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Schweizer lassen sich nicht gerne zählen. Sich selber nicht und auch ihre Pferde, Ponys, Esel, Maultiere und Maulesel nicht. Das einstige System mit den in alle Haushaltungen verschickten Volkszählungs-Fragebogen fand keine Akzeptanz mehr, sodass ab 2010 die Eid-genössische Volkszählung in ein statistisches System integriert wurde. Schliesslich war jeder Einwohner irgendwo in einer Gemeinde registriert. Doch was bei den Zweibeinern usus ist, fehlt bei den Vierbeinern – eine genaue Zahl kennt niemand. Scheint auch nicht so wichtig. Bei der seit 1. Januar 2011 laufenden grossen Pferdezählung steht neben der Anzahl ebenso der Aufenthaltsort der Pferde im Vordergrund. Daher suchte das auf die Landwirtschaft ausgerichtete Internetportal Agate nach jedem Pferdeschwanz. Ihm fehlten noch die Daten zur Identität und Standortwechsel der von Landwirten gehaltenen Pferde, um Direktzahlungen zu berechnen, Kontrollen durchzuführen oder Auswertungen vorzunehmen. Bis Ende vergangenen Jahres hätten dann alle Equiden im Agate-Portal bei der Identitas in Bern von ihren Besitzern eingetragen sein müssen. Doch das war Wunschdenken, wie Jürg Guggisberg von der Identitas aufzeigt: «Allein in der ersten Januarwoche dieses Jahres gingen 4500 Meldungen ein. Im Februar waren es dann immer noch gut 800 pro Woche.» So stieg die Zahl der lebend registrierten Tiere von 77?850 per 31. Dezember 2012 auf fast 85?000 Mitte Februar an. 
Mehr als nur Spielerei
Die Registrierung der Equiden bei der Tierverkehrsdatenbank ist nicht als Spielerei der Bundesverwaltung zu sehen, sondern weist nebst den erwähnten Gründen weitere stichhaltige Argumente auf. Auch in der Schweiz können hochansteckende Krankheiten wie das West-Nil-Fieber oder die Afrikanische Pferdepest auftreten. Nur wenn alle Pferde registriert sind und sämtliche meldepflichtigen Ereignisse wie ein Stallwechsel erfasst werden, können Seuchen im Ernstfall schnell und effizient bekämpft werden. Doch nicht allein wegen hochansteckender Krankheiten macht die Tierverkehrsdatenbank Sinn, wie die Schlagzeilen um nicht deklariertes Pferdefleisch in Fertigprodukten vor Augen führten. Mit der schweizweiten Zählung auch von den nicht bei Landwirten stehenden Pferden lässt sich die Lebensmittelsicherheit für die Bevölkerung stark verbessern. 
Der Anteil der als Nutztiere registrierten Pferde an der Gesamtpopulation liegt bei 62 Prozent. Nur gut ein Drittel der Besitzer hält sein Pferd als Heimtier, will es bei seinem Ableben demzufolge nicht für den Verzehr freigeben. Bei der Geburt ist jeder Equide ein Nutztier, das heisst ein Tier, das für die Fleischproduktion vorgesehen ist. Der Besitzer kann dies jedoch ändern und sein Pferd nicht mehr als Nutztier, sondern als Heimtier bezeichnen, was der Tierverkehrsdatenbank zu melden ist. Dieser Wechsel ist einmalig und kann nicht rückgängig gemacht werden. Beim Nutztier führt der Stallbesitzer ein Behandlungsjournal, das belegt, dass das Tier gesund ist und nicht mit verbotenen Medikamenten behandelt worden ist. Beim Heimtier entfällt das Führen eines Behandlungsjournals und im Falle einer Krankheit dürfen alle Medikamente eingesetzt werden. 
Jürg Guggisberg gibt sich keinen Illusionen hin, dass man in der Schweiz in absehbarer Zeit die exakte Zahl Pferde, Ponys, Esel und Co. kennen wird. Die Registrierung der Equiden ist für ihn mit einer sehr schwierigen Ausgangslage verbunden, weil sich die Eigentümer zuerst einmal selber dazu bekennen müssen. Hinzu kommt, dass einige von ihnen wenig EDV-gewohnt sind. Und etliche Besitzer wohl kaum daran interessiert sind, dass ihr vielleicht weder tierschutz- und zonenkonformer Stall den Behörden bekannt wird. Unbrauchbar erwies sich zudem die Idee, Pferde- und aus datenschützerischen Gründen Personen-daten aus bestehenden Datenbanken zu übernehmen: Gegen 80?000 Pferde beispielsweise waren bei einem der grossen Pferdezuchtverbände eingetragen, zwischen 20?000 und 25?000 Tiere dieses Verbandes dürften es sein, die in der Schweiz noch ihr tägliches Heu fressen. 
