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Im ersten Beitrag über die Nürtinger Pferdetage (Kavallo 5/2014) sind wir der Frage nachgegangen, ob Pferde genutzt werden dürfen oder nicht. In diesem Zusammenhang kommt der Ausbildung eine zentrale Rolle zu, wo Erfolg und Misserfolg in direktem Zusammenhang mit den Lernfähigkeiten eines Lebewesens stehen. Diese sind weitgehend durch evolutionär entwickelte neurobiologische Gegebenheiten bedingt. Auf diesem Gebiet konnte erst in den letzten Jahren intensiver geforscht werden, obwohl das Interesse natürlich schon lange bestand; die technischen Möglichkeiten fehlten aber bis vor Kurzem. Die kognitiven Leistungen von Pferden in Bezug auf tiergerechtes Training und Management wurden von Gabor aus Göttingen untersucht und es wurde befunden, dass das Pferd zu höheren kognitiven Leistungen und sogar zu begrifflichem Lernen fähig ist. Beispiele eines innovativen Verhaltens von Equiden, was ebenfalls für Intelligenz spricht, wurden mit einer Arbeit aus Nürtingen (Schadler) präsentiert.
Weiter beschäftigt sich die Reitkunst schon seit Langem mit der Schiefe und Händigkeit des Pferdes, wofür man sich heutzutage auch der Begriffe «sensorische und motorische Lateralität» bedient. Es wurde inzwischen erkannt, dass diese Belange ebenfalls naturwissenschaftliche Grundlagen haben, diese aber recht komplex und noch wenig verstanden sind. Dieses Gebiet hat inzwischen aber nicht nur hippologisches, sondern auch medizinisches Interesse gefunden. In Kassel (Kuhnke und König von Borstel) ging man zum Beispiel der Frage nach, ob die Lateralität (von Pferd und Reiter) auch Einfluss auf die Häufigkeit von Verletzungen haben kann. Diese Untersuchungen betrafen 1286 Pferde und 686 Reiter. Bei den Tieren war die dominante und nichtdominante Seite ähnlich oft verletzt. Bei den Reitern waren die beidhändigen Personen, die übrigens auch sportlich erfolgreicher waren, am wenigsten von Verletzungen betroffen. Zusammenhänge zwischen den Verletzungen der Reiter und ihrer Pferde gab es jedoch nicht. Bezüglich der natürlichen Schiefe war bis anhin auch noch nicht klar, ob sie angeboren oder erworben ist. Beobachtungen an 44 Fohlen verschiedener Rassen in Marbach haben nun ergeben, dass sie in der Tat angeboren ist (Lerbs et al.). Die Schiefe scheint angeboren oder im Mutterleib erworben zu sein, wohingegen sich die motorische und die sensorische Lateralität mit der Reifung des Gehirns entwickeln.  

