Das beliebte Fohlentagebuch aus dem KavalloMagazin gibt es jetzt auch online. Hier ist die Geschichte von dem bezaubernden FM-Hengstfohlen Hamilton de la Sia, der in den Waadtländer Bergen lebt und manch Abenteuer übersteht. In der Episode 1 geht es um Hamina FW, Hamiltons Mutter. Zum Zuchtporträt von «FM la Sia» geht es hier. Ab Episode 2 erzählt dann Hamilton aus seinem Leben.
Episode 1
Als wir im August 2015 einen Züchterkollegen in Rubigen besuchten, um eine neue Linie in unsere Zucht zu holen, fiel uns sofort die aufgeweckte, zutrauliche Hamina FW in ihrem dunklen Kleid ins Auge und der Kauf war schnell besiegelt. Hamina FW ist das letzte Stutfohlen aus der Zucht des inzwischen verstorbenen Fritz Wüthrich. An ihrer Fohlenschau mit 9/7/8 bewertet, zog sie einige Zeit später mit zwei weiteren Absetzerfohlen aus derselben Zucht bei uns ein und war durch ihre unkomplizierte Art schnell in unsere Herde integriert. Ihren Feldtest absolvierte Hamina FW mit sehr guten Leistungen und stellte besonders ihre hervorragenden Fahreigenschaften unter Beweis. Noch sehr «jugendlich» und körperlich mit 153 cm eine der Kleineren in unserer Herde, durfte «Haminchen», wie sie liebevoll genannt wird, ein weiteres Jahr nachreifen, bevor wir sie mit inzwischen 156 cm Grösse zur Zucht eingesetzt und im Frühjahr 2019 mit dem Junghengst Horizon des Oues erstmalig gedeckt haben. Die Trächtigkeit verlief sehr unkompliziert und wir freuen uns auf ihr erstes Fohlen Ende März/Anfang April.
Hamina FW, geb. 29.04.2015, Ethan/Norway/Lidéal, 17.09%FB, FT: Exterieur 7/6/8/, Fahren 8.571, Reiten 7.8).
Episode 2
Hallo liebe Leute, ich bin Hamilton de la Sia und wurde als erstes Fohlen meiner Mama Hamina FW am 21. April 2020 ganze 27 Tage nach meinem errechneten Geburtstermin geboren. Meinen Menschen habe ich während der langen Wartezeit vor meiner Geburt einige schaflose Nächte bereitet und sie mussten sogar auch ein wenig mithelfen, damit ich heil auf die Welt kommen konnte. Aber dann war ich da, gesund und munter, die üppig vorhandene Milch meiner Mama hat mir sofort geschmeckt und mir gefällt’s hier richtig gut. Meine Menschen mögen mich sehr, sie sagen, ich sei ein lieber, aufgeweckter und zutraulicher kleiner Kerl mit ordentlich Temperament.
Mein Papa heisst Horizon des Ouès, mein Grossvater mütterlicherseits Ethan und mein Urgrossvater Norway. Ich habe braunes Fell und lange Beine mit drei weissen Socken dran, auf denen ich sehr schnell unterwegs bin. Meine Mama lief anfangs ständig hinter mir her, aber das hat sie jetzt ein wenig aufgegeben, ich lauf‘ ja schliesslich nicht weit weg. Hier oben, wo ich wohne, ist der Schnee noch nicht so lange geschmolzen und wir sind deshalb noch in einer Halle und einem Auslauf unterwegs, wie meine Menschen sagen, da kann ich ja eh nicht ausbüxen. Aber schön ist’s hier…
Ah, was noch ziemlich cool ist: in unserer 31-köpfigen Herde, die ich schon gleich nach meiner Geburt kennengelernt habe, gibt’s auch noch weitere drei Spielkameraden, die genauso so alt sind wie ich, einer davon hat sogar denselben Papa wie ich. Hélios heisst der und ist mein Halbbruder. Und die anderen zwei sind Mädchen, Luna und Donna Roberta, die sind auch Halbschwestern, aber nicht von Hélios und mir, denn deren Papa heisst Don Flavio. Mit denen kann ich bestimmt nachher auch gut auf den Weiden draussen spielen, wenn das Gras hier oben in den Bergen mal ein wenig gewachsen ist. Darauf freue ich mich schon sehr und ich lasse dann gerne wieder von mir hören.
