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Man kann es drehen und wenden wie man will. Aber auch das Jahr 2013 hat bloss 52 Wochen. Für den internationalen Springsport viel zu wenig. Denn allein auf dem allerhöchsten 5-Sterne-Niveau sind nur schon in Westeuropa 40 Turniere ausgeschrieben. Zusammengezählt ergibt das, ohne Anreise- und Abreisetage, 159 Tage Springsport erster Güte, die Europameisterschaften vom 20. bis 25. August in Herning (Dänemark) nicht einmal eingerechnet. Kein Wunder, ist der Springsport das Premium-Produkt der Fédération Equestre Internationale (FEI), er ist ihr populärstes und stärkstes Zugpferd. 

Weltcup als Vorbild
Eine zusätzliche Ration Hafer reicht freilich nicht, um dieses Zugpferd bei Kräften zu halten. Der Springsport braucht Geld, um sich zu inszenieren, vor allem aber braucht er eine klare Struktur, um den Platz im professionellen Sport-Geschäft zu behaupten. Einfach möglichst viele Turniere an möglichst vielen Tagen zu veranstalten, ist dafür allerdings keine besonders taugliche Strategie. Sie verwirrt bloss die Konsumenten. Deshalb will die FEI mehr Ordnung in den Kalender bringen. Ein heikles Unterfangen, es gilt gar viele Details zu berücksichtigen. Und durch neue Sponsoren-Deals wird derzeit viel verändert. 
Doch die Veränderung soll in den nächsten Jahren resolut angestrebt werden. Wohin dieses Vorhaben führen kann, liess sich am ersten FEI Sports Forum im vergangenen Mai erahnen: hin zu einer breiten Basis der 1- bis 4-Sterne-Turniere, zu einem Mittelbau mit Anlässen der 5-Sterne-Kategorie und zu einer schmalen Spitze, vergleichbar der jährlich vier Majors-Turniere im Tennis oder im Golf. Wenn sich die Stakeholder aus dem Pferdesport am 8. und 9. April in Lausanne zum zweiten Sports Forum treffen, wird man dazu sicherlich noch mehr erfahren.

Ein neues Event Classification System (Turnierklassifizierungssystem) soll die zukünftige Ordnung bringen, letztlich wohl aber auch den Einfluss der FEI im eigenen Haus zu stärken. In der Vergangenheit hat der Verband doch so manche Entwicklung verschlafen. Der Weltcup beispielsweise, die winterliche Indoor-Serie mit den Schweizer Stationen Genf und Zürich, war 1978 von Max E. Ammann lanciert worden, Jan Tops inszenierte 2006 die Global Champions Tour. Beide erkannten, dass ihre Veranstaltungen in einer weltweiten Serie einheitlich vermarktet werden müssen, um sich vom grossen Allerlei abzuheben. Die FEI derweil erfreute sich an den traditionellen Nationenpreisen, die bis ins Jahr 1909 und damit weit vor die Gründung des internationalen Verbandes im Jahre 1921 zurückreichen. Sie wurden zwar schon 1964 auf Anregung des damaligen FEI-Präsidenten Philip Mountbatten im Presidents Cup vereint, doch letztlich ist die Serie der Nationenpreise immer ein kleines und auf Europa zentriertes Gebilde geblieben.

Abkehr vom Eurozentrismus
Doch damit ist es jetzt vorbei. Ab diesem Jahr ist der «Saudi Equestrian Fund» Sponsor der Serie der Nationenpreise, die nun Furusiyya FEI Nations Cup heisst. Furusiyya ist das arabische Wort für Equestrik und etymologisch auf herrschaftlich stolze Wettkämpfe zu Pferd zurück zu führen. Bis 2016 legt der «Saudi Equestrian Fund» jährlich vier Millionen Euro hin, knüpft daran aber eine klare Bedingung. Auch die Serie der Nationenpreise muss fortan wie der Weltcup und die Global Champions Tour ein weltumspannendes Circuit sein, zudem muss es einen Final für die Besten aus allen Regionen geben. Die Europäer wehrten sich gegen diese Idee, nicht einzig mit dem Verweis auf die Geschichte. Gemäss einer Statistik der European Equestrik Federation (EEF) stammen 67,60 Prozent der 2011 bei der FEI registrierten Reiter aus Europa – und nur 14,35 aus Amerika, 10,80 aus Asien, 4,40 aus Ozeanien, 2,85 aus Afrika.
So gesehen ist es verständlich, dass es die jordanische Weltverbandspräsidentin besonders in Europa mit ihrer Globalisierungsstrategie mitunter schwer hat. Weil sie ja auch eine andere Strategie, die bewusste Stärkung des Kernmarktes, wählen könnte. Unbeeindruckt davon geht Prinzessin Haya bint al-Hussein aber ihren Weg und knüpft geschickt ihre zweckdienlichen Allianzen. So wie mit dem neuen Nationenpreis-Sponsor. Als sie diesen an der Generalversammlung der FEI Anfang November 2012 in Istanbul präsentierte, offerierte sie bloss zwei Varianten: Entweder wird die Abkehr vom Eurozentrismus akzeptiert, dann gibt es Geld und weiterhin eine Serie von Nationenpreisen, oder die Reform ist vom Tisch und damit auch der versprochene Geldsegen. Wer zahlt befiehlt. Freilich wird auch hier nicht so heiss gegessen, wie gekocht. Erste Modelle der neuen Nationenpreis-Serie sind adaptiert und auf eine mehrheitsfähige Basis mit sechs Regionen und zwei europäischen Divisionen gestellt worden (siehe Grafik). «Es wurde ein Kompromiss gefunden, den alle Föderationen tragen können», wird beispielsweise Soenke Lauterbach zitiert, der Generalsekretär der deutschen FN. 

