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Es findet sich auf dem Gestütsgelände zwar auch eine Gedenktafel für den 1937 in Ostpreussen geborenen Trakehnerhengst Julmond, der erst im Alter von fast 20 Jahren auf die Alb gekommen ist und in seiner kurzen Zeit als Beschäler dem Stutenstamm des Hauptgestüts Marbach seinen Stempel aufdrückte. Vergessen gehen könnte er somit alleweil nicht, aber dennoch zäumte man ihn in Marbach noch einmal auf und gründete den Kinderclub «Julmonds Marbach» – weil Julmond auch nach bald 50 Jahren noch wie ein guter Geist über dem Haupt- und Landgestüt schwebe. Julmond wirkte ursprünglich noch als Beschäler in Ostpreussen und kam mit dem grossen Flüchtlingstreck 1944 nach Westdeutschland. Von 1948 bis 1954 war er als Reit- und Wagenpferd in Warendorf eingesetzt, wurde 1954 Privatbeschäler und kam 1955 nach Baden-Württemberg. Der Wendepunkt kam 1961, als er in Marbach Hauptbeschäler wurde.
Über Marbach muss tatsächlich ein guter Geist liegen, sonst wären die heute denkmalgeschützten Gebäude schon längst einer anderen Nutzung zugeführt worden. Das Gestüt hat aber im Laufe seiner Geschichte den dreissigjährigen Krieg, Pferdeseuchen wie Sparattacken überlebt und ein Stück heile Pferdewelt ins 21. Jahrhundert hinübergerettet. Denn Marbach an der Lauter ist geradezu prädestiniert, Aufzuchtsort für Pferde zu sein, mit einem rauen Klima auf einer -Höhe zwischen 700 und 800 Metern und den kalkhaltigen Böden. Urkundlich erstmals erwähnt wurde es 1514, vermutet wird aber, dass in dieser Region schon seit dem frühen Mittelalter
eine Pferdezucht mit überregionalem Bekannts-heitsgrad bestand – nicht umsonst zeigt der Name der baden-württembergischen Landeshauptstadt equestrische Wurzeln: Stuttgart geht auf Stutengarten zurück.
Von der Tradition allein lasse sich nicht leben, wird Astrid von Velsen-Zerweck, die erste Frau Landoberstallmeisterin in der Gestütsgeschichte, in der «Süddeutschen Zeitung» zitiert: «Auch mit einer 500-jährigen Geschichte im Rücken wird uns nichts geschenkt. Zucht und Handel unterliegen längst der Globalisierung, die Konkurrenz aus dem In- und Ausland ist hart.» Hinzu kommt, dass viele Pferdefreunde nicht mehr so intensiv in ein teures Hobby investieren wollen und die Zahl der Reiter rückläufig ist.

Von Kriegen heimgesucht
Nicht immer war das Interesse am Gestüt und an den Pferden bei den Herrschern in den vergangenen 500 Jahren gleich gross. Und gegenüber den tonangebenden Pferdezuchtgebieten im Norden Deutschlands hatten die süddeutschen Verbände lange einen schweren Stand. Doch seit auch Württemberger wie Sam unter Michael Jung im Concours Complet Olympiagold holen können, wird auch im Süden nach Cracks gesucht. Zumal Vater Stan the Man xx in Marbach stand. Dem Gestüt kam früh die Aufgabe zu, nicht für den Marstall der Regenten allein edle Pferde zu züchten, sondern auch für die Landespferdezucht da zu sein. Bereits Herzog Ludwig suchte um 1570 zu diesem Zwecke allerbestes Zuchtmaterial im Orient, in Italien oder Spanien.
Schwer litt das Gestüt Marbach während der Napoleonischen Kriege. Als König Wilhelm I. nach dem Wiener Kongress 1816 gekrönt wurde, war keine Basis mehr für eine Landespferdezucht vorhanden. Er reorganisierte darauf die Pferdezucht von Grund auf und trennte Hof- und Landgestüt klar voneinander ab. Wohl bereits damals mit dem Hintergedanken, sich privat seiner grössten Passion, der Zucht von orientalischen Pferden, widmen zu können, erklärte er unter anderen die königliche Domäne Weil zum königlichen Privatgestüt (siehe Kasten).
Schwer zu schaffen machten dem Gestüt auch der Erste und Zweite Weltkrieg. Eine sichere Existenz wurde Marbach erst mit der Gründung des Landes Baden-Württemberg. Mitte des letzten Jahrhunderts setzte die Zuchtleitung dann ostpreussische Hengste ein, um den schweren Württemberger an die modernen Bedürfnisse anzupassen. Diese Rasse hatte den ausdauernden und leistungsbereiten Wirtschaftstyp verkörpert, ein etwas gedrungenes, aber leichfuttriges Modell – das ideale Pferd für die Landwirtschaft. Doch dafür war der Markt zu klein geworden. Am meisten Erfolg hatte Julmond, dessen Söhne – so steht in einem Protokoll – alle von bestem Charakter seien. Die Veredelung verlief ab den 60er-Jahren geradezu stürmisch, hervorgerufen durch die Vollmotorisierung in der Landwirtschaft und den ungeahnten Aufschwung der Reiterei.

