Als grossen Geburtstagsblumenstrauss war sie angekündigt worden, die Abendschau zum 25-jährigen Bestehen der PFERD?’14. Spektakel, Emotionen, Action wurden versprochen mit dem gut zweistündigen Einblick in die Schweizer Pferdewelt. Ein grosses Versprechen, das in einem Land mit weit über 100 registrierten Pferderassen beim besten Willen schwerlich einlösbar ist. An geschenkten Darbietungen mangelte es nicht. Doch wie es sich bei geschenkten Gäulen so verhält – ins Maul schaut man ihnen nicht. Der Strauss zum 25-Jahr-Jubiläum wurde mit zu wenigen Worten überreichthatte zwar hübsche Teile, war aber schlecht zusammengebunden. Die Schweizer Pferdeszene ist kein festes Gebilde, und das nicht erst seit ein paar Jahren: Was Mitte der Siebziger im Paddock der Eidgenössischen Militärpferdeanstalt als Propaganda für Schweizer Pferde begann, hat sich zur allgemeinen Hippo-PR entwickelt. 300?000 Besucher zählte die Frühlingsausstellung dieses Jahr insgesamt, wohl für einen Grossteil von ihnen gehörte ein Abstecher in die Pferdezelte oder an die mittägliche Rassenschau zum Tagesprogramm. Und für dieses Dating zwischen Vier- und Zweibeinern kann die helvetische Pferdewelt den Organisatoren nicht dankbar genug sein.
Pferdebranche gefordert
Goodwill fürs Pferd zu schaffen, steht seit Beginn hinter den Berner Pferdeausstellungen. Entstanden war 1986 die erste PFERD aus den «Tagen des Schweizer Pferdes» heraus. Die EMPFA führte diese in Zusammenarbeit mit Willy Grundbacher und dem Schweizerischen Pferdezuchtverband von 1976 bis 1985 immer gleichzeitig mit der BEA wegen des ohnehin nach Bern strömenden Publikums durch. Dann kam der Wunsch, zum Anlass des 10-Jahr-Jubiläums ein grosses Fest zu machen, wie sich der damalige EMPFA-Betriebsleiter Pierre-Eric Jaquerod erinnert: «Ich wusste, dass ich in der Lage war, die ‹technische›, sprich Pferde-Seite, zu organisieren, die kommerzielle mit Waren, Ständen oder Verträgen aber nicht. Wir brauchten dazu die Hilfe der BEA, die für einen Probelauf mitmachte.»
Propaganda fürs Pferd war in den Siebzigerjahren nötiger denn je. Schon 1968 hatte sich die «Gemeinschaft für das Pferd» mit Referenten aus dem In- und Ausland zum Thema «Die Zukunft des Pferdes in der Schweiz» zu einer Arbeitstagung zusammengefunden, weil, wie in der Begrüssungsrede konstatiert wurde, die «Lage des Pferdes so ernst geworden ist, dass das Problem Pferd einmal gründlich zur Sprache gebracht werden muss». Was noch für viele unvorstellbar war, sollte 1972 bereits Wirklichkeit werden – die Abschaffung der Kavallerie. Ein Entscheid, der später auch die Institutionen EMPFA und Gestüt Avenches, die Pferdezucht ganz allgemein ebenso wie den Train auf die Abschussliste der Bundesverwaltung brachte. Nach dem Aus für die Kavallerie musste das Pferdewesen neu aufgezäumt werden, sodass die Idee von «Tagen des Schweizer Pferdes» auf offene Ohren stiess. An Begeisterung zum Mitmachen hatte es über all die Jahre hinweg nicht gefehlt, sodass das Projekt einer kommerziellen Pferdemesse à la Equitana auf fruchtbaren Boden fiel.
Alles Disziplinen auf einem Platz
Sich für das Pferd stark machen, das muss man sich heute noch genau so engagiert wie vor 40 Jahren. Gings im vergangenen Herbst beim Aufmarsch vor dem Bundeshaus darum, einer pferdefreundlicheren Raumplanung Nachdruck zu verleihen, hatte 1988 der Umzug durch Alt-Bern zur Eröffnung der zweiten PFERD der Bevölkerung farbenfroh in Erinnerung zu rufen, welchen kulturellen Wert Pferde für die Menschheit einnehmen. Doch seit der Abschaffung der Kavallerie musste sich die Schweizer Pferdewelt nicht nur nach aussen neu positionieren, sie musste sich auch neu kennenlernen. Das wusste keiner besser als Pierre-Eric Jaquerod, der für die bald 100-jährige Pferdeanstalt eine neue Identität suchte: «Deshalb war ja mein persönlicher Wunsch, -erstens alle Sportdisziplinen in zig Prüfungen auf dem EMPFA-Areal zusammenzubringen. War das nicht möglich, dann mindestens in Demonstrationen dem breiten Publikum zu präsentieren. Und zweitens wollte ich unbedingt alle in der Schweiz aktiven Pferdeorganisationen unter einem Dach vereinigen.» Und das ist ihm in einem Armeepferdezelt bestens gelungen – selbst Insider staunten über die Vielfalt der Zuchtverbände.
