
Es gibt Momente, in denen die Reitsportwelt über die Landesgrenzen hinaus den Atem anhält. Nicht wegen sportlicher Höchstleistungen, sondern wegen Taten, die so bösartig und sinnlos sind, dass man fassungslos zurückbleibt. Die Ereignisse bei unseren Nachbarn in Deutschland, rund um die Sichtung der Ponyreiter in München-Riem (14./15. Februar 2026), hinterlassen eine tiefe Erschütterung.
Wenn aus Gerüchten traurige Gewissheit wird
Zunächst herrschte grosse Ratlosigkeit. Die Nachricht vom Abbruch der Sichtung zum «Preis der Besten» verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Das offizielle Stichwort der FN lautete: «Tierschutzwidrige Vorfälle». In einer Zeit, in der unser Sport ohnehin kritisch beäugt wird, schossen die Spekulationen sofort ins Kraut. Hatten Reiter ihre Tiere misshandelt? War falscher Ehrgeiz im Spiel?
Doch die Wahrheit, die durch ein Interview mit Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes und der Landeskommission Wilfried Herkommer ans Licht kam, ist weitaus düsterer. Es waren keine Reiter, die ihre Ponys quälten. Es waren Kriminelle, die von aussen in die Stallungen eindrangen, um wehrlose Tiere gezielt zu misshandeln.
Eine Bilanz des Grauens im Stallzelt
Was in jener Nacht geschah, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren:
- Den Ponys wurden Mähnen, Schweife und Schöpfe abgeschnitten.
- Einem Tier wurde die Zunge mit Gummibändern straff umwickelt.
- Ein Pony blutete aus dem Maul, ein anderes wurde völlig verkeilt im Deckengurt aufgefunden.
Dass die Tiere laut tierärztlicher Einschätzung keine dauerhaften körperlichen Schäden davontragen, ist nur ein schwacher Trost. Die psychischen Folgen – sowohl für die Ponys als auch für die jungen Kinder und Jugendlichen – sind kaum auszumalen. Wer sein geliebtes Pony in einem solchen Zustand vorfindet, verliert jegliche Freude am Sport. Der Schock sitzt tief, und die «verstörten Seelen» der jungen Reiter brauchen nun unsere volle Solidarität.
Was wir daraus lernen müssen
Auch wenn uns diese Vorfälle bei unseren Nachbarn in Bayern besonders nahegehen, müssen wir auch hierzulande wachsam bleiben. Die Vergangenheit zeigt, dass Täter, die es auf Pferde abgesehen haben, oft schwer zu fassen sind. Umso wichtiger ist Prävention:
- Sicherheit zuerst: Veranstalter werden künftig noch konsequenter in professionelle Nachtwachen, Zugangskontrollen und eine technische Überwachung der Stallbereiche investieren müssen.
- Wachsamkeit im Alltag: In jedem Stall, auf jedem Turnier sollten wir genauer hinschauen, wer sich in den Gassen bewegt; Unbekannte dürfen freundlich, aber bestimmt angesprochen werden.
- Solidarität leben: Gerade jetzt braucht es eine Reitergemeinschaft, die zusammensteht – in Deutschland, in der Schweiz und darüber hinaus –, die den Betroffenen zuhört und Missstände klar benennt.
Was tun bei Verdacht auf Tierquälerei?
In der Schweiz gibt es eine klare Reihenfolge: beobachten, dokumentieren, melden – je nach Dringlichkeit an Halter, Veterinäramt, Polizei und/oder STS.
- Beobachten und dokumentieren: Datum, Ort, Situation und betroffene Tiere notieren, wenn möglich Fotos oder Videos (auch die im Internet) machen.
- Einschätzen: Ist das Tier akut in Gefahr oder geht es um anhaltend schlechte Haltung?
- Falls kein Notfall, aber ernstzunehmender Verdacht: Zuständiges kantonales Veterinäramt informieren (Kanton des Tierstandorts, Kontakt via Website/Telefon).
- Bei akutem Notfall (laufende Misshandlung, lebensbedrohliche Situation): Sofort Polizei verständigen.
- Bei Unsicherheit oder Wunsch nach Beratung/Anonymität: Schweizer Tierschutz STS kontaktieren und den Fall schildern; die Meldestelle unterstützt bei den nächsten Schritten.
Weitere Informationen und Details gibt es hier: https://tierschutz.com/tierschutz/tiernotfall/tierquaelerei-melden/
Fazit
Für solche Taten gibt es kein Verständnis und keine Entschuldigung. Wir hoffen inständig, dass die Polizei in München-Riem und an anderen Orten die Täter rasch überführen kann.
Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Ponys und ihren jungen Besitzern. Wir wünschen euch viel Kraft, um dieses Trauma zu verarbeiten und das Vertrauen in die Sicherheit eurer vierbeinigen Partner wiederzufinden.
Text: Eva Lima | Symbolbild: Foto von Sem Steenbergen
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