Bis dahin macht’s gut, viele Grüsse aus dem Waadtländer Oberland von Eurem Hamilton de la Sia
Episode 3
Hallo, liebe Leute, hier ist wieder euer Hamilton de la Sia und möchte Euch von meinem ersten Lebensmonat erzählen.
Ich bin ja an einem Morgen geboren und noch am selben Tag kam ein Mann mit einem Kittel, «Tierarzt» sagten meine Leute, der mich in den Hals gepiekt hat, bevor ich überhaupt wusste, was da los war. Damit ich immer schön laufen kann und nicht etwa Fohlenlähme bekomme, erklärten sie mir, als es schon wieder vorbei war. Das fängt ja gut an, dachte ich mir, aber es war nicht wirklich schlimm und ich habe daher auch kein Theater drum gemacht.
Am nächsten Tag kamen meine Menschen mit einer Art grünem Band, das sie mir um Kopf und Hals banden, Halfter heisst das, und das ziehe ich immer an, wenn ich mit meiner Mama aus der Box in die Halle gehe. Anfangs war das ungewohnt und ich habe gemerkt, wenn ich doll mit dem Kopf schüttele, können sie es mir nicht so gut anziehen, aber die geben einfach nicht auf… Ok, ok, na guuut, zieh‘ ich es halt an. Aber unter uns: jetzt stört es mich gar nicht mehr.
Und neulich kamen meine Menschen sogar mit einem Strick, haben mir den ans Halfter geklinkt, sind dann langsam losgegangen und ich musste mitgehen! Boah, da bin ich erst ein paarmal in die Luft gesprungen und auf die Hinterbeine gestanden, hey! Aber meine Mama geht mit ihnen auch so durch die Halle und sie hat mir gezeigt, dass es gar nicht schlimm ist, jetzt kann ich es auch schon …
Ganz toll finde ich, dass es draussen inzwischen Gras hat und wir vier Fohlen mit unseren Mamas morgens und nachmittags für mehrere Stunden zusammen raus auf die Weide dürfen: da können unsere Mamas fressen und wir spielen ein wenig zusammen und rennen um die Wette. Meistens verliere ich, denn ich bin ja der Jüngste und noch der Kleinste… Nervig finde ich bloss diese kleinen schwarzen Tierchen, die sich mir immer auf die Nase setzen, die aber schnell wegfliegen, wenn ich den Kopf schüttle. Ich habe ein tolles Leben hier oben und es ist wunderschön bei uns.
Bis zum nächsten Mal, liebe Grüsse von Hamilton
Episode 4
Hallo, Ihr Lieben, ich muss Euch was erzählen: stellt Euch vor, wir waren beim Coiffeur. Unsere Menschen haben allen Fohlen die Mähnchen geschnitten. Huch, das war kitzelig. Ich habe mich gar nicht bewegt, damit sie mir keine Stufen schneiden, ich will schliesslich gut aussehen. Bobby, meine Freundin (mit auf dem Foto) war ganz zappelig dabei, die ist nicht eine Sekunde stillgestanden!
Aber es musste wohl sein, auch das Fohlenfell scheren sie uns noch, denn es ist sehr heiss unter dem Pelz und in der Sonne schwitzen wir doll. Am ersten Mittwoch im September findet immer die Fohlenschau unserer Genossenschaft statt, da müssen wir mit unseren Mamas den Rasserichtern des Schweizerischen Freibergerverbandes «rassetypisch» präsentiert werden. Davon berichte ich Euch dann später.