Alle Pferdeorganisationen der Schweiz an der PFERD vereint wünscht sich auch Flavio Sartori, der Leiter der Messe 2014: «Für mich und die Messe wäre es schön, wenn die PFERD von der gesamten Branche unterstützt würde. Mit 2014 aber sind wir zufrieden, es wird auch nächstes Jahr wieder eine Messe geben.» Und zwar im bisherigen Rahmen. Eine Loslösung von der BEA-Frühjahrsausstellung steht momentan nicht mehr zur Diskussion. In Planung ist diese Variante zwar, Bedingung aber wäre eine massgebliche Unterstützung durch die gesamte Branche.
Ja, die Pferdebranche, die war an der ersten PFERD bestens vertreten. Ein Verkaufsstand reihte sich in der EMPFA-Reithalle II an den andern, im Aussengelände mussten Wegweiser dafür sorgen, dass der Besucher die Orientierung nicht verlor. Die PFERD war nicht in die BEA integriert, die PFERD war Bestandteil der EMPFA, der Reitschule der Nation. Und sie war denn auch der eigentliche Star, denn auf ihrem Gelände war noch alles möglich, was es über Pferde zu zeigen gab. Auch in der Galaschau, wo die Geschichte des Pferdes vor Augen geführt wurde. Der Erfolg – auch finanziell – war 1986 so gross, dass die BEA-Direktion schon ein Jahr später eine zweite PFERD wollte. Jaquerod konnte dies verhindern: «Die Schweiz ist für eine solche Ausstellung im Jahresrhythmus zu klein, sie hätte sich totgelaufen.» Zu neuer Form lief sie dagegen 1988 und 1990 auf, als die EMPFA ihr 100-Jahr-Jubiläum feierte. Eigens dafür wurde eine Sonderschau «60 Mio. Jahre Pferd» in einem 30 x 60 Meter grossen Zelt aufgebaut. Für die Galaschau reiste aus Frankreich das Ca-dre Noir an.
Das Aus für die Fachmesse
1992 liess man die PFERD noch einmal auf dem Gelände der EMPFA aufgaloppieren – im Alleingang, weil Jaquerod sich dagegen sträubte, Pferde in Messehallen unterzubringen und die EMPFA zum Parkplatz und Abstellraum zu degradieren. Sportverband und Zuchtverband sagten ihre Unterstützung zu, statt 20?000 Besucher wie früher kamen nur noch knapp 15?000 an die PFERD – das war eindeutig zu wenig. Wohl oder übel wurde dem Ultimatum der BEA-Direktion Folge geleistet: Alle Jahre eine in die BEA integrierte PFERD.
Pferde, Ponys und Esel sind wie andere Themen an der Berner Frühlingsmesse ein Thema, um die Besucher in die Ausstellungshallen auf der Allmend zu bringen. Mit nach wie vor ungebrochener Begeisterung stellen die Verbände ihre speziellen Rassen vor. Und da sind seit 1986 nicht wenige neu dazugekommen. Ob in der kleinen Arena oder in der Mittagsrassenschau – für Gross und Klein wird von ihren Liebhabern mit Herzblut auf ihre Vorzüge hingewiesen. Treffpunkt der Schweizer Pferdewelt sind die Messen nicht mehr, mit dem Wegzug aus dem Traditionsgelände der EMPFA geriet der fachliche Aspekt in den Hintergrund. Von einer eigenständigen PFERD allerdings lässt sich vorläufig nur träumen, in unserem kleinen Land gibt es für zentralistische Bestrebungen keine Mehrheit. Doch wenn nach einem BEA-Besuch bei Hunderttausenden das Herz für Pferde wieder höher schlägt, ja, dann hat die ausgebundene PFERD als Sonderschau ihren Wert mehr als nur erfüllt.
Jeden Donnerstagabend erhalten Newsletter-Abonnentinnen und -Abonnenten
ausgewählte Artikel sowie die nächsten Veranstaltungen bequem per E-Mail geliefert.