Ich habe meinen Freiberger in einer Offenstallhaltung und schere ihm deshalb das Winterfell nicht. Vor einem Jahr machte er auf einem Herbsttagsritt einen Satteldruck. Hängt das mit den längeren Haaren zusammen? Wenn ja, wie kann ich das vermeiden? Und wie wird optimal behandelt? S. V. in P.
Mit der Frage zum Satteldruck Ihres Freibergers während der Haarveränderungen im Herbst und/oder Spätherbst stehen Sie nicht alleine da. Da der Satteldruck sehr viele unterschiedliche Erscheinungsformen hat, fehlen mir für eine möglichst präzise und nicht nur generelle Beantwortung noch einige wesentliche Angaben. Zum Ersten würde mich interessieren, ob es sich um einen offenen oder geschlossenen Druck mit oder ohne Schmerzhaftigkeit oder allenfalls lediglich um ein Ödem (Schwellung) oder vielleicht nur eine sichtbare Veränderung ohne weitere klinische Symptomatik gehandelt hat. In zweiter Linie würde mich die Lokalisation interessieren: am Widerrist, beidseits oder nur auf einer Seite, an welcher Stelle der Sattellage oder ob es sich allenfalls um eine Veränderung in der Gurtlage gehandelt hat. Zuletzt wäre es auch noch interessant zu wissen, ob Ihr Vierbeiner, durch welche Einflüsse auch immer, seine Bemuskelung in dieser Zeit stark verändert oder ob er ein grundsätzliches anatomisches Problem hat.
Ein direkter Zusammenhang mit den längeren Winterhaaren kann unter folgenden Annahmen sogar praktisch ausgeschlossen werden: Sie haben ihren Fribi vorgehend regelmässig geritten, Intensität (Schwitzen!) und Länge des Rittes entsprachen ihrem Standard, sie haben kurz vorher keine Veränderungen am Sattel oder an der Schabracke durchgeführt oder diese gar gewechselt. Des Weiteren haben Sie keine Verschmutzung der dem Pferd aufliegenden Sattelkomponenten oder Schabrackenteile festgestellt. Alle diese Komponenten würden naturgemäss einen Druck am Widerrist oder in der Sattel- bzw. Gurtlage hervorrufen oder eine Verletzung zumindest begünstigen.
Durch meine im vorhergehenden Abschnitt erwähnten Annahmen ist die Frage nach der Möglichkeit, zukünftige Drücke zu vermeiden, mithin beantwortet. Falls aber alle Vorsichtsmassnahmen nichts bewirken, können Sie immer noch im nächsten Jahr mit dem gestaffelten Bedecken beginnen oder das Pferd allenfalls scheren. Ich selber ziehe eine natürliche Winterhaltung mit dem physiologischen Fellwechsel bei meinen Tieren vor. Bei Leistungspferden, welche regelmässig und übermässig bei der täglichen Arbeit schwitzen, welche, wie heute ja wegen der Zuschauer nicht unüblich, gar in geheizten Hallen trainiert und gesprungen werden, muss natürlich mit einem durchdachten und individuell angepassten Deckenmanagement reagiert werden.
Zur letzten Frage: Bei einem schmerzhaften, geschlossenen Satteldruck bringen Cold Packs, Eiswürfel oder kühlende Kompressen nach wie vor am nachhaltigsten schnelle Besserung und Erleichterung. Dazu können noch schmerzstillende und/oder entzündungshemmende Injektionen verabreicht werden. Die ab und an von anderer Stelle empfohlenen Salbentherapien kann ich aus mannigfaltiger persönlicher Erfahrung nicht empfehlen. Vermeiden Sie wenn immer möglich die Belastung der verletzten Partie für einige Tage, zumindest bis zum Rückgang der Schwellung und der Schmerzhaftigkeit: Angesagt ist also Bewegung an der Longe, in der Führanlage oder, warum auch nicht, auf der Weide. Falls, zum Beispiel auf einem Wochenritt, am nächsten Tag unbedingt geritten (oder gebastet) werden muss, wechseln oder erneuern Sie die Kompressen möglichst häufig während der Nacht: Der Erfolg wird Sie überraschen! Diese letzte Aussage basiert auf meiner Tätigkeit als Pferdearzt in den berittenen Einheiten der Schweizer Armee, wo das Problem Satteldruck zuweilen ganze Übungen überschattete und zu grossen Ausfällen (zum Teil über 50% der eingesetzten Tiere) führte.
Ihre Frage – unsere Antwort
Medizin • Reiten • Fahren • Fütterung • Recht • Haltung • Umgang
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Redaktion Kavallo | redaktion@kavallo.ch
Ein direkter Zusammenhang mit den längeren Winterhaaren kann unter folgenden Annahmen sogar praktisch ausgeschlossen werden: Sie haben ihren Fribi vorgehend regelmässig geritten, Intensität (Schwitzen!) und Länge des Rittes entsprachen ihrem Standard, sie haben kurz vorher keine Veränderungen am Sattel oder an der Schabracke durchgeführt oder diese gar gewechselt. Des Weiteren haben Sie keine Verschmutzung der dem Pferd aufliegenden Sattelkomponenten oder Schabrackenteile festgestellt. Alle diese Komponenten würden naturgemäss einen Druck am Widerrist oder in der Sattel- bzw. Gurtlage hervorrufen oder eine Verletzung zumindest begünstigen.
Durch meine im vorhergehenden Abschnitt erwähnten Annahmen ist die Frage nach der Möglichkeit, zukünftige Drücke zu vermeiden, mithin beantwortet. Falls aber alle Vorsichtsmassnahmen nichts bewirken, können Sie immer noch im nächsten Jahr mit dem gestaffelten Bedecken beginnen oder das Pferd allenfalls scheren. Ich selber ziehe eine natürliche Winterhaltung mit dem physiologischen Fellwechsel bei meinen Tieren vor. Bei Leistungspferden, welche regelmässig und übermässig bei der täglichen Arbeit schwitzen, welche, wie heute ja wegen der Zuschauer nicht unüblich, gar in geheizten Hallen trainiert und gesprungen werden, muss natürlich mit einem durchdachten und individuell angepassten Deckenmanagement reagiert werden.
Zur letzten Frage: Bei einem schmerzhaften, geschlossenen Satteldruck bringen Cold Packs, Eiswürfel oder kühlende Kompressen nach wie vor am nachhaltigsten schnelle Besserung und Erleichterung. Dazu können noch schmerzstillende und/oder entzündungshemmende Injektionen verabreicht werden. Die ab und an von anderer Stelle empfohlenen Salbentherapien kann ich aus mannigfaltiger persönlicher Erfahrung nicht empfehlen. Vermeiden Sie wenn immer möglich die Belastung der verletzten Partie für einige Tage, zumindest bis zum Rückgang der Schwellung und der Schmerzhaftigkeit: Angesagt ist also Bewegung an der Longe, in der Führanlage oder, warum auch nicht, auf der Weide. Falls, zum Beispiel auf einem Wochenritt, am nächsten Tag unbedingt geritten (oder gebastet) werden muss, wechseln oder erneuern Sie die Kompressen möglichst häufig während der Nacht: Der Erfolg wird Sie überraschen! Diese letzte Aussage basiert auf meiner Tätigkeit als Pferdearzt in den berittenen Einheiten der Schweizer Armee, wo das Problem Satteldruck zuweilen ganze Übungen überschattete und zu grossen Ausfällen (zum Teil über 50% der eingesetzten Tiere) führte.
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