Harte oder steinige Böden bedeuten Schwerstarbeit für Pferdebeine. Gelenke, Sehnen und Hufhorn müssen die harten Stösse abfangen, Steine und Schotter können unter anderem die Hufsohle stark verletzen. Mit der richtigen Vorbereitung und einem durchdachten Training sollen harte Strecken aber auch sinnvoll genutzt werden können und den Bewegungsapparat sogar stärken. In England gibt es zum Beispiel die populäre Trainingsweise «Roadwork», bei der die Pferde gezielt auf hartem Untergrund auch in höheren Gangarten trainiert werden, um Sehnen und Bänder zu kräftigen. Distanzreiter müssen ihre Pferde ebenfalls auf ein höheres Tempo auf harten Untergründen vorbereiten. Auf Distanzritten kommt es vor, dass Streckenabschnitte über harte Asphalt- oder Schotterwege führen – manchmal sogar bergab. «Unsere Pferde sind dann mit optimalen Beschlägen ausgerüstet, sodass wir im Tempo keinen Unterschied zwischen harten und weichen Böden machen», sagt die deutsche Distanzreiterin Ursula Klingbeil. Die 51-Jährige lässt ihre Pferde mit stossdämpfenden Sohlenplatten und Hufpolstern beschlagen. «Dies schützt zum einen vor einer Hufprellung durch Auftreten auf spitze Steine und verhindert, dass sich Steine zwischen Eisen und Huf klemmen. Mit diesem Schutz ist auch ein Galopp über steinige Waldböden möglich, ohne dass  die Hufsohle verletzt wird.» Die Hufe haben bei solch harten und steinigen Böden eine besonders anstrengende Aufgabe. Sie müssen Stösse abfangen und Steinen und scharfen Kanten standhalten. Schnell kann es hier ohne Schutz zu Verletzungen der Sohle, ausgebrochenen Kanten, Hufprellungen, Hufgeschwüren und Entzündungen der Huflederhaut oder des Hufbeins kommen. Spitze und scharfkantige Steine können sich auch in die weisse Linie bohren und mitunter Hornspalten verursachen. Im Extremfall ist durch das Reiten auf harten Böden auch eine Belastungsrehe durch Überlastung des Hufbeinträgers möglich. Allerdings profitiert zumindest der Barhuf zeitweise auch von einem «Peeling » durch solche Untergründe, wie Hufschmied Jan Gerd Rhenius aus Niedersachsen beschreibt: «Ein ausgewogenes Training auf unterschiedlichen Böden, also auch auf hartem Untergrund, sorgt dafür, dass die Sohle sich verdichtet und den Huf auf diese Weise kräftigt. » Jedoch nur in einem gesunden Mass. «Ist der Abrieb zu gross, kann das Pferd fühlig werden oder in schlimmeren Fällen eine Huflederhautentzündung bekommen», erklärt Rhenius. «Ausserdem ist beim unbeschlagenen Pferd das Risiko von Hufverletzungen durch Prellungen und Steintritte besonders gross.» Andererseits bietet der nicht beschlagene Huf eine bessere Stossdämpfung, da der natürliche Hufmechanismus nicht eingeschränkt wird. Mit jedem Schritt dehnt sich der Huf aus, zieht sich zusammen und kompensiert so einen Grossteil des auf ihn einwirkenden Drucks (siehe Box rechts).

Die körpereigene «Werkstatt»

