Sind im ersten Teil zum Thema Aufbau des Pferdes nach einer längeren Lahmheit die äusseren Umstände dargelegt worden, geht es nun in diesem Beitrag konkret um die Nachbehandlung und den Aufbauplan nach einer Lahmheit. Auch wenn es das Ziel ist, den Patienten in möglichst kurzer Zeit wieder fit zu kriegen, lohnt sich ein abgekürzter Aufbau nicht.
Ziel und Zweck der Abgabe eines schriftlichen Nachbehandlungs- und Aufbauplans besteht darin, alle involvierten Personen mit derselben Information zu bedienen und Missverständnisse zu vermeiden bzw. früh genug zu erkennen. Letztlich wollen alle Beteiligten dasselbe erreichen: den Patienten innert (möglichst) kurzer Zeit ohne Einschränkungen wieder einzusetzen. Die nachfolgende Gliederung und das angeführte Beispiel stellen eine von vielen Möglichkeiten zum praktischen Vorgehen dar. Jedes Pferd ist ein Unikat. Physische und psychische Eigenheiten, Alter, Rasse, Einsatzplan und – am wichtigsten – Art und Aus-prägung der Verletzung, aber auch Infra- und Umgebungsstruktur des Stalles sind in jedem Fall speziell zu betrachten und im Vorgehen zu berücksichtigen. Es darf auch nicht vergessen werden, dass während der gesamten Rekonvaleszenz unerwartete Ereignisse den Verlauf verändern können. Dies wird notgedrungen dazu führen, dass der einmal erstellte Plan möglicherweise mehrere Male angeglichen und revidiert werden muss.
Aus den wenigen aufgezählten Punkten lässt sich mit Sicherheit nur etwas schliessen: Jeder Fall muss individuell betrachtet werden, jedes Pferd braucht eigene An- und Vorgaben.
Eine mögliche Gliederung sieht wie folgt aus:
• Patient und Besitzer: Angaben von Pferd (Name, Signalement), Besitzer bzw. Betreuer sowie der behandelnden Praxis bzw. verantwortliche Tierärztin.
• Applikation von Medikamenten: Dieses Schema beschreibt Bezeichnung des Medikamentes, Dauer der Applikation, Dosis pro Tag inklusive Aufteilung (Morgen/Mittag/Abend), Applikationsart (ins Kurzfutter/direkt ins Maul/Injektion).
• Verbandwechsel: Abstände, Art der Verbände, Anwendung von Salben, Desinfektionsflüssigkeiten sind zu definieren.
• Bewegungsschema: Art und Dauer der Bewegung sind detailliert zu bestimmen. Bodenbeschaffenheit, Paddockaufenthalte und Weideoptionen müssen festgelegt werden.
• Hufbeschlag: Kurz- und langfristige Spezialbeschläge sind mit dem Hufschmied zu besprechen und zu bestimmen.
• Fütterung: Angaben über Mengen und Art des Futters unter Berücksichtigung der Bewegungsintensität.
• Besonderheiten: Tägliches Fiebermessen (zum Beispiel nach operativer Therapie einer Verletzung). Kotbeschaffenheit (Verstopfung nach Bewegungsunterbruch). Vorübergehende Gewichtsbeschränkung der Reiterin (heikel, aber nicht immer zu umgehen). Vermeiden von unregelmässigen Wegen, tiefem oder hartem Boden.
• Nachuntersuch: Es ist von Vorteil, der Besitzerin/Betreuerin aufzutragen, in welchen Abständen sie den momentanen Status des Patienten der verantwortlichen Tierärztin durchgeben soll. Zu Beginn wird es häufig notwendig sein, einen oder mehrere Termine festzulegen, wann das Pferd der Praxis (dem Tierarzt?) zur Kontrolle gezeigt werden soll.
Beispiel
• Medikamentengabe: Medikament xy:
4 Tage 20 ml 3-mal täglich ins Kurzfutter, dann 3 Tage 2-mal täglich (Morgen und Abend) 15 ml und abschliessend 1-mal täglich (Abend) für 3 Tage.
• Verbandwechsel: 1. Tag feuchter hoher Desinfektionsverband, danach 1 Woche täglicher Wechsel eines kurzen Trockenverbandes mit Salbe xy nach gründlicher Wundtoilette.
