Friedlich grasen auf der Weide neben dem Hof auf der Swiss Paso Fino Farm einige Pferde. In der Abendsonne liegt ein Fohlen, alle Viere von sich gestreckt, im Auslauf. Vier Paso Finos stehen in seiner Nähe. Seine Mutter könnte die eine oder andere Stute sein. Einige Reiter richten ihre Pferde für die Reitstunde oder für den Ausritt im schönen Gelände mit freiem Blick auf den Säntis und das ganze Alpsteingebirge. Seit zwölf Jahren gibt es die Swiss Paso Fino Farm im Thurgau. Mit 15 Pferden zogen Claudia und Daniel Greb vom Zürcher Unterland auf den Landwirtschaftsbetrieb. «Durch Zufall wurden wir vom Besitzer angefragt, ob wir Interesse an einem Betrieb mit zehn Hektar Land hätten», sagt Claudia Greb und glaubt dabei lieber an Ein-gebung als an Zufälle. Der Besitzer kam über ein Erbe zum Betrieb und konnte selber nichts damit anfangen. Er hörte über Umwege vom grossen Traum von Claudia Greb, die sich schon als kleines Mädchen einen Hof mit genug Umschwung für mich und meine Pferde gewünscht hatte.
Neu mit Lehre Gangpferde
Ihre Tiere hatte sie damals im zürcherischen Freienstein auf verschiedenen Bauernbetrieben eingestellt. Sie habe trotz offenen Augen lange Zeit nichts Passendes gefunden. «Dieses Angebot fiel für uns wie vom Himmel und öffnete uns neue Perspektiven», sagt Claudia Greb. Rund ein Viertel der elf Hektar grossen Farm ist für Weidegang eingezäunt, den Rest verarbeitet das Ehepaar zu Heu. Das Ehepaar bewirtschaftet den Betrieb mit Hilfe von fünf Angestellten selbst. Ab nächstem Jahr werden auch Lernende ausgebildet. Dafür absolvierte Claudia Greb die Ausbildung zur Pferdefachfrau mit Richtung Gangpferde, weil die typische Gangart der Paso Finos der Tölt ist, welcher in drei Geschwindigkeitsstufen mit unterschiedlichem Versammlungsgrad in Classic Fino, Paso Corto und Paso Largo unterteilt wird. Das Ehepaar Greb freut sich auf die neue Aufgabe mit jungen Menschen: «Wir schätzen die Arbeit mit Jungen und finden den Prozess des Erwachsenwerdens interessant. Die jungen Menschen lernen, sich auch dem Tier gegenüber mit klaren Strukturen und Körpersprache durchzusetzen.»
Sie erzählt, wie sie während des Aufbaus der Farm immer wieder viel dazugelernt haben und zu Beginn auch untendurch mussten. Sich das ganze Know-how der Landwirtschaft anzueignen, beschreiben sie als nicht einfachen Weg. «Wir haben durch die vielen guten, aber zum Teil auch schwierigen und anstrengenden Prozesse die Möglichkeit erhalten, viel zu lernen und daran zu wachsen», fasst Claudia Greb zusammen. Ihr erworbenes Wissen wollen sie daher gerne weitergeben.
Bequeme Reittiere sind gefragt
Ihr Handwerk rund um die Pferde lernte Claudia Greb als junge Frau in den USA. Dazu gehört nicht nur, Reitstunden zu geben, sondern auch Pferde einzureiten und bis auf Turnierniveau auszubilden. Ein Leben ohne Pferde könnte sie sich fast nicht vorstellen. So auch mittlerweile ihr Ehemann Daniel, der aus der IT-Branche als Quereinsteiger zum Rancher wurde. Er begann vor 22 Jahren mit Reiten und bildete sich in den Jahren zusammen mit seiner Ehefrau weiter. In die von ihnen gepflegte Reitweise fliesst die klassische europäische Reitweise wohl mit ein, primär geprägt vom traditionellen Arbeitsreitstil aus Kolumbien. «Kolumbus brachte nicht nur Pferde nach Amerika, sondern auch Kultur und Reitweise», sagt Claudia Greb und erklärt die ursprüngliche Verwendung der Paso-Fino-Pferde, die man im Herkunftsland als bequemes Reittier brauchte – Eigenschaften, die heute in ganz Europa gefragt sind. In die Schweiz kamen die ersten Tiere vor knapp 40 Jahren. Den Import aus Südamerika und den USA beschreibt Claudia Greb als eher schwierig, holte sie doch während der Aufbauphase ihrer Zucht einige Male geeignete Zuchttiere in die Schweiz. Heute ist die Swiss Paso Fino Farm im kleinen Dorf Schocherswil im Thurgau europaweit der grösste Zuchtbetrieb in der Paso-Fino-Szene. Daher ist es nicht erstaunlich, dass ihr Kundenkreis weit über die Grenze hinausreicht, das Herz aber in der Schweiz schlägt.
Aufzucht auf eigenem Hof
Auf der Farm leben mittlerweile über 80 Pferde. Nebst den fünf Zuchthengsten, mehr als einem Dutzend Zuchtstuten und über 40 Jungtieren beherbergt das Ehepaar Greb neun Ponys für die Kinderreitstunden und einige Paso-Fino-Pensionäre. Ihre eigenen Aufzuchttiere tragen hinter dem Namen ein «de la Suiza». «Dieses Jahr ist bei uns bereits das 80. Fohlen geboren worden», freut sich Daniel Greb. Diese wachsen auf dem Hof auf und erhalten die nötige Grundausbildung wie Sichführenlassen, Stillstehen beim Putzen, Hufegeben oder Akzeptanz des Menschen als Chef. Mit Bodenarbeit wird im Alter von drei Jahren begonnen. Die Pferde werden sanft an Sattel und Reiter gewöhnt. Das Ziel ist, nicht nur viele Menschen für den -sensiblen und doch temperamentvollen Paso Fino begeistern zu können, sondern ihre Besitzer auch zu motivieren, sich mit dem Wesen auseinanderzusetzen, es zu verstehen und Zeit in die Weiterbildung von Mensch und Pferd zu investieren.
Mehr Infos: www.pasofino.ch
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