Doch nicht nur die Ersterfassung der Pferde ist ein steiniger und wohl noch lange nicht abgeschlossener Weg. Der Vollzug und die Kontrolle liegen ohnehin bei den Kantonen, die bei einer Kontrolle eine Frist bestimmen werden, bis wann die Pferde definitiv einzutragen sind. Aufgrund des Tierseuchengesetzes wären die Behörden in der Lage, säumige Besitzer mit Gebühren zu bestrafen.  
Exakte Zahlen zu den Pferden sind nur aus der Landwirtschaft zu erhalten. Eine genaue Angabe der auf ihren Betrieben gehaltenen Pferde zahlt sich für Bauern in barer Münze aus. Auch Guggisberg kommt nicht um Schätzungen herum. Knapp 85?000 waren Mitte Februar als in der Schweiz lebend registriert. Und wie viele werden es tatsächlich sein? «Eine Zahl zwischen 100?000 und 110?000 Pferden», gibt er aufgrund seiner bisher gemachten Erfahrungen an. Problematisch erwies sich die Forderung, dass alle zu registrierenden Equiden über einen Pass verfügen müssen. Momentan laufen Gespräche zwischen dem Bundesamt für Landwirtschaft und dem Bundesamt für Veterinärwesen, wie die künftige Regelung aussehen soll. 
Mit der Ersterfassung ist der Besitzer noch nicht aus der Pflicht entlassen. Ein Standortwechsel ist ebenso zu melden wie ein neuer Besitzer oder das Ableben. Für die kommenden Jahre ist für das Führen der Datenbank mit Kosten in der Höhe von 350?000 Franken zu rechnen. Finanziert werden sie über Beiträge: je 40 Franken bei Geburt oder Import sowie 5 Franken bei der Schlachtung. Kosten, die den Schweizer Pferdesport nicht belasten, ihm aber wertvolles und nach verschiedensten Kriterien selektierbares Datenmaterial liefert, das bei Identitas abgerufen werden kann. Registrierte Organisationen haben zudem jederzeit Zugang zu den von ihren Mitgliedern erfassten Pferden. Höchst aufschlussreich ist schon zu sehen, in welchen Gebieten unseres Landes die Pferdedichte am höchsten ist. Exakt in den bevölkerungsreichen Kantonen. 
Wenig Verschiebungen bei den Kantonen
Wie zuverlässig auch immer die staatlich angeordnete Zählung aller in der Schweiz lebenden Equiden ausfallen wird, das Agate-Portal öffnet der helvetischen Pferdewelt bisher unbekannte Möglichkeiten. Denn wen interessierten früher schon Ponys und Esel? Im 1987 erstellten «Leitbild für das Pferd» sind erstmals für das Jahr 1973 verlässliche Zahlen für Ponys und Esel aufgeführt. 4612 Ponys sowie 1080 Esel wurden damals gezählt, was ihnen am Gesamtbestand von 52?868 einen Anteil von 10,7 Prozent eintrug. 20 Prozent sind es heute! Doch all diese Zahlen stimmen nur bedingt, weil ausser für in der Landwirtschaft gehaltene Tiere keine Meldepflicht bestand. Und die jährliche militärische Pferdestellung hatte nach der Abschaffung der Kavallerie 1973 auch nicht mehr die Bedeutung von einst. 
Höchst aufschlussreich ist dagegen zu sehen, dass sich vor 30 Jahren die Pferde zahlenmässig auf die Kantone etwa gleich verteilten wie heute: Auch 1983 lag Bern mit 11?771 Pferden an der Spitze vor Zürich mit 5315 und der Waadt mit 3483. Einzig der Kanton Jura rutscht vom fünften auf den achten Platz ab, was auf den starken Rückgang in der Freibergerzucht zu erklären ist. 
Aktuelle Zahlen über den Pferdebestand sind letztlich nicht nur für die Bundesämter von Bedeutung. Anzunehmen ist, dass auch die Verbände das aktuelle Zahlenmaterial in ihre Arbeit einfliessen lassen. Um letztlich ihre Ziele und Strategien auf fundiertes Zahlenmaterial abstützen zu können.
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