Jede Stimme zählt – auch Ihre!
Unterschreiben auch Sie die Petition auf www.no-rollkur.com oder www.sfrv-asel.ch gegen diese tierquälerische Reitmethode, damit die FEI endlich konsequent gegen fehlbare Reiter und Ausbildner vorgeht.
ROLLKUR WIR STELLEN UNS DAGEGEN!
Über 25 000 Unterschriften sind schon zusammengekommen und es sollen noch mehr werden: Mit der internationalen Petition gegen Rollkur/Hyperflexion und Low-Deep-Round (LDR) werden die Verantwortlichen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) aufgefordert, solch fragwürdige Ausbildungsmethoden endlich vollständig zu verbieten.
Die Bilder ähneln sich: der Pferdekopf fast bis auf die Brust gezogen, der Hals extrem überdehnt, aufgerissene Augen, meist auch hart angezogene Zügel – die sogenannte Rollkur erhitzt schon seit Jahren die Gemüter. Waren es bis Ende der neunziger Jahre nur einige Dressur- und eine ganze Reihe Springreiter, die diese Methode nutzten, änderte sich das wenig später drastisch. Die niederländische neunfache Olympia-Medaillengewinnerin Anky van Grunsven und ihr Trainer und Ehemann Sjeff Janssen machten aus der Rollkur eine Ausbildungsmethode. Klassisch orientierte Reiter und Ausbildner zeigten sich empört – was die FEI im Jahr 2006 veranlasste, zu einer Expertenrunde einzuladen. Deren Ergebnis: Rollkur sei aggressives Reiten und deshalb verboten. «Hyperflexion» hingegen sei – ausgeübt von Profis – erlaubt. Doch was viele Kritiker sofort vermuteten, bestätigte sich schnell: Dem Kinde war nur ein anderer Name verpasst worden, Anky van Grunsven und Co. hielten unbeirrt an ihrer Methode fest, die Bilder auf den Abreiteplätzen von zusammengezogenen Pferden waren weiterhin zu sehen.
Vier Jahre später, Anfang 2010. Der Druck auf die FEI stieg, eine weitere Expertenrunde sollte endgültig Klarheit verschaffen. Doch deren Ergebnis war ernüchternd. Wieder gab es einen neuen Namen für die altbekannte Methode: Auch die Hyperflexion war nun verboten. Statt dessen ist nun «Low-Deep-Round» erlaubt. Diesen Begriff prägte Sjeff Janssen, also der Verfechter der einstigen Rollkurmethode schlechthin. Eine Einschränkung gab es jedoch: Das LDR sollte nur zehn Minuten am Stück erlaubt sein, danach müsse das Pferd eine andere Kopf-Hals-Position einnehmen. Wie lange diese andere Position dann beibehalten werden muss, bevor LDR wieder angewendet wird, davon ist freilich nicht die Rede. Ob diese Regel eingehalten wird, sollen die Stewards an den Abreiteplätzen kontrollieren. Die FEI veröffentlichte eigens dafür auch Zeichnungen, anhand derer die Stewards erkennen sollen, welche Kopf-Hals-Position nun ein LDR ist. Doch schon kurze Zeit später, im Sommer 2010 beim CHIO in Aachen, zeigte sich, dass die getroffene Regel wenig wert war. In Aachen wurde von den Stewards nicht einmal versucht zu kontrollieren, ob sich die Reiter an die LDR-Vorschrift hielten. Das mag auch rein praktische Gründe gehabt haben: Bei mehreren Reitern auf dem Abreiteplatz kann ein Steward alleine schlicht nicht alle im Blick behalten und für jeden jeweils eine Stoppuhr in der Hand halten.
Blieb es die folgenden Monate eher ruhig um das Thema, änderte sich das mit dem lackschwarzen Dressurhengst Totilas. Nachdem er von den Niederlanden nach Deutschland verkauft worden war, schaute die gesamte Reiterwelt auf seinen neuen, jungen Reiter Matthias Alexander Rath. Doch statt weitere Erfolge zu feiern schienen Totilas und Rath nicht zueinander fi nden zu wollen. Immer wieder Verletzungen, peinliche Auftritte, wo Totilas wie ausgewechselt und widersetzlich schien, veranlasste die Familie Rath-Linsenhoff zu einem folgenschweren Schritt in diesem Frühjahr: Sie vereinbarten mit Sjeff Janssen, dass er nach den Olympischen Spielen in diesem Jahr Totilas und einige junge Pferde aus dem Haus Rath trainieren solle. Dazu wolle man auch LDR anwenden – schliesslich sei Totilas so ausgebildet worden. Die ersten Bilder des in Rollkur-Manier gerittenen Totilas sorgten für einen Sturm der Entrüstung und waren schliesslich der Anlass für die internationale Petition no-rollkur.com. Initiiert wurde sie vom deutschen Netzwerk «Fair zum Pferd», das schon drei andere erfolgreiche Petitionen gestartet hat. Darunter eine gegen die sogenannte Blood Rule, die die FEI – auch deshalb – nicht wie geplant umgesetzt hat.
Reichlich Rückenwind und Tausende von Unterschriften erhielt die Petition, als die ersten Bilder von den Olympischen Spielen veröffentlicht wurden, wo schon wieder Topreiter ihre Pferde mit Rollkur & Co. öffentlich abritten. «Wenn solche Bilder um die Welt gehen, hat das eine starke Vorbildfunktion, die nicht unterschätzt werden darf», sagt Christine Laubscher, Präsidentin des SFRV. «Mittlerweile zieht sich diese fragwürdige Methode durch fast alle Reitweisen: Ob Dressur, Springen, Western, Islandpferdereiten, überall sind diese schrecklichen Bilder zu sehen.» Der Schweizer Freizeitreitverband kann und will diesen Trend nicht unterstützen. Im abwechslungsreichen Kursprogamm und den Trainer-Lehrgängen legt der Verband stets Wert auf eine pferdeschonende und -gerechte Ausbildung. Zwangsmittel und Unterdrückung des Partners Pferd haben hier keinen Platz. Beim Horseathlon®, der für alle Reitweisen und Equiden offen ist, wird bereits bei der Ausrüstung der Pferde darauf geachtet. So sind beispielsweise Hilfszügel, die das Pferd in eine bestimmte Form pressen würden, nicht zugelassen. «Jedem Pferd muss die nötige Zeit gegeben werden, um mit den Aufgaben zu wachsen. Ob es sich um ein Verlasspferd im Freizeitreiten oder im Sport handelt, sollte keine Rolle spielen. Dies zeugt von Liebe und Respekt dem Pferd gegenüber. Das schnelle Geld wird auf Kosten der Pferde gemacht, die dadurch zum Verbrauchsmaterial werden. Dies kann nicht der Weg sein. Aus diesem Grund unterstützen wir die Petition», so Laubscher.
Infos zum Ausbildungsangebot des Schweizer Freizeitreitverbandes gibt es unter www.sfrv-asel.ch. Wer die Petition unterstützen möchte, kann das im Internet unter www.no-rollkur.com machen. Dort finden sich auch zum Ausdruck vorbereitete Listen, die in Reitställen ausgehängt werden können.
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