Hauptsächliche Risiken
Häufig wird idealerweise versucht, den Patienten an der Hand zu führen. Je nach Temperament ist aber mit Rumturnen und Bocksprüngen an Ort der Schaden schnell wieder aktiviert und es muss wieder auf Feld eins zurückgegangen werden. Also: lieber kontrolliert unter guter und erfahrener Reiterin aufbauen als Risiken beim Führen eingehen, welche im schlimmsten Fall durch Losreissen und Weggaloppieren alles in Frage stellen.
Leider wird – leicht nachvollziehbar – versucht, die einzelnen Schritte in der Aufbauphase in abgekürzter Art und Weise durchzuführen. Man hat das Gefühl, es gehe alles seinen erwarteten Lauf und das Pferd müsse sich doch wieder einmal austoben können. Vor allem bei Lahmheiten, welche durch Weichteilschäden bedingt sind, kann dies kontraproduktiv sein. Beste Beispiele sind die Leidensgeschichten von betroffenen Fussballern …
Die regelmässig abgegebene Anweisung, das Pferd sei zumindest in den ersten Aufbauphasen mittels sedativ wirkender Medikamente ruhigzustellen, ist nicht ganz gefahrlos. Es gibt Pferde, welche unter beruhigenden Medikamenten in bestimmten Situationen zu absurden Reaktionen neigen und absolut unberechenbar werden. Auch sind Organschäden bei lang andauernder Applikation von Tranquilizern nicht auszuschliessen.
Bewegungsschema einer Aufbauphase
Wie sich der Bewegungsaufbau nach einer Verletzungspause gliedern könnte, zeigt folgendes Schema auf:
1. Monat: Schritt unter der Reiterin steigernd von 10 Minuten pro Tag bis 90 Minuten. Nur auf befestigter Unterlage. Keine bombierten Wiesenwege. Keine engen Wendungen. Paddock 4 mal 4 m erlaubt, kein Weidegang.
2. Monat: erste Trabreprisen von 50 m, steigernd bis Ende Monat auf 90 Minuten Schritt-/ Trabausritt mit 4 Trababschnitten von zirka 200 bis 500 m. Tiefen Boden nach wie vor meiden. Enger Paddock von zirka 15 auf 10 m erlaubt. Kein Weidegang, ausser das Pferd bewegt sich auf sehr kleiner Weide und ist völlig ausgeglichen im Gemüt, neigt also nicht zu panischem Erschrecken.
3. Monat: Beginnen mit den ersten kurzen Galopps auf federndem Geläuf im Gelände, sodass ab 4. Monat «normale» Ausritte von 90 Minuten in allen 3 Grundgangarten gemacht werden können. Paddock und kleine Weide erlaubt (sofern das Pferd nicht die Tendenz hat, sofort auf der Weide «herumzudonnern»).
5. Monat: Übergehen zur Arbeit auf dem Viereck oder in der Halle mit ersten gymnastizierenden Sprüngen und sorgfältigem Annähern an immer kleiner werdende Volten.
6. Monat: in der Intensität steigernde Trainingsphase.
7. Monat: Wiederaufnahme der Wettkampftätigkeit.
Aus den wenigen aufgezählten Punkten lässt sich mit Sicherheit nur etwas schliessen: Jeder Fall muss individuell betrachtet werden, jedes Pferd braucht eigene An- und Vorgaben.
Eine mögliche Gliederung sieht wie folgt aus:
• Patient und Besitzer: Angaben von Pferd (Name, Signalement), Besitzer bzw. Betreuer sowie der behandelnden Praxis bzw. verantwortliche Tierärztin.
• Applikation von Medikamenten: Dieses Schema beschreibt Bezeichnung des Medikamentes, Dauer der Applikation, Dosis pro Tag inklusive Aufteilung (Morgen/Mittag/Abend), Applikationsart (ins Kurzfutter/direkt ins Maul/Injektion).
• Verbandwechsel: Abstände, Art der Verbände, Anwendung von Salben, Desinfektionsflüssigkeiten sind zu definieren.
• Bewegungsschema: Art und Dauer der Bewegung sind detailliert zu bestimmen. Bodenbeschaffenheit, Paddockaufenthalte und Weideoptionen müssen festgelegt werden.
• Hufbeschlag: Kurz- und langfristige Spezialbeschläge sind mit dem Hufschmied zu besprechen und zu bestimmen.
• Fütterung: Angaben über Mengen und Art des Futters unter Berücksichtigung der Bewegungsintensität.