Momentan gehen wir wegen der Hitze morgens ganz früh auf die Weide, sobald es hell wird, werden wir vormittags in den Stall geholt und nachmittags dürfen wir dann wieder bis zum Dunkelwerden hinaus. Wir Fohlen spielen nun immer zusammen, manchmal zanken und raufen wir auch ein wenig, ich hatte auch schon Bissspuren, aber es ist nicht böse gemeint und unsere Mamas haben uns beim Grasen ja immer im Blick. Über den Mittag sind wir im kühlen Stall und können besser entspannen. Für unsere Menschen ist das mehr Arbeit, denn sie müssen ja zweimal den Stall machen, ausmisten und Heu in unsere Krippen einrüsten. Manchmal arbeiten unsere Menschen nach dem Mittag auch mit den grösseren Pferden in unserer Halle mitten im Stall, die Zweijährigen fangen jetzt mit Bodenarbeit an und wir schauen zu. Das ist sehr interessant und wir lernen viel. Nachts draussen bleiben können wir leider nicht, denn es gibt gefährliche Grossraubtiere in unserer Gegend, die uns angreifen könnten und im Stall sind wir sicherer.
Ich habe auch zuschauen können, wie nach wochenlangem Regen unsere Menschen endlich Heu machen konnten und es duftet jetzt ganz fein in der Diele über unseren Boxen…
Bis zum nächsten Mal, euer Hamilton de la Sia
Episode 5
Hallo, Ihr Lieben, ich hatte Euch ja schon davon berichtet, dass wir im Sommer über die Mittagszeit immer von der Weide in den Stall kommen und dort entweder ruhen oder etwas mit unseren Menschen machen.
Nachdem die Heuernte nun fertig ist, haben sie Zeit, mit uns zu spielen und zu arbeiten. Stellt Euch vor, sie haben neulich eine grosse, raschelige Plane auf den Boden gelegt, über die zuerst unsere Mamas gegangen sind und wir sollten ihnen nachlaufen. Hmmm! Ganz so einfach war das nicht! Zuerst habe ich meine Fohlenfreunde beobachtet: die Mädels Luna und Bobby sind natürlich gleich locker drübermarschiert und Bobby hat die Plane sogar angebissen! Die schreckt vor nichts zurück. Mein Bruder Hélios und ich haben zunächst einmal etwas abgewartet, ich musste das Ding auch erst ganz genau inspizieren, ich will ja schliesslich wissen, was mich erwartet. Es hat mir aber dann doch keine Angst gemacht und ich bin vorsichtig drübergehüpft. Puuuh! Geschafft! Alle haben mich gelobt, das war toll!
Und dann haben meine Menschen bunte Stangen auf den Boden gelegt, über die wir springen durften und was meint Ihr, wer am höchsten gesprungen ist? ICH! Ha! Einen riesigen Satz habe ich gemacht und das war sooo cool! Höher als Bobby, ätsch! Das fand ich ja so klasse! Und ich werde sicher mal ein Springpferd, wenn ich gross bin!
Der Hufschmied war auch schon da und hat meine Füsse gepflegt. Ich stand dabei ganz still neben meiner Mama und habe das Raspeln sehr genossen.
Seit einer Weile sind nun alle 29 Pferde unserer Herde zusammen auf einer ganz grossen Weide. Luna hat dabei schon ihre grosse Schwester entdeckt und spielt manchmal mit ihr. Das ist jetzt total interessant, weil wir den Grossen zuschauen und viel lernen können, manche sind aber auch sehr streng mit uns und wir müssen folgen, sonst werden sie ungemütlich… Aber das Leben in der grossen Herde auf den schönen Weiden macht richtig Spass und ich bin sehr glücklich hier in den Bergen.
Bis zum nächsten Mal, Euer Hamilton de la Sia
Episode 6 folgt im nächsten KavalloMagazin Ende September
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