Nicht nur Kavallo wird sich in der kommenden Ausgabe nochmals mit dem Vorfall in St. Moritz auseinandersetzen. Nachdem die Schaffhauser Nationalrätin Martina Munz (SP) eine Interpellation zu Tierschutzmassnahmen im Pferdesport eingereicht hat, muss sich auch der Bundesrat mit dm Pferdesport beschäftigen. Aufgrund des Vorfalls am White Turf in St. Moritz, heisst es in der Interpellation, würden sich Fragen nach zusätzlichen Tierschutzmassnahmen im Pferdesport stellen. Deshalb will Munz in ihrer Interpellation vom Bundesrat wissen:
1 . Was waren die Gründe für den tragischen Unfall am Pferderennen in St. Moritz? Wäre dieser Unfall mit geeigneten Massnahmen vermeidbar gewesen?
2. Genügen die aktuellen Vorschriften der Tierschutzverordnung, um einen tierschutzkonformen Sport sicherzustellen, der Gesundheit und Wohlbefinden der Pferde ins Zentrum stellt? Welcher Regelungsbedarf besteht?
3. Wie viel Pferde wurden in den letzten fünf Jahren bei mittleren bis schweren Unfällen an Schweizer Pferdesportveranstaltungen verletzt? Welche Gründe führten zu diesen Unfällen?
4. Unterstützt der Bundesrat eine schweizweite Gesundheitsdatenbank für Sportpferde wie sie beispielsweise in den USA seit 2009 geführt wird (Equine Injury Database (EID) und dort zu einem Rückgang von Verletzungen und Todesfällen von Pferden an Sportveranstaltungen geführt hat?
Die ersten beiden Fragen lassen sich wohl erst beantworten, wenn die Bündner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen hat. Die dritte Frage kann anhand von Zahlenmaterial geklärt werden, das der Schweizer Pferderennsport-Verband sammelt und das dem Kavallo in Auszügen vorliegt (siehe nächste Ausgabe). Letztlich wäre eine Datenbank sicherlich hilfreich, weil nur mit Fakten Transparenz geschaffen und gefühlte Wahrheit relativiert werden kann.
Auf Schweizer Pferderennbahnen mussten in den letzten fünf Jahren durch den Ambulanztierarzt 9 Pferde wegen schwerwiegender Verletzungen eingeschläfert werden. Das sind 0,25% der in dieser Zeitspanne gelaufenen Pferde. Hinzu kommen Pferde, die zu einem späteren Zeitpunkt euthanisiert werden mussten, sei es im Stall oder in einer Klinik. Inklusive solcher Fälle kamen in den letzten beiden Jahren (2015 und 2016) sieben Pferde um, was 0,55% der insgesamt gelaufenen Pferde in diesen beiden Saisons ausmacht. Das gilt es nicht schönzureden, ist doch jedes im Sport tödlich verletzte Pferd ein totes Pferd zu viel. Die Zahlen aber zeigen, dass die Situation nicht eskaliert.
Der Pferdesport ist ein Risikosport. Zum Wohle von Pferd und Reiter kann dieses Risiko nur wenig Platz haben, es muss zwingend berechenbar sein. Kann ein Geläuf indes nach menschlichem Ermessen nicht richtig eingeschätzt werden, wie am White Turf geschehen, dann wird das Risiko unberechenbar. Und das ist jetzt die Herausforderung für den White Turf mit seiner naturgegebenen Bahn. Wollen die St. Moritzer ihre Rennen weiterhin auf dem gefrorenen und schneebedeckten See durchführen, müssen sie beweisen, dass sie das Risiko berechnen und damit die potenzielle Gefahr abschätzen können.
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