• Besonderheiten: Tägliches Fiebermessen (zum Beispiel nach operativer Therapie einer Verletzung). Kotbeschaffenheit (Verstopfung nach Bewegungsunterbruch). Vorübergehende Gewichtsbeschränkung der Reiterin (heikel, aber nicht immer zu umgehen). Vermeiden von unregelmässigen Wegen, tiefem oder hartem Boden.
• Nachuntersuch: Es ist von Vorteil, der Besitzerin/Betreuerin aufzutragen, in welchen Abständen sie den momentanen Status des Patienten der verantwortlichen Tierärztin durchgeben soll. Zu Beginn wird es häufig notwendig sein, einen oder mehrere Termine festzulegen, wann das Pferd der Praxis (dem Tierarzt?) zur Kontrolle gezeigt werden soll.
Beispiel
• Medikamentengabe: Medikament xy:
4 Tage 20 ml 3-mal täglich ins Kurzfutter, dann 3 Tage 2-mal täglich (Morgen und Abend) 15 ml und abschliessend 1-mal täglich (Abend) für 3 Tage.
• Verbandwechsel: 1. Tag feuchter hoher Desinfektionsverband, danach 1 Woche täglicher Wechsel eines kurzen Trockenverbandes mit Salbe xy nach gründlicher Wundtoilette.
Hauptsächliche Risiken
Häufig wird idealerweise versucht, den Patienten an der Hand zu führen. Je nach Temperament ist aber mit Rumturnen und Bocksprüngen an Ort der Schaden schnell wieder aktiviert und es muss wieder auf Feld eins zurückgegangen werden. Also: lieber kontrolliert unter guter und erfahrener Reiterin aufbauen als Risiken beim Führen eingehen, welche im schlimmsten Fall durch Losreissen und Weggaloppieren alles in Frage stellen.
Leider wird – leicht nachvollziehbar – versucht, die einzelnen Schritte in der Aufbauphase in abgekürzter Art und Weise durchzuführen. Man hat das Gefühl, es gehe alles seinen erwarteten Lauf und das Pferd müsse sich doch wieder einmal austoben können. Vor allem bei Lahmheiten, welche durch Weichteilschäden bedingt sind, kann dies kontraproduktiv sein. Beste Beispiele sind die Leidensgeschichten von betroffenen Fussballern …
Die regelmässig abgegebene Anweisung, das Pferd sei zumindest in den ersten Aufbauphasen mittels sedativ wirkender Medikamente ruhigzustellen, ist nicht ganz gefahrlos. Es gibt Pferde, welche unter beruhigenden Medikamenten in bestimmten Situationen zu absurden Reaktionen neigen und absolut unberechenbar werden. Auch sind Organschäden bei lang andauernder Applikation von Tranquilizern nicht auszuschliessen.
Bewegungsschema einer Aufbauphase
Wie sich der Bewegungsaufbau nach einer Verletzungspause gliedern könnte, zeigt folgendes Schema auf:
1. Monat: Schritt unter der Reiterin steigernd von 10 Minuten pro Tag bis 90 Minuten. Nur auf befestigter Unterlage. Keine bombierten Wiesenwege. Keine engen Wendungen. Paddock 4 mal 4 m erlaubt, kein Weidegang.
2. Monat: erste Trabreprisen von 50 m, steigernd bis Ende Monat auf 90 Minuten Schritt-/ Trabausritt mit 4 Trababschnitten von zirka 200 bis 500 m. Tiefen Boden nach wie vor meiden. Enger Paddock von zirka 15 auf 10 m erlaubt. Kein Weidegang, ausser das Pferd bewegt sich auf sehr kleiner Weide und ist völlig ausgeglichen im Gemüt, neigt also nicht zu panischem Erschrecken.
3. Monat: Beginnen mit den ersten kurzen Galopps auf federndem Geläuf im Gelände, sodass ab 4. Monat «normale» Ausritte von 90 Minuten in allen 3 Grundgangarten gemacht werden können. Paddock und kleine Weide erlaubt (sofern das Pferd nicht die Tendenz hat, sofort auf der Weide «herumzudonnern»).
5. Monat: Übergehen zur Arbeit auf dem Viereck oder in der Halle mit ersten gymnastizierenden Sprüngen und sorgfältigem Annähern an immer kleiner werdende Volten.
6. Monat: in der Intensität steigernde Trainingsphase.
7. Monat: Wiederaufnahme der Wettkampftätigkeit.
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