Fazit: Beurteilung durch unabhängige, kompetente Hilfsperson hilft nicht immer der Besitzerin, häufig aber dem Pferd …
Gerade geradeaus – Vorsicht!
Eine weitere heikle Situation ergibt sich bei Pferden, die prima vista gerade gehen, bei genauerer Betrachtung aber einfach vorne beidseits die gleich grossen Schmerzen haben. Sie zeigen meist einen sehr kurzen Gang vorne beidseits und werden deshalb nicht immer als lahm erkannt. Weitere Ab-klärungen, wie zum Beispiel der Trab auf der kleinen Volte an der Hand auf weichem Boden, ergeben dann aber recht schnell Gewissheit, dass der Patient noch nicht gesund ist. Das Tier wird auf der linken Volte vorne links eine Lahmheit zeigen, auf die rechte Seite folgerichtig vorne rechts. Nun spielt es eine entscheidende Rolle, ob das Pferd schon vor dem Beginn der Rekonvaleszenz beidseitig angeschlagen war oder ob sich das Bild erst während der Therapie und der Ruhephase entwickelt hat. Je nach Befund wird die Tierärztin den Entscheid über das weitere Vorgehen treffen.
Fazit: Nicht jedes Pferd, das auf der geraden Linie und befestigtem Boden nicht lahm geht, hat keine Probleme mit dem Bewegungsapparat.
Einmal richtig fordern – nein
Häufig wird man als involvierter Tierarzt auch mit der Situation konfrontiert, dass der Fortschritt nicht dem erhofften Verlauf entspricht. Die früher im kavalleristischen Umfeld gängige Lösung, der liebe Eidgenoss müsse nun einmal richtig gefordert werden, dann sehe man sehr schnell, in welche Richtung es gehe, ist noch nicht gänzlich ausgerottet. Das Vorgehen ist zwar menschlich irgendwie nachvollziehbar und pragmatische Ansätze sind nicht per se abzulehnen. In dieser Situation sollte aber darauf verzichtet werden, denn das Resultat ist zumeist klar: Die Sehnenzerrung oder was auch immer die Ursache der Lahmheit gewesen war, wird sehr schnell und sehr intensiv aktiviert, das heisst dem Pferd Schaden zugefügt.
Fazit: auch in verzweifelten Situationen keine gut gemeinten und in Festzelten besungene Schnellschüsse auf Kosten der Gesundheit.
«Wegstellen» – kaum hilfreich
Zu guter Letzt ist aber auch noch das früher ebenso besungene «Wegstellen» des Pferdes für einige Wochen (oder Monate) zu erwähnen. Bei fast allen Pferdärzten ist man sich einig, dass diese Art der Therapie beim heutigen Gebrauch und der entsprechenden Haltung der häufig hoch im Blut stehenden Pferde sehr selten, das heisst nur bei ganz wenigen Diagnosen, hilfreich ist. Wie beim Menschen ist dagegen eine genau definierte, kontrollierte Bewegung unerlässlich für Physis und Psyche des rekonvaleszenten Partners.
Fazit: Nicht nur bei Automobilen, auch bei Pferden können «Standschäden» auftreten!
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