Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) der Berner Fachhochschule hat im Rahmen einer Abschlussarbeit in Pferdewissenschaften das Kaufverhalten bei Springponys und das Image der Schweizer Sportponys untersucht. Ziel der Studie war es, die Präferenzen der KäuferInnen und mögliche Ursachen für einen Nichtkauf von Schweizer Sportponys zu analysieren.
Dafür wurde in der Westschweiz an vier Springprüfungen für Ponys (von P70 bis P110) eine Befragung durchgeführt. Sie ist zwar nicht repräsentativ für die ganze Schweiz, doch bieten die Ergebnisse erste wertvolle Erkenntnisse zum Kaufverhalten. Daraus lassen sich zahlreiche allgemeine Empfehlungen für Schweizer ZüchterIinnen und Zuchtverbände ableiten.
Insgesamt wurden 71 BesitzerInnen von insgesamt 175 Ponys mündlich befragt. Rund 21 Prozent der Tiere stammen aus Schweizer Zucht, 39 Prozent aus Frankreich, 19 Prozent aus Irland und 6 Prozent aus Deutschland. Der hohe Anteil an Ponys aus Frankreich liegt wahrscheinlich an den Erhebungsorten der Befragung. Trotzdem bestätigen die Resultate, dass der grösste Teil der Ponys im Springsport ausländischer Herkunft ist.
Was beim Kauf den Ausschlag gibt
Die HAFL-Studie zeigt weiter, dass Herkunftsland, Farbe, Rasse und Geschlecht von Springponys für die KäuferInnen eine sehr geringe Rolle spielen. Die Befragten werteten diese Eigenschaften grösstenteils als unwichtig oder sogar als völlig unwichtig. Ausschlaggebende Kriterien sind für sie vielmehr der Mut, der Charakter im Allgemeinen, die Leistungsbereitschaft, die Grösse und das Temperament. Diese Bedeutung widerspiegelt sich auch in den jeweiligen Präferenzen für bestimmte Eigenschaften. So gaben beispielsweise 80 Prozent beziehungsweise 87 Prozent der Befragten an, keine bestimmte Rasse oder ein bestimmtes Herkunftsland zu bevorzugen. Bei der Grösse hingegen favorisieren knapp 96 Prozent ein D-Pony (Endmass max. 148 cm). Klare Wunschvorstellungen haben die BesitzerInnen auch bezüglich Temperament: 63 Prozent wünschen sich ein temperamentvolles Pony und nur sehr wenige ein ruhiges und einfaches, das auch für Anfänger geeignet ist.
Die Zahlungsbereitschaft geht von 2000 bis 100?000 Franken, abhängig vom Ausbildungsniveau der Tiere. Bei Ponys, die an Springprüfungen in der Höhe von 60 bis 90 Zentimetern teilnehmen, liegt der durchschnittliche Höchstpreis, den man zu bezahlen bereit ist, bei 12?800 Franken. Starten sie bei Springprüfungen in der Höhe von 100 bis 120 Zentimetern, steigt dieser Betrag bereits auf 25?500 Franken. Die Preise im Schweizer Ponymarkt können also mit jenen, die für im Amateursport eingesetzte Warmblüter bezahlt werden, leicht mithalten.
Image der Schweizer Sportponys
Schweizer Sportponys werden insgesamt positiv wahrgenommen, als ausdauernd, vielseitig oder geeignet für Kinder. Ausserdem werden Schweizer Sportponys durchschnittlich nicht als zu teuer eingestuft. Die Befragten sind sich aber einig, dass Sportponys aus der Schweiz kaum bekannt und im Sport sehr wenig präsent sind. Wie die HAFL-Studie jedoch zeigt, haben PonybesitzerInnen kein klares Bild von Ponys mit Schweizer Herkunft. Über die Hälfte der Befragten hat noch nie vom Schweizerischen Verband für Ponys und Kleinpferde (SVPK) gehört. Ebenso viele wissen nicht, dass ein Zuchtbuch für Schweizer Sportponys existiert, die dadurch als eine eigene Rasse gelten.
Rund 41 Prozent aller Ponys in der Schweiz werden über den Handel gekauft, 31 Prozent bei Privaten. Lediglich 16 Prozent werden direkt den Züchtern abgekauft. Ponyzüchter sollten sich dies zunutze machen und Kontakte mit Händlern oder weiteren Multiplikatoren knüpfen, um ihre Absatzzahlen zu erhöhen.
Arbeit für die Ponyzucht-verbände
Aus der Studie wird gefolgert, dass Züchter und Züchterinnen von Schweizer Sportponys bei der Selektion den Schwerpunkt auf das Interieur der Ponys legen sollten. Damit eine erfolgreiche Vermarktung zu einem angemessenen Preis möglich ist, sollten die Tiere bereits gut ausgebildet sein und erste Erfahrungen im Sport haben. Die Ausbildung ist jedoch sehr kostspielig, und gute, geeignete Reiter-Innen zu finden, oftmals schwierig. An dieser Schnittstelle könnte der Zucht- oder auch der Sportverband einspringen und eine Plattform anbieten, über die unerfahrene, leistungsbereite Sportponys an junge, erfahrene ReiterInnen vermittelt werden könnten. Die Förderung junger Reiter-Innen und Ponys liessen sich so optimal kombinieren, wovon NachwuchssportlerInnen wie PonyzüchterInnen langfristig profitieren würden.
Eine weitere Schwierigkeit für die Schweizer Sportponyzucht liegt darin, dass die Schweizer Ponys auf den Sportplätzen kaum wahrgenommen werden. Durch Kennzeichnung der Ponys mit Schweizer Ursprung auf der Startliste oder auf dem Sportplatz, zum Beispiel durch eine rote Schleife, liesse sich der Bekanntheitsgrad heben. Eine klare Kennzeichnung der Schweizer Ponys würde auch den Einstieg in den Exportmarkt vereinfachen. Verwirrung bei Ponykäufern und Neuein-steigern stiften auch die zwei ver-schie-denen Ponyzuchtverbände in der Schweiz. In der Westschweiz ist es das Syndicat d’élevage le Poney Romand und in der Deutschschweiz der Schweizerische Verband für Ponys und Kleinpferde. Das erschwert eine klare Kennzeichnung von Schweizer Ponys zusätzlich. Um den Markt für Schweizer Ponys langfristig zu stärken, sollten gemeinsame Marketingmassnahmen angegangen werden. Bisher werden die meisten Ponys über den Handel verkauft. Diese Rolle könnten mit durchdachten Vermarktungsstrategien zukünftig vermehrt auch die Zuchtverbände einnehmen. Weiter könnten die Zuchtverbände zusätzliche Anreize schaffen, wie zum Beispiel durch eine Auszahlung von Prämien oder Auszeichnungen für erfolgreiche ReiterInnen mit Schweizer Ponys. Ein starker gemeinsamer Auftritt und eine einheitliche Kennzeichnung der Schweizer Sportponys könnte den PonyzüchterInnen und den -Ponyzuchtverbänden zum Aufsprung auf den Erfolgszug verhelfen.
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