Ein Drittel aller Unfälle mit Pferden sind Fussverletzungen. Festes Schuhwerk aber ist kaum zu sehen, leichte Schuhe wie Sneakers oder gar Flip-Flops sehr wohl. Die Verwendung von Sicherheitsschuhen oder festen Arbeitsschuhen im nahen Pferdebereich ist letztlich Selbstschutz. Zumal Sicherheitsschuhe längst nicht mehr so klobig sind wie früher und sich auch zum Reiten eignen, wenn das Profil nicht zu grob ist.
Wer kennt die Situation nicht: aus irgendeinem Grund landet der liebe Vierbeiner mit voller Wucht auf den eigenen Zehen. Versucht man, mal eben ein paar Hundert Kilo von seinem malträtierten Fuss runterzuschieben, verlagert das Pferd sein Gewicht noch etwas mehr Richtung Mensch – Druck erzeugt schliesslich Gegendruck! Zu allem Übel kriegt man den Vierbeiner dann oft nur unter einer schmerzhaften Drehung vom Huf auf den gequetschten Zehen wieder von sich weg. Autsch!
Blauer Zehennagel oder Gips?
Fussverletzungen machen rund 30 Prozent aller Unfälle im Umgang mit Pferden aus. Hauptsächlich entstehen sie nicht beim Reiten selber, sondern bei der täglichen Pflege sowie bei der Arbeit am Boden. Während der eine mit einer schmerzenden blauen Zehe noch relativ glimpflich davonkommt, hat der andere mit einem komplizierten Mittelfussbruch einen langwierigen Heilungsprozess vor sich. Tritte im hinteren Bereich des Fusses von Ferse und Achillessehne können ebenfalls komplizierte Verletzungen zur Folge haben.
Fussverletzungen vermeiden durch geeignetes Schuhwerk
Grundsätzlich gehört festes, geeignetes Schuhwerk an den Fuss, sobald man sich in den Bewegungsbereich eines Pferdes begibt. Nur dadurch lassen sich die schmerzhaften Folgen eines Pferdehufes auf dem eigenen Fuss vermeiden oder zumindest abschwächen.
Eben so wenig, wie man sich in Flip-Flops in den Sattel schwingen würde, sollten beispielsweise «noch schnell» die Pferde in Pantoffeln von der Weide geholt oder Pferde für den Wettkampf in Sneakers warmgeführt werden.
Für den Umgang mit Pferden empfiehlt sich in jedem Fall ein robuster, mindestens knöchelhoher Schuh mit einer rutschfesten Sohle. Ausserdem sind spezielle Stallschuhe mit verstärkten Zehenbereichen erhältlich.
Den besten Schutz bieten Sicherheitsschuhe (Bezeichnung S) gemäss der Norm EN ISO 20345, welche über einen eingebauten Zehenschutz sowie einen geschlossenen Fersenbereich verfügen. Eine Zehenschutzkappe deckt 14 von 27 Fussknochen ab – also gut die Hälfte des Fusses.
Für Personen wie Schmiede, Hufpfleger oder Tierärzte, die viel im Hufbereich arbeiten und somit einem erhöhten Fussverletzungsrisiko ausgesetzt sind, kann ein Sicherheitsschuh mit zusätzlichem Mittelfuss-Schutz (Bezeichnung M) noch besseren Schutz bieten. Der Mittelfuss-Schutz absorbiert einen Teil der Aufprallenergie, die hinter der Stahlkappe auf den Rist des Fusses auftrifft.
In Arbeitsschuhen reiten?!?
Sicherheitsschuhe sind für das Arbeiten in Industrie und Gewerbe entwickelt worden und werden somit nicht allen Ansprüchen an die Reiterausrüstung gerecht. Zudem kann ein sehr ausgeprägtes Sohlenprofil die Gefahr des Hängenbleibens im Steigbügel erhöhen. Daher sind im Verkauf mittlerweile von verschiedenen Herstellern spezielle Reitstiefel, -stiefeletten und -schuhe mit Zehenschutz in S-Schutzklasse erhältlich, welche sich in der Optik und im Tragekomfort kaum mehr von klassischen Reitschuhen unterscheiden.
Durch den fixen Zehenschutz können sich diese Schuhe jedoch im Zehenbereich nicht ausdehnen, daher muss beim Kauf darauf geachtet werden, die Schuhe genügend gross und für den Fuss passend auszuwählen. Der Zehenschutz darf beim Gehen nicht als störend oder gar schmerzhaft einschränkend wahrgenommen werden. Generell empfiehlt sich auch hier das Anprobieren der Schuhe in der zweiten Tageshälfte, um die Schuhe nicht zu eng zu kaufen.
Wer sich beim Reiten mit dem Zehenschutz an den Schuhen absolut nicht anfreunden kann, dem sei zumindest ein Schuhwechsel empfohlen. Die Pflege- und Vorbereitungsarbeiten werden mit robustem Schuhwerk erledigt und vor dem Aufsitzen wird ein Wechsel in die eigentlichen Reitstiefel oder -bottinen vorgenommen, die so erst noch länger schön und sauber bleiben.
Sicherheitszone für Füsse
Es lässt sich nicht ausschliessen, dass ein Pferd bei einer Schreckreaktion auf dem Fuss des Menschen landen kann. Respektiert es jedoch die Individualzone des Menschen grundsätzlich gut, ist das Risiko einer solchen Verletzung geringer als bei einem Pferd, das den Menschen auch im täglichen Umgang dauernd anrempelt, wegschubst oder dessen Taschen durchsucht. Hier trägt eine gute Grunderziehung am Boden wesentlich zur Sicherheit aller Beteiligten bei und darf daher nicht vernachlässigt werden.
Hufpflege bei Zappelpferden
Das Herumzappeln beim Arbeiten im Hufbereich erhöht das Risiko von Fusstritten stark – ein hastig weggezogener und in der Folge heftig abgesetzter Huf richtet potenziell mehr Schaden an als einer, der kontrolliert abgestellt wird. Die Unruhe bei Arbeiten an den Hufen kann verschiedene Ursachen haben: Angst oder allenfalls sogar Panik, Schmerzen, ungenügende Ausbildung oder auch fehlender Respekt.
Für das Fluchttier Pferd ist die Manipulation an den Hufen nicht zuletzt auch eine Einschränkung seiner eigentlichen Fluchtmöglichkeit und dabei eine mentale und emotionale Herausforderung! Dementsprechend muss das Problem mit Zeit, Geduld, Verstand und der nötigen Konsequenz an der Ursache bearbeitet werden – nicht nur Ihre Füsse werden es Ihnen danken, sondern auch diejenigen Ihres Hufpflegers oder Hufschmieds!
* Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL, www.bul.ch
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