Kulturgut als Ganzes
Dass das Haupt- und Landgestüt im Lautertal seinen Platz im 21. Jahrhundert gefunden hat, zeigt sich allein schon an den jährlichen Besucherzahlen. Rund eine halbe Million Leute besuchen das süddeutsche Pferdemekka, zu Zehntausenden kommen sie an die traditionellen Hengstparaden im Herbst. Trotz der beeindruckenden Zahlen ist sich Astrid von Velsen-Zerweck bewusst, dass Marbach seine Daseinsberechtigung immer wieder bestätigen muss. Allerdings nicht nur als Gestüt, sondern als ein lebendiges, 500-jähriges Kulturgut in seiner Ganzheit. Denn abgesehen vom Kulturobjekt Pferd wird Marbach geprägt von einem Dutzend Gestütshöfen, Vorwerken und Domänen – rund 180 unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden. Im Weiteren geniessen nicht nur die selten gewordenen Rassen Alt-Württemberger- oder Schwarzwälder-Füchse «Denkmalschutz», gepflegt werden ebenso traditionelle Handwerksberufe wie Schmied, Sattler oder Wagner. Im Betrieb arbeiten nicht weniger als 90 Mitarbeiter und fast 50 Lehrlinge. Zu bewirtschaften sind 850 Hektar Land, auf dem das Futter für 300 Gestüts- und 200 Pensionspferde produziert wird. Zum Gestüt gehört ausserdem die Landes-Reit- und -Fahrschule mit ihrem vielfältigen Lehrgangsangebot. Um die Bedeutung als hippologische Bildungsstätte werde sie von Gestüten in anderen Bundesländern stark beneidet, sagt von Velsen-Zerweck nicht ohne Stolz. Marbach betreut die Ausbildung nicht nur im Betrieb, das Gestüt arbeitet ebenso im überbetrieblichen Bereich wie auch auf Fachhochschulebene und ist Sitz des Kompetenzzentrums Pferd Baden-Württemberg.
Doch wie der Olympiacrack Sam zeigt, steht Marbach auch als UNESCO-Biosphärengebiet mitten in der Pferdewelt des 21. Jahrhunderts. Der berufliche Hintergrund als Pferdezüchterin, Journalistin und Fachfrau für Tourismus hilft der Gestütsleiterin, zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen. Auch der Umstand, dass die Dressurreiterin Anabel Balkenhol sich hier eingemietet hat, wird den Blick der internationalen Käuferschaft noch stärker als bisher nach Marbach lenken. Denn Marbach will ein Garant bleiben für gesunde und solide Pferde für den Spitzen- wie den Freizeitsport.  

Die Vollblutaraber-Zucht in Marbach
Ein Teil der Vollblutaraber-Zucht Marbachs hat ihren Ursprung im Königlichen Privat-gestüt Weil von König Wilhelm I., der dieses 1817 gründete. Als 1932 der Bestand – 13 Stuten und 4 Hengste – an das Land Württemberg überging, fanden die Pferde im Haupt- und Landgestüt Marbach eine neue Heimat.
Heute werden in Marbach vier Stutenfamilien (bzw. Unterfamilien) gepflegt: Die der Murana I Or.Ar. geht auf das Königliche Privatgestüt Weil zurück. Diese Familie spaltet sich in die S- und D-Linien auf. Da nach dem Zweiten Weltkrieg keine geeigneten Hengste verfügbar waren, wurde auf polnische Vollblutaraber zurückgegriffen, die der Krieg auf oft abenteuerliche Weise hierher geführt hatte. Der bedeutendste war Halef, der die Zucht in den 1950er-Jahren prägte. Die Stuten aus der D-Linie – derzeit vier – gehen alle auf die Halef-Tochter Hamdi (a.d. Jadine) zurück. Innerhalb der S-Linie gibt es zwei Zweige, darunter die sogenannten «Asilen Weiler», die auf die berühmte Sahmet (Hadban Enzahi/Jatta) zurückgehen. Dazu zählen derzeit nur noch zwei Stuten, die lückenlos «Wüstenaraber» im Pedigree führen, also ohne Beimischung von polnischem Blut. Für Freunde des «Asil-Arabers» ist dieser Zweig ein Kleinod mit besonderem kulturhistorischem Wert und daher wird in Marbach vermehrt darauf geachtet, diese Linie wieder zu stärken. Durch Embryotransfer ist es im letzten Jahr gelungen, zwei Stutfohlen aus einer der Stuten zu züchten, die hoffentlich dazu beitragen werden, diese Linie zu erhalten! Der andere «polnische» Zweig der S-Linie umfasst fünf Stuten.
Zusammen mit dem Ägypter Hadban Enzahi kam 1955 auch ein Stutfohlen ins Gestüt: Nadja, eine Halbschwester von Hadban. Diese ausgesprochen fruchtbare Stute hat in Marbach ihre eigene Familie (N-Linie) gegründet, der heute elf Stuten angehören. Elf Jahre später konnte Marbach noch drei weitere ägyptische Stuten übernehmen, die auf die Stute Moheba zurückgingen; diese wurden die Gründerinnen der M-Linie, die heute mit sechs Stuten repräsentiert ist. Diese beiden Familien werden «rein ägyptisch» gezüchtet, wozu vor allem Hengste in Privatbesitz genutzt werden.
Das heutige Zuchtziel ist ein vielseitig verwendbares, edles, gesundes und ausdauerndes Pferd, mit dem unverwechselbaren edlen äusseren Erscheinungsbild des Arabers, ohne den heutigen Modetrends der Araberzucht nachzulaufen.

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