Blockierte Saisonplanung
Bis Ende 2012 mussten sich die Teams registrieren, die in der Nationenpreis-Serie teilnehmen wollen. In Europa machten das acht Equipen, die sich damit gleichsam verpflichteten, auch am neuen Final aller Regionen teilzunehmen. Der soll im September in Barcelona über die Bühne gehen. «Trotz noch vieler Unbekannten konnten wir guten Gewissens die Zusage geben, weil der Final ja in Spanien stattfindet und somit keine exorbitanten Reisespesen zu erwarten sind», sagte diesbezüglich der Schweizer Chef d’Equipe Urs Grünig Ende Januar anlässlich des CSI Zürich. Damals nämlich stand der Kalender noch nicht fest, und es war noch offen, welche der Veranstalter der bisherigen Nationenpreis-Serie (La Baule, Rom, St. Gallen, Aachen, Falsterbo, Rotterdam, Hickstead und Dublin) auch im neuen Circuit mitmachen. Die angesprochenen Details waren noch nicht alle geklärt, besonders auch, weil Longines als neuer FEI-Top-Sponsor ab diesem Jahr Zeitnehmer der Nationenpreis-Serie ist, der CHIO Aachen beispielsweise aber mit Rolex zusammen arbeitet.
Das blockierte zu Jahresbeginn die Saisonplanung. Weil neu bereits im Voraus gesagt werden muss, wo eine Equipe Punkte für den Final sammeln will. Das ist bloss noch an vier Turnieren möglich und schränkt den Spielraum des Equipenchefs ein. Experimente mit jungen Reiterinnen und Reitern kann er sich an den vier entscheidenden Turnieren nicht leisten. Da muss er immer auf die beste Equipe setzen. Anderseits kann er nun aber auch Taktik walten lassen. «Das Heimturnier in St. Gallen ist gesetzt, da müssen und wollen wir auch starten», sagte Grünig, ohne weitere Karten aufdecken zu wollen. Doch ein Blick in die jüngere Nationenpreis-Geschichte zeigt, die Turniere in Hickstead und Dublin zählen im Gegensatz zu Falsterbo oder Rotterdam nicht zu den Schweizer Favoriten. Und dass, abgesehen von den Deutschen, eine Equipe ausgerechnet am CHIO Aachen entscheidende Punkte sammeln will, damit ist nicht zu rechnen. Wo ein Team letztlich aber um die Final-Punkte reitet, und wo es einfach «nur» am Nationenpreis teilnimmt, das entscheidet die FEI und nicht der Chef der Equipe.

Ein Sieg wird mit 100 Punkten belohnt, für Platz zwei gibt es 90 Punkte, für Rang zehn noch 59. Dabei ist immer die der Rangierung zugedachte Punktzahl zu gewinnen, unabhängig davon, ob beispielsweise vor einem drittklassierten Team die zweitklassierte Equipe die Prüfung als nicht punkterelevant angegeben hat. Im Final sind sodann 18 Teams startberechtigt, 6 aus der Europa Division I. Hier also müssen im Herbst zwei Equipen über die Klinge springen, sie steigen in die Division II ab. Der Final selber besteht aus drei Prüfungen: Die erste führt über einen Umgang (Wertung A) und entscheidet, welche 8 Equipen (1-8) in die dritte und finale Prüfung vorrücken. Diese beginnt wieder bei null und alle vier Reiter eines Teams treten an. Bei Gleichstand im ersten Platz gibt es ein Stechen ohne Streichresultat, nur mehr drei Reiter pro Team absolvieren dieses. Die Equipen wiederum, die in der ersten Prüfung schlechter als auf Platz 8 klassiert sind (9-18), starten in der zweiten Prüfung, einer Art Trostrunde.

Zweifelhafte Breitenwirkung
Das Geld, dank dem der «Saudi Equestrian Fund» den Furusiyya FEI Nations Cup bestimmen darf, fliesst auf den ersten Blick nicht in die Europa Division I. Hier müssen Nationenpreis und Grand Prix wie bisher mindestens mit 200 000 Euro dotiert sein. Und zumindest im Januar haben die Veranstalter noch nicht verbindlich gewusst, ob die FEI auch unter den neuen Gegebenheiten das Preisgeld des Nationenpreises alimentiert, so wie sie es bis anhin tat. Der grösste Teil der Gelder soll in den Final fliessen, weil er zum spannenden Abschluss der Serie werden und den «wahren» Nationenpreis-Champion küren soll. Ob diese neue Weltordnung in der Struktur der Nationenpreise auch sportlich zu einem neuen Ranking führt? 
Dass dieses Wachstum aber mit einer generellen Breitenwirkung gleichzusetzen ist, darf bezweifelt werden. Selbst in Europa ist der Pferdesport mancherorts noch ein Nischenprodukt, wenn auch ein sehr erfolgreiches. Hierzulande hat das im Dezember die Wahl zum Sportler des Jahres gezeigt, in der der Olympiasieger Steve Guerdat vom Publikum auf den guten dritten Rang gehievt wurde. Gegen den Sieger Roger Federer hatte er wenig erstaunlich keine Chance, doch selbst Dario Cologna musste Guerdat den Vortritt lassen. Weil sich der Bündner als Langläufer in einer viel populäreren Spur bewegt wie der Romand als Springreiter. Daran wird auch eine interkontinental ausgetragene Nationenpreis-Serie kaum etwas ändern.  
* Der Autor Peter Jegen ist Sportredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung und dort für den Pferdesport verantwortlich.
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