Ich rate davon ab, Homöopathie einfach bedenkenlos selbst anzuwenden. Die Homöopathie ist eine ganzheitliche und äusserst anspruchsvolle Medizin. Wissen über die Grundlagen, die zahlreichen Arzneimittel, die Einsatzmöglichkeiten und die Grenzen sind für die Behandlung von akuten sowie chronischen Krankheiten zwingend notwendig. Ein über mehrere Jahre ausgebildeter Tierhomöopath kennt die Krankheits-, die Verhaltenssymptome und die sogenannten Modalitäten der verschiedenen Mittel und ist in der Lage, eine klinische Untersuchung des Tieres vorzunehmen. Erfolgt die Behandlung von akuten sowie chronischen Krankheiten ohne einen kompetenten Tierhomöopathen, kann dies durchaus negative Auswirkungen haben: Die Heilung verlangsamt sich; die bestehende Krankheit kann sich verschlimmern; neue Krankheiten können auftreten und, ganz wichtig, Tiere, die haufenweise falsche Arzneien erhalten haben, sprechen oft nicht mehr auf eine homöopathische Behandlung an. Der Spruch «Nützt es nicht, so schadet es auch nicht» ist also falsch.
Es ist weit verbreitet, dass Tierhalter ihren Tieren nach Gutdünken oder Empfehlungen von Freunden und Bekannten homöopathische Mittel verabreichen. In der Homöopathie wird aber jeder Patient individuell betrachtet und behandelt, denn jedes Tier reagiert anders auf eine Krankheit oder eine Verletzung. Der seriös ausgebildete Tierhomöopath differenziert die in Frage kommenden Mittel aufgrund kleiner Unterschiede. So benötigt ein ruhiges, freundliches Pferd mit Nesselsucht aufgrund einer Futtermittelallergie bestimmt nicht dieselbe homöopathische Arznei wie ein Pferd, welches aufgrund einer nicht vertragenen Wurmkur an Nesselsucht leidet.
Nesselsucht wird in der Medizin als Urtikaria bezeichnet und ist eine häufig vorkommende Hauterkrankung mit erhabenen Flecken (Quaddeln), die sich homöopathisch behandeln lässt. Aus den dermalen Ödemen an der Hautoberfläche kann Serum austreten, welches dann zur Krustenbildung führt und die Haare verkleben kann. Rumpf und proximale Gliedmassen sind am häufigsten von den Quaddeln bedeckt. Auslöser für das Auftreten einer Urtikaria könnten sein:
• Reaktion auf Wärme, Kälte, Sonne
• verminderte Schweissproduktion
• Sattel- und Geschirrdruck
• Einstreu, Holzschutzmittel
• Einreibungen, nicht vertragene Medikamente, Wurmkuren, Impfungen
• Allergien (Insekten, Parasiten, Futter)
• psychischer Stress
Therapieren Sie Ihr Pferd bitte nicht selbst, sondern suchen Sie sich einen kompetenten Tierhomöopathen, der eine fundierte Ausbildung hat, sich gerne für Sie Zeit nimmt, Ihnen zuhört und mit Rat und Tat zur Seite steht.
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