Lou Puch ist Mitglied der schweizerischen Nationalkader Springen Pony und Children, geboren am 5. März 2007, wohnhaft in Rällikon, Hinteregg/ZH, Tochter von Michele Puch, geb. Schwarzenbach und Pepo Puch, Enkelin von Dr. Alfred Schwarzenbach und Urenkelin von Dr. Hans Schwarzenbach, alles internationale Vielseitigkeitsreiter. Ihr Vater Pepo reitet für Österreich, ihre Mutter für die Schweiz. Weil sie in der Schweiz wohnt und hier ihr ganzes Umfeld hat, reitet sie für die Schweiz, wurde aber 2018 auch Landesmeisterin Vorarlberg in Dressur und Springen. Sie besucht die Sportschule in Uster.
Mit Lou Puch sprach Christoph Meier
Kavallo: Lou, erzähl uns bitte etwas von den Ponys und Pferden, die du reitest, was du schon mit ihnen angestellt hast und was du mit jedem für Ziele und Träume hast.
Mein Pony Pauli – kein Mensch weiss, wie alt er genau ist, aber sicher über 30 – habe ich seit ich auf der Welt bin. Ich erhielt ihn von meiner Gotte, machte mit ihm als Sechsjährige First Jump mit Wasserdurchritt in Dübendorf, aber heute bin ich viel zu gross für ihn. Seit Dezember 2018 reite ich das Deutsche Reitpony Baccardi, das früher mit Michelle Dürst Military ging. Ich reite mit ihm nur Springen, durfte sogar einmal einen Nationenpreis reiten für die Schweiz und gewann den ersten Um- gang der Ponyprüfung in Aachen. Er ist jetzt 14 und ich würde gern an den Europameisterschaften teilnehmen mit ihm. Dieses Jahr sind sie leider abgesagt, aber dann viel- leicht nächstes Jahr. Seit anfangs Jahr reite ich auch Batida du Rouet, eine 14-jährige Stute, die mit Stefanie Paul schon 145-cm-Parcours gewonnen hat. Ich ritt sie in Müntschemier und verstand mich gut mit ihr. Ziel wären 140-cm-Parcours dieses Jahr.
Letztes Jahr ritt ich Mamas Qu’en dira-t-on. Mit ihm konnte ich den GP in Gorla gewinnen. Aber er wird jetzt altershalber pensioniert. Auch mit Cayano durfte ich letztes Jahr Erfahrungen sammeln. Dann reite ich neu die 10-jährige Stute Flickflack. Ich bin schon 120-cm-Parcours gegangen, muss mich noch ein wenig an sie gewöhnen, hoffe aber, mit ihr bei der Schweizermeisterschaft Children teilnehmen zu können. Und die Jüngste im Stall ist die 8-jährige Happy Anne. Mit ihr möchte ich gern über 125- bis 130-cm-Kurse Erfahrung sammeln, schauen, was kommt, vielleicht Children-Nationenpreise reiten.
War das schon immer klar für dich mit dem Reitsport oder hättest du dir auch etwas ganz anderes, Leichtathletik, Ballett, Karate oder Schach vorstellen können?
Es war immer schon klar, weil meine ganze Familie im Reitsport ist. Ich durfte viele andere Sachen ausprobieren wie Voltige, Querflöte, auch mal sowas wie Hip-Hop-Ballett, aber mit fünf war mir klar, dass ich reiten wollte.
Lernst du mehr über den Körper, über das intuitive Spüren, was gerade zu tun ist, oder mehr über den Kopf und das verstandesmässige Aneignen und tausendmal Üben dessen, was dir deine Eltern und Trainer sagen?
Es ist beides, ich bin schon eher der Typ, der über das Spüren lernt, aber ich übe auch viel. Ziel ist jeden Tag – ausser an einem pro Woche, an dem die Pferde Pause haben – ein paar Sprünge zu machen, um ein gutes Distanzgefühl zu haben. Am Anfang mit den kleinen Ponys brauchte ich das nicht. Als ich dann das Pony Express Clanyard Bay ritt, musste ich erstmals präzise an die Sprünge kommen, das machte den Übergang zu den Grosspferden einfacher.
Ich nehme an, du hast nicht nur die Reitergene deiner Ahnen im Blut, sondern auch die Basics der Reiterei von deinen beiden top reitenden Eltern gelernt? Wie ist das heute, wo du beiden schon um die Ohren reitest? Mit wem trainierst du?
