Kaum eine Sparte in Dänemark, die nicht vom Pferdewesen profitieren könnte. Nicht verwunderlich, wenn Prinzessin Benedikte seit 1986 die Schirmherrschaft beim dänischen Warmblutverband und seit 1999 ebenso bei der World Breeding Federation for Sport Horses (WBFS) innehat. Bei diesem Engagement ist es natürlich fast selbstverständlich, dass die Prinzessin ebenso das Patronat für die Europameisterschaft Herning vom 20. bis 25. August übernahm. In offiziellen Eröffnungen von Pferdeanlässen ist sie ohnehin geübt, wie sie letzthin in Aachen unter Beweis gestellt hat. Winkend grüssten Kronprinzessin Mary von Dänemark und Prinzessin Benedikte zu Dänemark aus dem Landauer des dänischen Königshauses heraus, während sie von den Gardehusaren und der Dänischen Leibgarde mit dem angegliederten Musikcorps eskortiert wurden. Dänemark war dieses Jahr eben Partnerland des Weltfestes des Pferdesports gewesen.
Auf zehn Pferde ein Arbeitsplatz
Der königliche Support mag dazu beitragen, dass im Land zwischen Nord- und Ostsee das Pferd in der Bevölkerung ebenso gut verankert ist wie in der Wirtschaft. Eine 2010 von drei Ökonomen erstellte Analyse über die Bedeutung des Pferdewesens im Königreich ergab nämlich, dass es für die gesamte dänische Wirtschaft von grosser Bedeutung ist. Der gesamte Pferdebereich erwirtschaftet einen Umsatz von 24,7 Mia. Dänischen Kronen, was gut 3 Mia. Franken entspricht. Landesweit stehen rund 21000 Vollzeitstellen mit dem Pferd in Verbindung, was so viel heisst, dass jedes zehnte Pferd einen Arbeitsplatz schafft.
Dänemark verfügt über eine hoch-entwickelte Landwirtschaft, was sich verständlicherweise auch in der Pferdezucht niederschlägt. Das Haupt-stutbuch weist nicht ganz 1000 eingetragene Stuten auf. Dennoch sorgen die dänischen Pferde im WBFS-Ranking für vordere Plätze. In der Sparte Dressur schaute im vergangenen Jahr ein vierter Rang heraus, beim Springen kamen die Dänen auf den 15. Rang.
Tausendjährige Spuren
Dass das Pferd in Dänemark eine so hohe Beachtung geniesst, lässt sich auch auf die Geschichte zurückführen. Spätestens seit der skandinavischen Bronzezeit (2000 bis 800 v. Chr.) war das Pferd auf dem Boden des heutigen Dänemarks gezähmt, wie verschiedene archäologische Funde belegen. So wurde etwa ein silbernes Gefäss mit Reiterfiguren ausgegraben, das aus dem dritten bis zweiten Jahrtausend v. Chr. stammt. Ebenfalls in Jütland gefunden wurde ein Kultwagen, der mit 500 v. Chr. datiert ist. Das Klima ist kühl und gemässigt maritim, was für die Pferdezucht gute Voraussetzungen schafft.
Bereits im Jahre 1562 gründete König Friedrich II. im Stadtgebiet von Kopenhagen auf dem Boden eines ehemaligen Klosters das Hofgestüt Frederiksborg mit spanisch-andalusischem Zuchtmaterial. Über 200 Jahre lang sollte es eine der führenden Zucht-stätten Europas sein. Und nicht zu vergessen ist natürlich, dass das pferdereiche Schleswig-Holstein bis 1866 eine Provinz Dänemarks war.
Der Verlust von Schleswig-Holstein war für die dänische Pferdezucht aus-serordentlich hart. Von der Intensivierung der Landwirtschaft profitierte bis zum Zweiten Weltkrieg vor allem die Zucht von Arbeitspferden auf Jütland. Mit dem Aufkommen der Motorisierung sank die Nachfrage nach Arbeitspferden, dafür breitete sich bald über das ganze Land eine Sportpferdezucht aus. Unter Zuhilfenahme von Vollblut wurden die einheimischen Warmblutschläge veredelt, Zuchtpferde wurden zudem hauptsächlich aus Schweden und Hannover importiert. Heute macht das Dänische Warmblut das Gros der dänischen Pferdezucht aus, wenngleich mit der Ausbreitung der Freizeitreiterei der Knabstrupper wie der Frederiksborger dank ihrer In-telli-genz und Gutmütigkeit von einer Renaissance profitieren konnten.
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