8-jährig ist Mia Fanetti, 32-jährig Sandor. Sie gehören beide zum «Ensemble Pferdpoesie», das Ende Jahr in Zofingen das Stück «Hommage» aufführt. KAVALLO durfte bei einem Training dabei sein und lernte die Philosophie der Darsteller näher kennen.
Für die 8-jährige Mia Fanetti sind es lange Trainingstage, die in der letzten Zeit auf dem Programm standen. Sie ist die Jüngste im Bunde, die beim Pferdetheater «Hommage» mitwirkt. Sie nimmt an der Show mit dem 32-jährigen Sandor und somit dem ältesten Pony teil. Sie zeigt aber genauso tapferen Durchhaltewillen wie die 13-jährige Paula Berthold und die 16-jährige Sina Saladin. Sie führen zusammen eine Ponynummer vor. Für die Mädchen steht der harmonische Umgang im Vordergrund.
Die Idee für das Pferdetheater stammt von Andrea Mumenthaler. Sie organisiert bereits zum dritten Mal eine Pferdeshow zwischen Weihnachten und Neujahr. «Im 2002 stellten ein kleines Team und ich den ersten Showauftritt auf die Beine. Über 400 Zuschauer strömten in die Reithalle», erzählt Mumenthaler. «Ich war begeistert von dem grossen Andrang.» Sieben Jahre später rief Andrea Mumenthaler mit einem neuen Showteam zusammen das nächste Projekt ins Leben – eine mystische Pferdeshow zur Geschichte der nordischen Legende Olaf Asteson. Das Stück führten sie drei Mal auf und es war immer ausgebucht. «Nach dem Erfolg war klar, dass ich wieder ein Projekt realisieren möchte», sagt Mumenthaler.
Wenn Träume wahr werden
Es vergingen einige Jahre, bis sich die Pferdenärrin im letzten Jahr mit einer neuen Idee auf die Suche nach Mitwirkenden machte. Dabei stiess sie auf Jolanda Ellenberger – eine pferdebegeisterte Regisseurin und Drehbuchautorin. Die beiden trafen sich und das Projekt nahm seinen Lauf. «Nach unserem ersten Treffen entwickelte sich eine Eigendynamik. Irgendwann hatten wir das komplette Team zusammen», so Jolanda Ellenberger. Für sie geht mit diesem Projekt ein grosser Traum in Erfüllung. «Ich hatte schon lange Zeit den Wunsch, eine durchgehende Geschichte zu inszenieren, in welcher Pferde die Hauptrolle spielen. Dieser wurde nun endlich wahr.»
Andrea Mumenthaler und Jolanda Ellenberger legen grossen Wert darauf, dass alle Mitwirkenden dieselbe Philosophie leben. «In unserem Show-Team sind verschiedene Reitstile vertreten. Aber alle legen Wert auf eine harmonische Partnerschaft mit ihren Pferden», betont Ellenberg. Der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Tier wurde von Jolanda Ellenberger und Andrea Mumenthaler auch beim Schreiben des Drehbuches Beachtung geschenkt. Immer wieder mussten sie Änderungen und Anpassungen vornehmen. «Für Filmszenen werden anhand eines Castings die passenden Schauspieler zum Drehbuch ausgesucht. Wir mussten aber unsere Geschichte den Hauptakteuren anpassen», erklärt die Drehbuchautorin.
Welt mit Pferdeaugen sehen
Trotz der Schwierigkeit, das Drehbuch an die Darsteller anzupassen, gelang es, die Kernbotschaft des Theaters in eine bewegende Geschichte zu verpacken. Im Pferdetheater «Hommage» geht es um die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Aus der Sicht der Pferde wird erzählt, wie sich die Partnerschaft der beiden Spezies im Laufe der Zeit verändert hat. Die professionelle Schauspielerin Aneke Wehrberg führt als Erzählerin durchs Theater. Unterstützt wird sie dabei von der erst 12-jährigen Sina Mumenthaler. Mit «Hommage» wollen die Beteiligten das Publikum berühren und zum Nachdenken anregen. Sie wollen die Zuschauer mit ihrer harmonischen Bindung zu den Pferden begeistern. Mit ihrer feinfühligen Reiterei und ihrem galanten Umgang mit den Pferden wollen sie ein Zeichen setzen.
Seit vielen Jahren ist die Mitwirkende Sandra Wanner von der Freiheitsdressur begeistert. Ihr gefällt, dass sie auf diese Art ihre Pferde in den Bereichen fördern kann, die sie ihr anbieten. «Die Leute sollen sehen, wie fein man mit Pferden kommunizieren kann, wenn man eine vertrauensvolle Partnerschaft zu ihnen aufbaut», sagt sie. «Wenn ich mit meinem Auftritt zwei von 100 Personen dazu ermutigen kann, die Beziehung zu ihrem Pferd zu überdenken, dann bin ich glücklich», betont die Pferdefrau. Ähnlich wie Sandra Wanner denkt auch Simone Tanner. Ihr Ziel war es schon immer, Pferde ohne Hilfsmittel wie Sattel und Zaum dirigieren zu können. Auf ihrem Weg wurde sie von namhaften Trainern wie Nick Muntwyler und Christophe Hasta Luego begleitet. «Es braucht viel Training, Zeit und Disziplin, bis man frei mit den Pferden arbeiten kann. Aber die Investition lohnt sich», so Tanner. Ihre Pferde besorgt sie selbst. Sie ist überzeugt, dass diese Art der Haltung die Bindung stärkt. Damit die Beziehung spannend und einzigartig bleibt, arbeitet sie mit ihren Pferden situativ und nicht methodisch. Als weitere Akteure wirken Ruth Hermann, Bernadette Braun und Bettina Kradolfer mit ihren wundervollen Pferden mit.
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