso kleiner ist das Risiko, dass sich das Jakobskreuzkraut ausbreiten kann.
Ein wichtiger Faktor für die Gefährlichkeit des Jakobskreuzkrauts ist die Tatsache, dass bereits kleine Mengen toxisch wirken und sich die Abbauprodukte der enthaltenen Alkaloide in der Leber anreichern. Dadurch können sich die Giftstoffe im Tier auch bei der Aufnahme von kleinen Portionen kumulieren und werden nicht abgebaut. Vergiftungssymptome können so unter Umständen erst nach Jahren auftreten.
Wichtig zu wissen ist weiterhin, dass das Jakobskreuzkraut – wie viele andere Giftpflanzen – auch nach der Futterkonservierung (Silieren oder Trocknen) giftig bleibt. Da die Selektionsfähigkeit der Pferde beim Fressen von konserviertem Futter viel weniger ausgeprägt ist als auf der Weide, ist die Vergiftungsgefahr deutlich höher. Falls kein eigenes Raufutter produziert wird, ist es daher beim Zukauf sehr wichtig, über dessen Herkunft Bescheid zu wissen.
Verbreitung frühzeitig -verhindern
Wie bei allen Unkräutern besteht die beste Bekämpfungsmassnahme darin, eine Verbreitung frühzeitig zu verhindern und bereits Einzelpflanzen zu entfernen. Junge Pflanzen im Rosettenstadium lassen sich leicht ausreis-sen oder ausstechen. Weiter lassen sich mit einem sorgfältigen Weidemanagement Lücken in der Grasnarbe durch eine Über- oder Unternutzung der Weide vermeiden. Durch regelmäs-siges Mulchen oder Schneiden kann ein zu hohes Aufwachsen der Pflanzen verhindert werden.
Damit eine verunkrautete Pferdeweide nicht zum Albtraum wird, gilt es bei der Bewirtschaftung mehrere Faktoren zu beachten. Eine wichtige Rolle bei der Erhaltung einer unkrautarmen Weide spielen die Vermeidung von Lücken, eine angepasste Nutzung und eine Verhinderung der Ausbreitung der Pflanzen. Unter- oder Überbeweidung und das Entstehen von Geilstellen sollten vermieden werden. Dabei scheint die Erhaltung einer dichten und intakten Grasnarbe die beste präventive Massnahme zu sein, da die meisten Unkräuter stark von Lücken im Bestand profitieren.
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