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Eigentlich, ja eigentlich sollte es doch so sein: Die Zeit im Stall soll von Freude geprägt sein, es sollen wunderbare Stunden sein, die man mit dem Pferd verbracht hat, um im Anschluss mit neuer Energie nach Hause zu fahren. Was aber, wenn sich die Pferdezeit nicht mehr so anfühlt? Wir haben Tipps und Analysehilfen zusammengestellt, wie sich die Zeit beim Pferd wieder geniessen lässt. Als Experten stehen zwei aktive Reiter –
zur Seite. Dr. Inga Wolframm ist eine auf Reiter spezialisierte Sportpsychologin aus den Niederlanden von der Fachhochschule Van Hall Larenstein. Ihr zur Seite steht Andreas Mamerow, der als Mentaltrainer schon die deutsche Equipe der Westernreiter betreut hat.

1. Drei typische Unzufriedenheitsgruppen

Reiterstübli statt Reitplatz
Wer kennt die Situation nicht – kaum im Reitstall und schon hat man die Kaffeetasse in der Hand. Aber da war doch noch was? Richtig, Pferd muss auch noch versorgt werden. Heim fährt man schliesslich mit einem leicht schlechten Gewissen, denn eigentlich wollte man doch ausführlich reiten statt ausgiebig schwatzen. «Hier geht es darum, alte Gewohnheiten zu durchbrechen», sagt Inga Wolframm. Doch das sei sehr schwierig. «Planen Sie jeden Schritt durch: Ich komme an, steige aus dem Auto, gehe als Erstes zum Sattelschrank, nehme das Halfter, gehe mein Pferd holen.» Nur wenn man so klar im Kopf hat, was zu tun ist, hat man ein Rezept gegen die Gewohnheit in der Hand. Zu überlegen ist auch, was man sagen könnte, wenn ein Stallkollege ein Schwätzchen halten will. Zum Beispiel lässt sich sagen: «Heute passt es nicht so gut, aber warum nicht Donnerstag um 17 Uhr?» So, erklärt Inga Wolframm, signalisiert man der Person sogar, dass sie einem so wichtig ist, dass man sich extra Zeit für sie nimmt. Wer sich an seine eigenen neuen Vorgaben hält, hat irgendwann eine neue gute Gewohnheit etabliert.

Sport oder Karriere
Wer Turniere reiten möchte, braucht ab Niveau L wenigstens fünf konzentrierte Trainingseinheiten pro Woche, sagt Inga Wolframm. Schwierig wird es, wenn neben den sportlichen Ambitionen noch berufliche Karriere gemacht werden soll. Pflichtprogramm ist in diesem Fall, sich mindestens einen halben Tag pro Woche zu entspannen: «Nehmen Sie sich Zeit für sich, ohne Handy, ohne Pferd und ohne jemanden, der irgend etwas von Ihnen will.» Gibts nebst Karriere-wunsch und Turnierprogramm noch Familie oder Partner, sei das Burn-out so gut wie vorprogrammiert. Dann helfe nur, -Prioritäten zu setzen: «Man kann nicht auf allen Gebieten gut sein.»

Die Selbstversorger
Zäune stellen, Heu einkaufen, Mist aufnehmen, Stall reinigen – kein Wunder, wenn beim Selbstversorger oft nicht mehr genug Zeit fürs Pferd bleibt. «Das ist die schwierigste Situation, weil all diese Dinge wirklich getan werden müssen. Eine Frage von Prioritätensetzen ist es in dieser Situation nicht», hält Inga Wolframm fest. Wer unglücklich mit der noch verbleibenden Reitzeit ist, muss die Situation analysieren: Kann ich mir Hilfe suchen? Für die Stallarbeiten einen Helfer oder pferdebegeisterte Mädels, die einige Aufgaben übernehmen und dafür zum Reiten kommen? Vielleicht lassen sich aber auch die Ansprüche etwas zurücknehmen: Reicht es nicht aus, den Stall nur einmal am Tag ganz zu wischen? Oder gibt es im restlichen Tagesablauf Zeitschlucker, die eigentlich gar nicht so wichtig sind? Etwa die Stunde vor dem Fernseher? Einfach weil es zur Gewohnheit geworden ist, ohne dass man sich richtig darauf freut?

2. Analyse
Um herauszufinden, weshalb die Zeit mit dem Pferd nicht mehr voll genossen werden kann, geht es nicht ohne eine ehrliche Analyse. Dabei geht es ans Eingemachte. Wichtig ist daher, dass man nicht alleine nachdenkt, weil man zu schnell beginnt, sich im Kreis zu drehen. Besser ist, sich für
die Analyse der Situation mit einem Freund, einer Freundin oder einem Coach zu verabreden. Inga Wolframm rät, folgende Fragen zu besprechen:
•  Warum habe ich überhaupt ein Pferd?
•  Welche anderen Ziele habe ich? Familie? Karriere?
•  Ist es realistisch, diese Ziele gleichzeitig erreichen zu können?
•  Wenn nicht: Welcher Bereich hat Priorität?
•  Unterstützt mich meine Familie oder mein Partner?
•  Wie sieht es finanziell aus?
Noch einen Schritt weiter geht Mentaltrainer Andreas Mamerow, der alle sechs Monate eine Umfeldanalyse empfiehlt. Dabei geht es darum, die eigenen Bedürfnisse an die tatsächlich vorhandenen Bedingungen anzupassen. Die Vor- und Nachteile des Reitstalls sollen dabei bedacht und dazu eine Liste erstellt werden. Was ist gut an meinem Reitstall? Was kann verbessert werden? Was geht gar nicht? Im Anschluss setzt man sich selber realistische Termine, bis wann eine Verbesserung gemacht werden soll. Dass beispielsweise bis zum 15. Dezember ein fester Trainingspartner und eine Reitbeteiligung gefunden wurden.
Solch eine Analyse ist auch dazu da, möglicherweise harte Schritte einzuleiten: einen Stallwechsel beispielsweise oder die Einsicht, dass es nicht möglich ist, Studium und Pferdesport gleichzeitig zu machen.

