Parcourschef Frank Rothenberger hatte es vor dem Stechen um den Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen 2019 gesagt: Kent Farrington ist einer der schnellsten Reiter der Welt. Die Worte des Herren der Hürden sollten sich als prophetisch erweisen. Der Sieger im Rolex Grand Prix 2019 kommt aus den USA: Kent Farrington mit der belgischen Kashmir van Schuttershof-Tochter Gazelle. Für Farrington ein ganz besonderer Sieg, der hart erarbeitet war. Aber der Reihe nach. Daniel Deusser hatte es als letzter Starter des von sieben Paaren bestrittenen Stechens mit Tobago Z noch in der Hand, Farrington den Sieg streitig zu machen. Doch es sollte nicht sein. Tobago gab wirklich sein Letztes, aber Gazelle hatte ihrem Namen alle Ehre gemacht. Als Tobago fehlerfrei über den letzten Oxer ins Ziel flog, zeigte die Uhr 44,35 Sekunden an. Farrington und Gazelle waren 43,98 Sekunden schnell gewesen – Platz zwei für Deusser, Sieg für Farrington. Und damit 330’000 von insgesamt einer Million Euro Preisgeld und die Chance auf noch viel mehr, denn nun ist er der Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Showjumping!
Platz drei ging an Ben Maher und sein vierbeiniges Springwunder Explosion W. Der Brite und der Chacco-Blue Sohn hatten ja am Mittwoch im Preis von Europa schon ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Es wurden Wetten auf sie abgeschlossen. Und tatsächlich machte Explosion auch heute wieder den Eindruck eines Siegers. Bis zum vorletzten Hindernis, da fiel die Stange. Die Zeit hätte gereicht. Der Brite und sein Chacco Blue-Sohn waren vier hundertstel Sekunden schneller als Farrington und Gazelle. So wurde es Rang drei. Dahinter reihten sich die Weltmeisterinnen Simone Blum und Alice mit ebenfalls einem Abwurf ein.
Die Taktik zum Comeback
Kent Farrington hatte vor allem eines im Kopf als er ins Stechen ritt: nicht wieder Zweiter werden! Das war er nämlich 2014 schon einmal gewesen. Damals war er mit Voyeur zwar Schnellster gewesen, hatte aber einen Abwurf. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. «Ich wollte meinen Namen auf dieser Tafel am Einritt verewigt haben!» Darum seine Taktik: schnell reiten ja, aber nicht mit zu viel Risiko. «Ich wollte nicht wieder der Schnellste mit vier Fehlern sein.» Die Rechnung ging auf. «Es ist eine so beeindruckende Liste grossartiger Reiter, die den Grossen Preis von Aachen gewonnen haben. Ich bin stolz, nun dazu zu gehören!»
Sich auf der Tafel aufgeführt zu sehen, hatten sich auch Steve Guerdat und Martin Fuchs vorgenommen und breiteten ihre Pferde Albführen’s Bianca und Clooney auf den prestigeträchtigen Preis am Sonntag vor. In Tuchfühlung blieb Fuchs mit Clooney, schlossen die beiden den ersten Umlauf ohne Abwurf ab, während Guerdat an der an 12. Stelle stehenden Stationata einen ärgerlichen Abwurf hinnehmen musste. Von den 18 zum zweiten Umgang zugelassenen Paaren waren neun fehlerfrei geblieben, zehn beendeten wie Steve Guerdat den zweiten Umgang fehlerfrei. Martin Fuchs dagegen sollte dies nicht gelingen: Mit 8 Punkten kam er am Ziel an, was im Platz zwölf eintrug, zwei hinter Guerdat.
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