Wie vielseitig eine Berufslehre in der Pferdebranche ist, das zeigten Lernende aller Fachrichtungen an der diesjährigen Ausstellung PFERD in Bern. Der grosse Auftritt ist berechtigt – auf guten Nachwuchs ist man in der Pferdewelt eben angewiesen.
Pferdeberufe sind beliebter denn je. «Jedes Jahr haben wir mehr Lernende», erklärt Christine Glasow, Ressortleiterin Berufsfachschule Pferde am INFORAMA Rüti in Zollikofen BE. Am Tag der Lernenden an der BEA präsentierten in der Ausbildung stehende Lehrlinge zur Pferdefachfrau und zum Pferdefachmann respektive als Pferdewarte, was sie schon alles können. Nach einer Spring- und Dressurvorführung durch Lehrlinge der Fachrichtungen Pferdepflege und klassisches Reiten zeigten drei Lehrlinge zur Pferdefachfrau Gangpferde, was ihre Isländer alles können. Auch eine Lernende aus der Fachrichtung Gespannfahren fuhr in die Arena ein, ihren Schimmel präsentierte sie in klassischer Dressuranspannung. Korrektes Vortraben und Longenarbeit wurden in der Arena ebenfalls gezeigt. «Gut ausgebildete Pferdefachpersonen sind wichtig», so Glasow weiter. Denn öfters werde sie von Eltern um Auskunft angefragt, welche gute Reitschulen und gute Reitlehrer für ihre Kinder suchen.
Männeranteil klein
Die Lernenden für Pferdewart mit Eidgenössischem Berufsattest (EBA) und Pferdefachpersonen mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) absolvieren je einen Tag Berufsfachschule pro Woche im INFORAMA auf der Rüti, dem Strickhof im Kanton Zürich oder in Moudon im Kanton Waadt. Die Pferdewarte lernen zwei Jahre, bei den angehenden Pferdefachfrauen und -männern dauert die Grundausbildung drei Jahre. Bei der Lehre mit EFZ können verschiedene Fachrichtungen gewählt werden. Am bekanntesten sind wohl Pferdepflege und klassisches Reiten, also die altbekannten Pferdepfleger und Bereiter. Daneben gibt es aber auch Westernreiten, Gangpferdereiten, Pferderennsport und Gespannfahren. Jeder Absolvent und jede Absolventin hat danach die Möglichkeit, die Berufsprüfung zum Spezialisten der Pferdebranche in seiner Fachrichtung abzuschliessen. Später lässt sich noch die höhere Ausbildung zum Experten der Pferdebranche machen, die vom INFORAMA angeboten wird. Der Männeranteil ist wie im Pferdesport allgemein bekannt klein: «Auf zwanzig Frauen haben wir etwa einen Mann unter den Lernenden», erklärte Christine Glasow.
Verschiedene Wege
Lernende aller Fachrichtungen auf EFZ-Niveau absolvieren die ersten beiden Jahre die gleiche schulische Ausbildung, erst im dritten Jahr erfolgt der fachrichtungsabhängige Unterricht. Einen Tag pro Woche besuchen sie die Berufsfachschule, nehmen regelmässig an den überbetrieblichen Kursen teil und eignen sich das praktische Handwerk auf den Lehrbetrieben an. «Die meisten Lernenden absolvieren diese Ausbildung als Erstlehre», gibt Christine Glasow zur Auskunft.
Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, um zu einem anerkannten Abschluss zu kommenen ausser der «normalen» Lehre. Erwachsene, die über eine generelle Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren verfügen, können zur Abschlussprüfung zugelassen werden, auch wenn sie ihre Berufskenntnisse auf eine andere Weise als in einer regulären beruflichen Grundausbildung erworben haben. Konkret heisst das, dass solche Personen auf Wunsch nur noch den Fachunterricht und auch freiwillig die überbetrieblichen Kurse (ÜK) besuchen und danach zur Prüfung antreten. Einige Kantone unterstützen diesen Weg der Ausbildung finanziell. Die Kosten werden ganz übernommen, falls die Person noch gar keine Grundausbildung hat.
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