Text: Ursula und Werner Schmid
Nicht jeder pferdebegeisterte Heranwachsende hat – im Gegensatz zu Janika Sprunger – das Glück, in eine «Rösselerfamilie» hineingeboren worden zu sein. Janika ist, das weiss die Sportwelt, die Tochter des Springreiters Hansueli Sprunger und der in Reiterkreisen bestens bekannten und beliebten equestrischen Ausbildnerin Dominique Sprunger. Kavallo traf die vor Temperament sprühende Horsewoman auf dem Betrieb von Paul Freimüller in Humlikon, wo sie mit ihrem jetzigen Lebenspartner Urs Appert, ebenfalls Reitlehrer, eingemietet ist. Fragt man Dominique Sprunger nach einem generellen Tipp für Eltern begabter junger Pferdefreunde, beziehungsweise vor allem -freundinnen, dann stellt sie die Vorbildfunktion ins Zentrum. Da wirkt sich natürlich der Umstand, wenn Eltern begeisterte Rösseler sind, zweifelsohne begünstigend aus. Ansonsten wäre es wichtig, die Kinder nur einem professionellen, seriösen Ausbildner anzuvertrauen, der es versteht, seine Reitschüler zwar mit der nötigen Disziplin, jedoch mit viel Geduld, Spiel und Abwechslung zu unterrichten. Ein grosser Fehler ist, Kinder die angst haben, zum Reiten zu zwingen, vielleicht sogar aus falschem Ehrgeiz der Eltern.
Auf exzellente Pferde angewiesen
Sobald es sich zeigt, dass der heranwachsende Nachwuchs über weiterführendes Talent verfügt, braucht es vor allem exzellente Pferde, insbesondere dann, wenn beabsichtigt wird, den Nachwuchs für den Olymp des Spitzensportes zu konditionieren. Unabdingbar sind dann auch grosszügige, begeisterungsfähige Sponsoren, von der Machart, wie sie Janika erlebt. Auch die mental unterstützende Rolle der Eltern ist jederzeit gefragt, insbesondere bei Rückschlägen, von denen auch Janika Sprunger nicht verschont blieb, so zum Beispiel bei einem weiter zurückliegenden, schweren Sturz mit gröberen Verletzungsfolgen, von denen sie sich zum Glück schnell erholte.
In die Pferdewelt der Eltern hinein geboren, wollte Janika, wen wunderts, natürlich schon von Kindsbeinen an nichts anderes als immer nur reiten. Noch in Windeln machte sie die ersten Versuche auf dem alten, geduldigen Voltigepferd Ramona, denn Voltigieren ist für Jugendliche eine empfehlenswerte Basis für eine spätere, breiter abgestützte Reitausbildung. Im Alter von vier Jahren konnte sie bereits leicht traben und galoppieren – stets mit einem Lächeln im Gesicht – immer dabei die Jack-Russel-Hündin Jeany und Janikas zwei Jahre älterer Bruder Michel mit seinem Fussball. Bald darauf wagte sich das Töchterchen an die ersten Springversuche mit einem erprobten Schulpony.
Als Neunjährige war es dann so weit und der Traum vieler kleiner Mädchen erfüllte sich: Janika durfte das Sportpony Artemis mit dem Übernamen «Radiesli» ihr Eigen nennen. Gleichzeitig begann auch gewissermas-sen der Ernst des Lebens. Janikas Talent begann sich sukzessive zu manifestieren und entsprechend wurden die Ansprüche seitens der an ihrer Ausbildung beteiligten Personen erhöht. Mutter Dominique führte ein strenges Regiment nach den Maximen Disziplin und Konsequenz, da gabs keine Halbheiten, keine Ausreden, kein Sichdrücken. Gleichzeitig galt es trotz allem, die Balance zu wahren und die Freude am Sport nicht zu schmälern – eine nicht immer einfache Gratwanderung. Durchhalten hiess die Losung für die Tochter, die sich allerdings durch kompromisslose Leistungsziele nicht entmutigen liess und sich unermüdlich durch die anspruchsvollen Vorgaben kämpfte.
Durchstrukturierte Tage
Als Zwölfjährige erwarb sie mit Bravour die Springlizenz. Bald schien die Zeit reif für ein erstes eigenes Grosspferd – es war der Holsteiner-Schimmel Carducci. Damit einhergehend wurde durch den Vater ein intensives Springtraining in die Wege geleitet. Später mussten die Tage für die mittlerweile vor dem Abschluss stehende Maturitätsabsolventin so bis zur letzten Minute durchstrukturiert sein. Eine harte Zeit.
Durchhaltewillen, Disziplin und Härte gegen sich selbst sowie der Wunsch, sich mit anderen zu messen, trugen Früchte. Bald stellten sich erste Turniererfolge ein.
Wenn immer es die berufliche Beanspruchung zulässt, besucht Dominique Sprunger ihre Tochter an Turnieren, um mitzufiebern und sich an ihren Erfolgen zu freuen, aber auch um sie privat ein wenig zu geniessen und ein offenes Ohr für Anliegen zu haben.
Janikas Potenzial kommt nicht von irgendwoher, denn bereits Mutter Dominique hatte schon als kleines Mädchen permanenten Zugang zu gutmütigen Vierbeinern in einer ihrem Elternhaus nahe gelegenen Ponyranch. Vater und Mutter erkannten das sich schon früh abzeichnende Talent und unterstützten sie durch regelmässige, professionell geführte Reitstunden von Kindsbeinen an. Bereits mit 14 Jahren war Dominique stolze Besitzerin eines eigenen Pferdes, konnte noch im gleichen Alter die Spring- und Dressurlizenz erwerben und begann an Wettkämpfen teilzunehmen. Im Reitsportzentrum Galms in Lausen absolvierte sie ihre Lehre als Bereiterin und später wurde sie bei Paul Weier zur diplomierten Reitlehrerin ausgebildet.
In diesen Reiterkreisen lernte sie ihren späteren Ehemann Hansueli kennen, welcher ihre sportliche Entwicklung mit seinen schon damals weitreichenden theoretischen und praktischen Fachkenntnissen untermauerte und für Dominique eine wichtige Vorbildfunktion innehatte.
«Ach ja …», erinnert sie sich und bläst sich eine Haarsträhne aus der Stirn, «da war ja noch die Frage nach meinem Lebensmotto – okay, es lautet: Schön ruhig bleiben, die Natur regelt es schon!» Einen Moment lang wirkt sie ernst, aber dann lässt sie einmal mehr ihr herzhaftes Lachen erklingen.
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