Wir trainieren bei Thomas Fuchs, weil Mama bei ihm Unterricht nahm. Er gibt die besten Trainings, es ist ideal für mich, perfekte Atmosphäre – es stehen auch immer tolle Aufgaben. Es ist eine Riesenchance, mit Thomas trainieren zu dürfen. Und einmal pro Woche habe ich Dressurunterricht mit allen Pferden bei Grossvater Ali Schwarzenbach – und zwar richtig ernsthafte Dressur. Dank diesem Unterricht konnte ich die Landesmeisterschaft Vorarlberg auch in der Dressur gewinnen. Und im Übrigen trainiere ich natürlich mit meinen Eltern.
Ich habe deine beiden Eltern noch als erfolgreiche CC-Reiter erlebt. Wir ritten alle drei in den richtig grossen Prüfungen. Dann kam der Unfall deines Papas, von dem er sich mit seinem gigantischen Willen so gut erholt hat, dass er wieder aufs Pferd zurück konnte – du warst für ihn dabei eine entscheidende Motivation. Und von da an ritt deine Mama Springen. Ist das der Grund, dass du nicht – oder noch nicht? – CC reitest? Oder macht es dich einfach nicht so an wie das Springreiten?
Ich könnte mir vorstellen, CC zu reiten, wenn die CC-Sprünge sicherer, also fallend gebaut werden. Mein Papa und Grosspapa Ali setzen sich bei der FEI dafür ein.
Hast du Vorbilde, Reiter, denen du nacheiferst?
Martin Fuchs und Steve Guerdat, die beide auch bei Thomas Fuchs trainieren. Ich kenne sie natürlich besser als sie mich. Aber einmal durfte ich Steve eine Rückenmassage geben auf einem Turnier. Und nach seinem EM-Sieg in Rotterdam flog ich mit Martin nach Hause und durfte mitfeiern.
Was waren bisher deine eindrücklichsten, bewegendsten Erlebnisse, die du mit Pferden hattest?
Spontan fallen mir vier ein: Beim ersten Erlebnis war ich etwa drei oder vier und ging ausreiten mit Grossvater, ich mit dem kleinen Pauli. Da kam ein Waldarbeiter aus dem Gebüsch, die Pferde erschraken und wir fielen beide gleich- zeitig runter. Pauli graste neben mir, Grossvaters Pferd Flashy sauste davon, aber wir konnten sie einfangen. Wir hatten einen richtigen Lachanfall. Ein andermal ritt ich mit Pauli in den «Chinzgi» und machte für alle Ponyreiten auf dem Pausenhof, Pauli war ganz lieb. Und dann sind es die beiden Male, die ich eine wichtige Prüfung gewonnen habe und zur Siegerehrung einreiten durfte, beide Male mit Baccardi. In Gorla Minore hatte ich den Children-GP und in Aachen den ersten Umgang des Pony-GP gewonnen. So jung in Aachen als Siegerin einzureiten und dann wird die Nationalhymne gespielt, das war ein unheimlich starkes Erlebnis.
Wie hast du es mit anderen Tieren? Wenn du morgen irgendwo in einem arabischen Land aufwachen würdest, könntest du dir dann auch vorstellen, Kamelrennen zu reiten?
Ich liebe alle Tiere! Ich hatte zwei Schildkröten, zwei Vögel, zwei Katzen – und jetzt habe ich noch einen Hund. Ich könnte mir aber auch Kamelreiten vorstellen.
Wie hast du den Online-Unterricht während des Lockdowns erlebt? Hast du auch mit den Eltern Aufgaben gemacht?
Ich bin in der Sportschule Uster und der Online-Unterricht war toll. Ich konnte die Lehrer jederzeit kontaktieren auf speziellen Plattformen. Es gab auch schon vorher kaum ei- nen Tag, an dem alle Schüler live anwesend waren, deshalb war es gar keine grosse Umstellung für uns. Die Struktur für den Online-Unterricht war bereits vorhanden.
Was willst du werden?
Profireiterin, und wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht gehen sollte, möchte ich Physiotherapeutin werden. Aber auf jeden Fall zuerst Medizin studieren, dann bleibt alles offen.
Magst du all den vielen Rösselern da draussen, die dieses Interview lesen, noch eine Botschaft mit auf den Weg geben, die dir besonders am Herzen liegt?
Ja, das mach ich gern. Meine Botschaft ist: Macht das, was ihr wirklich machen wollt, und macht es mit Freude!
Auf dem Bild: Lou mit ihrer Stute Batida du Rouet in Müntschemier 2020
Interview aus der Printausgabe von Kavallo, Nr. 8/2020, anlässlich des Tages der Jugend 2020 ohne Zugangsbeschränkung online gestellt.
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