3. Erste Hilfe für Stressabbau

Stress wegschreiben
Es gibt aber nützliche Tipps, die beim Stressabbau Erste Hilfe leisten können, um sich im Stall nur auf das Pferd und die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. «Oft hilft es, den Stress vom Job oder von zu Hause in kurzen Stichworten aufzuschreiben, bevor man aus dem Auto steigt und zum Stall geht», so Inga Wolframm. Alles, was genervt hat oder noch zu erledigen wäre, schreibt man auf einen Zettel. Der bleibt im Auto liegen. Der Vorteil dieser kleinen Handlung: Das Problem ist notiert, es läuft nicht weg. Und es beruhigt zu wissen, dass man sich darüber auch nach dem Reiten noch Gedanken machen kann.

Höhepunkte einplanen
Belastend können auch Gewissensbisse sein, die einen innerlich stets mahnen: «Du machst zu wenig mit deinem Pferd!» Dagegen hilft, in den Wochenablauf Höhepunkte einzuplanen. «Das kann ein Ausritt mit Freunden sein, eine Stunde beim Lieblingstrainer oder sogar ein Reitkurs», sagt die niederländische Sportpsychologin. «Um diese Highlights herum lässt sich die Woche besser strukturieren.» Der Mensch merke so eher, was und dass er etwas getan habe.

Ziele aufschreiben
Menschen haben die Neigung, sich zwar Ziele zu setzen, diese dann aber im Nachhinein zu verändern. Wolframm führt als Beispiel an: Man fährt an ein Turnier und nimmt sich eine fehlerfreie und ruhige Prüfung vor. Die Aufgabe wird zwar gut, wenn auch nicht spektakulär geritten. Für eine Platzierung reicht es jedenfalls nicht. Viele Menschen fangen dann an, innerlich nicht «gut gemacht!» zu sagen. Nein, sie üben Selbstkritik und sagen: Na, dies und das hätte noch besser sein können. «Dagegen hilft nur eines, sich das Ziel aufschreiben», sagt Inga Wolframm. Dann merkt man eher, dass das Ziel erreicht ist. Also abhaken und froh sein!

Aufgabenteilung
Eine grosse Entlastung kann sein, wenn man sich gegenseitig unterstützt und in die Aufgaben teilt. Etwa beim Hinausführen der Pferde, während eines Urlaubs, bei der Futter-bestellung, bei der Krankenversorgung. Ein alter Hut? Jein. Denn damit solche Absprachen klappen und keinen zusätzlichen Stress bedeuten, sind einige Bedingungen wichtig, wie Inga Wolframm weiss. Erstens muss man gleiche Vorstellungen haben, was Umgang und Betreuung der Pferde anbelangt. Zweitens sollen es mindestens zwei Personen sein, mit denen man sich abspricht. Man muss einander vertrauen und sich gut kennen. Drittens muss man klar formulieren, was während der Abwesenheit zu tun ist. Also nicht nur fragen: «Könntest du dich am Freitag um die Pferde kümmern?» Wie ist zu bewegen, was zu füttern? Wenn tägliche Abläufe für einen selbst zur Gewohnheit geworden sind, vergisst man schnell, dass sie für andere eben nicht selbstverständlich sind.

Trainingsbedingungen verbessern
Zu überdenken sind zudem Punkte wie Haltungsbedingungen und Stallgemeinschaft. Passen sie zu den vor-gegebenen Zielen? Wer stets den Reitunterricht verschieben muss, weil die Halle blockiert ist, wird mit der Zeit unzufrieden. Wichtig sind Freiräume, in denen sich ungestört mit dem Pferd arbeiten lässt. Eine einfache Absprache kann schon dazu führen, dass man eine bestimmte Stunde pro Woche oder Monat die Halle für sich hat. Wenn nicht, weicht man auf eine Nachbaranlage aus. Alles unmöglich? Andreas Mamerow rät: «Überprüfen Sie, in welchem Verhältnis Vorzüge und Nachteile zueinander stehen. Wenn man eigentlich keine Chance sieht, seine reiterlichen Ziele zu erreichen, sollte man schleunigst handeln und das Umfeld optimieren.» Das kann schlimmstenfalls Umzug bedeuten.

Schritt um Schritt
Liest sich nicht schlecht, so eine Sammlung von Veränderungsmöglich-keiten? Die Ehrgei-zigen haben bestimmt schon eine lange Liste im Kopf, was sie alles so schnell wie möglich ändern möchten. Doch Andreas Mamerow warnt: «Man sollte nicht versuchen, alles auf einmal verändern zu wollen. Ein, zwei Punkte reichen fürs Erste aus. Wenn man diese ernsthaft umsetzt, hat man schon viel erreicht!» Denn sind die eigenen Ansprüche zu hoch, erreicht man die Ziele nicht. Auf der Strecke bleiben sowohl die Motivation wie auch die anvisierten Veränderungen.       

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