Ökonomische Aspekte
Der grösste Teil der Präsentationen für die 1. Pferdetage Baden-Württemberg im März in Nürtingen und Gomadingen widmete sich ökonomischen Themen des Pferdewesens. Man könnte diesen Umstand gönnerhaft «als typisch schwäbisch» bezeichnen, würde damit aber vollkommen falsch liegen. Denn wenn es darum geht, die «Nutzung und Bedeutung des Pferdes» zu diskutieren, dann muss man sich zum Wohle der Nachhaltigkeit überall zuerst und schwergewichtig wirtschaftlichen Belangen widmen. Weiter von Bedeutung für die erfolgreiche und tiergerechte Nutzung von Pferden ist deren Gesundheit und schliesslich auch ihre fachgerechte Ausbildung. Studien zu diesen unabdingbaren Grundlagen waren ein weiterer Teil dieser bemerkenswert guten Veranstaltung.
In Anbetracht der grössten Bedeutung des wirtschaftlichen Wohlergehens als Grundlage des Gedeihens irgendeines Unternehmens wurden in letzter Zeit in diversen Institutionen Möglichkeiten für die Ausbildung in ökonomischen Belangen des Pferdewesens geschaffen. Erfreulicherweise hatten somit auch die meisten Präsentationen dieser Tagung «das Pferd als Wirtschaftsträger» zum Inhalt und sie stammten aus verschiedenen Hochschulen und Universitäten aus Deutschland und der Schweiz (v.a. Nürtingen, Hohenheim, Osnabrück, Zollikofen). Sie betrafen beispielsweise das Pferd als Pfleger von Grünland, einer nach wie vor massgeblichen Landnutzungsform, sowohl in seiner zentralen Rolle für den Verbrauch von Futter schlechterer Qualität als auch in der Wahrung der heutzutage geforderten Ökosystemdienstleistung. Winter und Mitarbeiterinnen von der Hochschule in Nürtingen präsentierten sehr diversifizierte Studien zur Wirtschaftskraft des Pferdewesens. Sie umfassten Befragungen von 6500 Adressaten und es stellte sich heraus, dass der Trend ungebrochen zu sein scheint. Für uns dürfte eines der Ergebnisse dieser repräsentativen Umfrage von besonderem Interesse sein, nämlich jenes, dass Pferdebetriebe auch für die Landwirtschaft eine nicht zu unterschätzende Kundschaft für Futtermittel, Einstreu und Pensionspferdehaltung sind. Der Vertrieb von Pferdesportartikeln beschäftigt vor allem kleine und mittelständische Betriebe, wobei interessierte Nicht-Reiter einen zusätzlichen Markt bieten. Für Reitbetriebe ist es wichtig, attraktiv und kundenfreundlich zu sein; anscheinend wurde dieses Potenzial bei unseren Nachbarn bisher zu wenig genutzt. Bezug zur Landwirtschaft hatte auch der Vortrag von Salome Wägeli et al. (HAFL Zollikofen), der die wirtschaftliche Bedeutung der CH-Sportpferdezucht für unsere Bauern beleuchtete. Entgegen irgendwelchen anderen Behauptungen ist diese auch bei uns gross, indem nach wie vor der grösste Teil der Pferde (65 Prozent) auf eigenen Betrieben gezüchtet und aufgezogen wird. Zusammen mit den Pensionspferden stehen 84 Prozent aller ZVCH-Zuchttiere auf einem Landwirtschaftsbetrieb, was Einnahmen von rund 18 Millionen Franken im Jahr entspricht.

Physiologie und Medizin
Neue Formen von Nutzung und Haltung bedürfen auch der Klärung von Fragen zur  Physiologie und Medizin des Pferdes und auch solche zukunftsgerichteten Studien kamen zur Sprache. In Göttingen (Brinkmann et al.) wurde hierzu die energetische und physiologische Anpassung von Shetlandponys an ganzjährige Aussenhaltung untersucht. Dabei ging man von der Befürchtung aus, dass domestizierte Nutztiere die Fähigkeiten zur Anpassung an harsche Umweltbedingungen weitgehend verloren haben. Dieser Versuch zeigte jedoch, dass sich domestizierte Equiden durch Veränderungen im Verhalten, des Stoffwechsels sowie in diversen physiologischen Parametern wie Bewegungsaktivität oder Ruhepuls nach wie vor an raue Bedingungen in der Winteraussenhaltung anpassen können. Die bereits erwähnte Grünlandnutzung zur Verzögerung oder Verhinderung einer Verbuschung von Offenlandschaften mit Pferden im Rahmen des Naturschutzes wurde am Beispiel von Przewalski-Pferden in Semireservaten studiert (Wolter et al., Regensburg). Mit zwei Beweidungsprojekten konnten wertvolle Daten zum Sozialverhalten und der Habitatnutzung im Lauf eines Jahres erhoben werden. Reges Interesse fand auch die Studie von Anja Zollinger und Mitarbeiterinnen aus Avenches zum erleichterten Sozialkontakt für Hengste in Einzelboxenhaltung. Mit diesem System sind zwischen ihnen auch Körperkontakte möglich und erfreulicherweise traten bei 24 Hengsten deswegen keine Verletzungen auf. Kläsgen (Bingen) zeigte den Wert einer Trainingskontrolle mittels Herzfrequenzmessung beim Jagdpferd auf und Stofer (Nürtingen) betrieb Leistungsdiagnostik beim Westernpferd. Diese beiden Damen erfüllen mit ihren Studien zur quantitativen Erfassung der Fitness von Sportpferden dringende Wünsche und Forderungen des Leistungssports.       

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