Ein Schritt nach rechts, ein Schritt nach links, vor und zurück – das Pferd will einfach nicht stillstehen. Es tänzelt auf der Stelle, kreiselt um einen herum oder zackelt ständig an. Viele Pferdebesitzer und Reiter stehen vor ein und demselben Problem, welches sich in verschiedenen Situationen äussert. Egal ob beim Hufschmied, beim Putzen, Satteln, Aufsitzen oder Reiten – Stillstehen ist für manche Pferde einfach ein Fremdwort. Und das kommt nicht von ungefähr: Denn Pferde sind von Natur aus Lauf- und Fluchttiere. In freier Wildbahn bewegen sie sich bis zu 16 Stunden am Tag, kennen es nicht, an einem Ort mit einem Strick festgebunden zu sein, oder bei Laufrichtung und Geschwindigkeit durch einen Reiter dirigiert zu werden. Pferdemüssen das Stillstehen erst einmal erlernen. «Wenn ein Pferd nicht will, können wir es nicht zwingen, stillzustehen. Aber wir können ihm beibringen, ruhig stehenbleiben zu wollen», sagt der Pferdetrainer Peter Stuhlmann. Zu Beginn sollte man jedoch herausfinden, wieso das Pferd in der jeweiligen Situation nicht stillsteht. Denn die Gründe sind von Pferd zu Pferd verschieden. Ist dem Pferd Ihre Putztechnik zu grob? Hat das Pferd etwas Beunruhigendes entdeckt? Drückt der Sattel? Hat es keine Lust, oder dominiert es den Menschen? Das sind einige von vielen Fragen, die man sich stellen sollte.
Fehler bei sich suchen
Vorsicht aber ist bei schnellen Schlussfolgerungen wie «Mein Pferd ist ungehorsam» geboten. Denn in erster Linie sollte man den Fehler, beziehungsweise den Grund immer bei sich selbst oder bei äusseren Einflüssen suchen. Hat man den Auslöser erkannt, sollte er schnellstmöglich abgestellt werden. Lassen Sie also einen unpassenden Sattel umgehend korrigieren. Gehen Sie beim Putzen stärker auf das Wohlgefühl des Pferdes ein. Oder machen Sie es mit ungewohnter Umgebung langsam vertraut. Dann erst können und werden die Übungen, die das Stillstehen fördern, auch Früchte tragen. «Und die Methoden dafür sind ganz simpel», so Peter Stuhlmann. Bevor man aber in den Sattel steigt und dabei das Stillstehen fordert, muss es das Pferd bereits an der Hand oder festgebunden am Putzplatz beherrschen. Nicht umsonst zählt das Stillstehen zu den wichtigsten Grundübungen der Bodenarbeit. Üben Sie also mit ihrem Pferd als Erstes freies Stehen an der Hand in ruhiger und sicherer Umgebung.
Positive Verstärkung
Bewegt sich das Pferd, sollten Sie es nicht daran hindern oder gar mit Bestrafung reagieren. Positive Verstärkung heisst die Devise: Fordern Sie Ihr Pferd aktiv auf, mit der Vor- oder Hinterhand zu weichen. Bleibt das Pferd stehen, verringern Sie den Druck. Hampelt das Pferd erneut, beginnen Sie es wieder zu bewegen. «Irgendwann wird das Pferd immer weniger Lust haben, seine Beine aus eigenem Antrieb zu bewegen. Wenn Sie langsam und ruhig dabei vorgehen, wird es seine Erfahrungen noch besser verarbeiten können und eher stillstehen wollen. «Denn es kennt die unbequemen Konsequenzen», erklärt Stuhlmann.
Immer weiter fordern
Dann können Sie die Umgebung, an der Sie das Stillstehen fordern, ausweiten. Fremde Gegenstände oder andere Pferde werden dort für Ablenkung sorgen. Sie aber bleiben stets die Ruhe in Person und versuchen, die Aufmerksamkeit des Pferdes zurückzuerlangen. Bewegt das Pferd einen Huf, reagieren Sie sofort wieder mit positiver Verstärkung. Das gleiche Verhalten ist später auch angebunden am Putzplatz möglich. Ist Ihr Pferd sehr nervös oder ängstlich, kann ein danebenstehendes erfahrenes und ruhiges Pferd eine positive Wirkung haben. Sonderfälle sind kitzlige oder gar schmerzempfindliche Pferde. Umsicht, Ruhe und eventuell ein zu Rate gezogener Tierarzt sind da erforderlich. Weicht ein Pferd beim Satteln aus, kann es damit ebenfalls Schmerzen oder Unbehagen ausdrücken wollen. Der Sattel beziehungsweise Rücken sollte kontrolliert werden. Vielleicht wird Ihr Pferd aber auch einfach durch den Sattel überrascht. Legen Sie den Sattel während dem Putzen neben Ihren Vierbeiner. So kann er sich schon einmal auf das bevorstehende Satteln gewöhnen. Zauberwort Geduld Die (erste) Begegnung mit dem Hufschmied oder Tierarzt kann bei Pferden Unbehagen auslösen. An Stillstehen ist dann meist nicht mehr zu denken. Ist ein Pferd nur seinen Besitzer gewöhnt, erschwert dies die Behandlung durch einen Arzt oder Hufschmied. Es ist also wichtig Ihren Partner auch an andere Personen zu gewöhnen. Geduld und Ausdauer sind hier gefragt. Hat das Pferd das Stillstehen vom Boden aus verstanden und es in verschiedenen Situationen geübt, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden. Das Tier soll nun lernen stillzustehen, wenn der Reiter aufsitzt. Dazu sollten Sie das Tier stets in einen stabilen, ausbalancierten Stand bringen: Es sollte vorne etwas breitbeinig stehen und alle vier Hufe belasten. Achten Sie nicht darauf, hat das Pferd oft keine andere Möglichkeit, als sich mit einem Schritt vorwärts auszugleichen. Sie sind quasi selber schuld, wenn das Pferd antritt. Nach dem Aufsitzen sollten Sie niemals den Fehler begehen, das Pferd sofort loszuschicken. Legen Sie vielmehr eine kurze Pause ein. Danach erst fordern Sie das Pferd dazu auf, aktiv anzutreten. Egal, was Sie auch vorhaben, beruhigende Worte wirken oft Wunder.
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