Ein starrer Beschlag aus Eisen oder Aluminium verringere jedoch diese Stossdämpfung, so Rhenius. «Ausserdem entsteht ein hochfrequentes Klirren, das sich in den Huf überträgt.» Vor allem die Gelenke leiden durch harte Stösse und Bodenunebenheiten. Bei dauerhafter Überlastung durch wiederholt einwirkende Erschütterungen können akute Gelenkentzündungen schnell chronisch und schwer heilbar werden. Es entstehen Arthrosen oder Gallen, beulenartige Verdickungen an den Gelenken, die sich aufgrund von überschüssiger Gelenkflüssigkeit bilden. «Harte Böden belasten hauptsächlich die Hufgelenke, aber auch die Fesselgelenke », erklärt Tierarzt Klaus Kimmich. Der Deutsche leitet eine Tierklinik und ist im Distanzsport als Reiter, Trainer, Betreuungstierarzt und Tierarzt in den VetGates aktiv. «Die harten Stösse beim Auffussen, bei denen erhebliche Kräfte auftreten, werden direkt auf die Gelenke übertragen und abgepuffert. Dabei wirken unter anderem die Gelenkknorpel als Stossdämpfer. Wiederholte und besonders starke Einwirkungen können hier zu Mikrotraumata an den Gelenkflächen und Knorpeln führen.» Auch die Zehengelenke werden auf harten Böden stark belastet. «Gelenkkapsel und -bänder sowie die Gelenkknorpel werden der Gefahr grösserer und kleinerer Traumata ausgesetzt, vor allem wenn Vorerkrankungen, mangelhafter Hufschutz und ein schlechter Reitersitz die Gelenke noch mehr gefährden», betont Kimmich. Solche kleineren Schäden können durchaus unbemerkt erfolgen und verlaufen. Der Organismus repariert die Läsionen. Und wer hier nun die Belastung für sein Pferd richtig dosiert, profitiert sogar von der körpereigenen «Werkstatt», wie Klaus Kimmich erklärt: «Die Reparatur kann durchaus über die eigentlichen Schädigungen hinaus erfolgen, also als Hyperkompensation. Und genau das ist das Prinzip eines erfolgreichen Trainings. Die Gelenke werden, bei dosierten Wiederholungen der Reize, am Ende belastbarer.» Erholung ist Pflicht Neben einer dosierten Belastung, das heisst Anpassung des Tempos und der Dauer der Belastung, sind vor allem die notwendigen Erholungsphasen – auch wenn keine Probleme aufgetreten sind – Voraussetzung für einen positiven Trainingseffekt. «Wird ein Pferd zu Trainingszwecken bewusst harten Böden ausgesetzt, dann sollte dieser Belastungsreiz nicht täglich erfolgen. Es müssen sich einige Tage zur Beruhigung eventueller kleinerer Entzündungen anschliessen, bevor eine Reiz-Wiederholung erfolgt», erklärt Kimmich. Eine fühlbare Pulsation im Bereich des Fesselkopfes deute zum Beispiel immer auf eine Entzündung im Bereich der Hufe hin. Diese sollte jedoch komplett verschwunden sein, bevor ein Pferd erneut einer solchen Belastung ausgesetzt wird. Auch Distanzpferde werden im Training nur dosiert auf härteren Böden trainiert. «Das Trainingstempo unterscheidet sich dabei deutlich von unserem Wettkampftempo», betont Ursula Klingbeil. «Im Training gehen wir immer ein moderates Tempo, das die Hufgelenke und Sehnen nicht überstrapaziert.» Und nach dem Wettkampf heisst es dann für die Pferde auch erst einmal: ausruhen. «Um Dauerschäden und eventuelle Lahmheiten zu vermeiden, sind besonders nach einer solchen starken Belastung längere Ruhephasen wichtig», betont Tierarzt Kimmich. Die korrekte Hufstellung, die Berücksichtigung von Vorerkrankungen und Röntgenbefunden sowie einen geeigneten Hufschutz unterstreicht Klaus Kimmich als weitere Punkte, die den Grad der möglichen Belastung beeinflussen. «Als Hufschutz eignen sich zum Beispiel Hufschuhe. Sie schützen vor Abrieb, Empfindlichkeit und verhindern das Eindringen von Steinchen », berichtet Hufschmied Jan Gerd Rhenius. «Sie gibt es mittlerweile in etlichen Formen und Varianten, die vielseitig einsetzbar sind.» Der grosse Vorteil: Der Hufmechanismus bleibt hierbei erhalten. Auch Kunststoffbeschläge bieten einen guten Schutz, findet Rhenius: «Der Hufmechanismus wird weniger eingeschränkt als bei herkömmlichen Eisen, und es entstehen keine hochfrequenten Schwingungen. Wird viel auf harten Böden geritten, ist der Verschleiss jedoch zu beobachten.» Harte Böden sind aber nicht immer negativ. In der Aufbauphase nach Sehnenerkrankungen ist das Bewegen des Pferdes auf nicht so tiefen Böden oft notwendig. «Da harte Böden nicht tief sind, bieten sie sich hier für das langsame Antrainieren an», erklärt Klaus Kimmich. «Hier ist die Belastung hinsichtlich Dauer und Intensität moderat. Daher kann ein solches Bewegen auf harten Böden durchaus auch ein gewisses Training für Gelenke und Hufe sein.» Bei glatten Oberflächen sind jedoch auch Sehnen gefährdet. Auf Asphalt besteht zum Beispiel eine hohe Rutschgefahr. Gleitet das Pferd hier ungünstig weg, können die Sehnen übermässig gezerrt werden. Auch Verletzungen durch Stürze können die Folge sein. «Deshalb sollten speziell in Kurven und Abzweigungen Tempo und Gangart angepasst werden», betont Klaus Kimmich. «Eine gute Rittigkeit des Pferdes und eine korrekte Hilfengebung erleichtern den Pferden die Führung in den Kurven auf harten und rutschigen Böden und verringern so die Verletzungsgefahr.»

Rutschschutz auf glatte
n Böden

Stollen und Widia-Stifte schützen zusätzlich vor dem Ausrutschen und mindern als positiven Nebeneffekt auch den Verschleiss des Beschlages. «Je nach Bodenbeschaffenheit, Reitweise, Hufform und Beschlagsart können sie jedoch auch zu einer punktuellen Belastung, zu Stellungsveränderungen auf hartem Boden und einem unnatürlichen Bewegungsmuster führen. Hier muss dann abgewägt werden.» Ein solcher Gleitschutz unterstützt auch auf gefrorenem Boden durch eine Art «Spike-Wirkung». Dennoch ist die Gefahr, hier zum Beispiel auf Eisplatten auszurutschen, so hoch, dass die Experten davon abraten, auf gefrorenen Böden in einem höheren Tempo zu reiten. Bis sich ein Pferd an harte Untergründe so gewöhnt, dass es sie auch in höherem Tempo meistern kann, braucht es Monate bis Jahre. Wer seinem Pferd diese Zeit gibt, kurze, dosierte Reize mit Ruhephasen kombiniert und auch Tempo sowie Belastungsdauer immer neu anpasst, dem müssen auch härtere Strecken nicht mehr den Ausritt vermiesen.

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