Nicht nur Tiere gehen im Circus Knie seit Generationen zur Schule. Seit 1935 die Tierproben bei Knie öffentlich sind, können sich dort auch Menschen im Umgang mit Pferden schulen lassen. Von dieser einst revolutionierenden Idee profitieren alle Pferdebegeisterte. Unter dem zunehmenden Einfluss der Verhaltensforschung können alle jene noch mehr erfahren, was ihnen Pferde durch ihr Ausdrucksverhalten sagen möchten. Diese jahrzehntelange Tradition führt Fredy Knie jun. in seinen Anlässen «Rund ums Pferd» weiter, 60 Ponys und 52 Pferde stehen in den Knie-Stallungen dafür zur Verfügung. Auch wenn das Mitführen der Tiere auf Tournee den Zirkus viel Geld kostet, hier werden keine Abstriche gemacht, wie Zirkus-Direktor Fredy Knie jun. postuliert: «Pferde sind unser Kapital!»
Fredy Knie, keine andere Institution sorgt in der breiten Bevölkerung für eine so gute Imagepflege für das Pferd wie der Circus Knie. Spüren Sie etwas davon?
Ja, ich bin sehr froh und stolz darüber, von Bevölkerung und Hobbyreitern in so hohem Masse akzeptiert zu werden. Am meisten kommt dies auf Tournée zum Ausdruck, wenn im Anschluss an die Proben spontan Leute auf mich zukommen und Fragen stellen. Die Anlässe «Rund ums Pferd» laufen seit fünf Jahren und zeigenund geben einen vertieften Einblick in unsere tägliche, von gegenseitigem Respekt zwischen Mensch und Tier geprägte Arbeit. Wir haben nichts zu verbergen.
Dann sind die Morgenproben noch wichtiger als der Anlass im Winterquartier?
Die Morgenarbeit auf Tournée ist auch für die jungen Pferde ausgezeichnet. Hier lernen sie von Anfang an mit den sich bewegenden Zuschauern umzugehen. Und wenn Leute mit Fragen kommen, kann ich gleich zeigen, wie sich dieses oder jenes korrigieren lässt. Dafür sind die Besucher dankbar, denn sie sind sehr wissbegierig. Über den «Rund ums Pferd»-Badge, den alle Teilnehmenden erhalten und während der gesamten Tournee freien Zugang zu den Pferdeproben gewährleistet, haben wir nun eine gute Verbindung zu ihnen aufgebaut. Viele Fragen kommen aus dem sehr persönlichen Bereich. Meine Ratschläge reichen vom Stallwechsel über die Wahl eines anderen Reitstils bis zum Verkauf des Pferdes. Wichtig ist, dass wieder Freude aufkommt im Umgang mit dem Pferd.
Hat sich bei Knie im Umgang mit den Pferden in den vergangenen Jahren etwas geändert?
Wir waren schon lange bekannt für Fortschritte im Umgang und in der Haltung unserer Tiere. Mobile Boxen ersetzten die Anbindehaltung bevor dies vom Tierschutz vorgeschrieben wurde. Es geschah aus Überzeugung heraus, die sich aus dem täglichen Umgang mit den Pferden in der Praxis herausgebildet hatte.
Haltung ist ein Thema, der Umgang ein anderes.
Ob Haltung oder Umgang, die tägliche Arbeit zeigt uns, was unsere Aufgabe ist. Ich will von Anfang an etwas von den Pferden, von uns aber wollen die Pferde anfänglich gar nichts. Nun liegt es an uns, zu ihnen einen Kontakt aufzubauen, bis es von uns auch etwas will. In einer Gruppe von zwölf Pferden hat jedes einen anderen Charakter, den es so schnell wie möglich zu erfassen gilt. Ein guter Lehrer geht dabei auf das Individuum ein.
Das erworbene Pferdewissen behalten Sie nicht für sich, Sie geben es gerne weiter.
Es wäre doch nicht fair gegenüber dem Pferd, wenn ich das über Jahrzehnte hinweg erworbene Wissen rund ums Pferd nicht weitergeben würde! Heute haben viele Menschen grosse Kenntnisse über Pferde. Doch längst nicht alle haben Gelegenheit herauszufinden, wie mit jungen Pferden zu beginnen ist. Wie erkennt man ihre angeborenen Eigenschaften? Wie baue ich das gegenseitige Vertrauen auf?
Könnte man dies das kleine ABC der Pferdeausbildung nennen?
Das kleine ABC der Pferdeausbildung dauert bei uns zweieinhalb bis drei Jahre. Die jungen Pferde werden zuerst mit dem Stallhalfter longiert, später auch ganz lang ausgebunden. Sie müssen anhalten und rückwärtsrichten. Irgendwann geht es über Cavalettis, werden kleine Volten verlangt. Früh werden die Pferde sanft streichelnd an die Peitsche gewöhnt. Diese wie alle andern Hilfe dürfen niemals Schmerz verursachen.
Und das grosse ABC?
Von einem grossen ABC würde ich lieber nicht sprechen, schon eher von Spezialisierung. Nach den Grundschritten erkenne ich bald einmal, dass ein Pferd das Zeug zu dieser oder jener Lektion hat. Einem Pferd, das im Paddock oft und gerne steigt, ist das Steigen später leichter beizubringen.
Wann beginnen Sie mit dem Einstudieren einer neuen Nummer?
Drei Wochen nach der Premiere in Rapperswil fängt das Einstudieren einer neuen Nummer an. Das bringt auch Abwechslung für die Pferde: Am Vormittag neue Übungen, am Abend in der Vorstellung die Nummer.
Führt das zu keinem Durcheinander?
Überhaupt nicht. Pferde führen nicht alles selber aus, machen es nicht routinemässig. Hat man sie fein erzogen, ich gehe deshalb auch lieber langsam vor, reagieren sie auf kleinste Zeichen. Dies zu erreichen ist für uns jeden Tag eine neue Herausforderung.
Was wünschen Sie sich für die Pferde für die Zukunft?
Dass viele Menschen Freude an Pferden haben und mit ihnen fair umgehen. Dass sie wissen, in der Partnerschaft Mensch und Pferden soll auf beiden Seiten gleichermassen Respekt vorhanden sein.
Weitere Informationen und das Anmeldeformular gibt’s unter www.knie.ch/pferd
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