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Am Eingangstor hängt eine grosse Schweizer Fahne. Dahinter schaut ein Schimmel neugierig aus seinem Auslauf. Die Ohren nach vorne gespitzt, den Kopf erhoben. «Was geht da ab?», scheint er zu fragen. Sein Name ist Ronaldo. Er ist der Star im Stall Mainau in Dielsdorf. Seitdem er mit seinem Reiter Markus Graf im Juni überraschend zum Schweizermeister in der Dressur gekürt wurde, erhält der Schimmel sogar eigene Fanpost. Auch für den Reitlehrer und Ausbildner Graf hat sich seit dem Tag einiges geändert. Rund 80 SMS und Mails hat er in den ersten Tagen nach dem Sieg beantwortet. Früchtekörbe und Champagnerflaschen stehen auf dem Tisch im Aufenthaltsraum herum. Zwei Besitzer riefen ihn an und boten ihre Toppferde zum Verkauf an.
«Es ist einfach unglaublich», meint er und ringt sichtlich um Worte. Mit der linken Hand spielt er mit seinem Handy. Wie ein D-Zug hat ihn der Erfolg überrollt. Ganz geheuer scheint es ihm nicht zu sein. Er schwankt zwischen Freude und Angst, den Erwartungen nicht mehr gerecht zu werden. «Zum Glück habe ich so viel zu tun. Da bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen», sagt er lachend.

Grandiose Kür an der SM

Rückblende: Deitingen im solothurnischen am 24. Juni 2011, einem schönen Sommertag. Die Sonne brennt auf das Viereck. Der letzte Tag der Dressur-Schweizermeisterschaft. Gestartet wird in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenklassements. Nur noch drei Reiter haben ihre Kür vor sich.
Die Tribünen und das Festzelt sind gut gefüllt, als Graf mit Ronaldo das Viereck betritt. Zu «Eye of the Tiger» von den Survivors traben der Schimmel und sein grossgewachsener Reiter ein. Sechs Minuten lang tanzt das Paar zu Musik aus den 80ern. Keine Fehler, perfekte Harmonie. Zum Schluss tosender Applaus und die hohe Note von 75, 7 Prozent. Das bekommt Graf schon gar nicht mehr mit. Er weiss nur, dass es für eine Medaille gereicht hat – somit hat er sein Ziel schon mehr als übertroffen. «Ich habe nie damit gerechnet, nach vorne Boden gutzumachen. Eher noch nach hinten zu rutschen», sagt Graf rückblickend.
Alle stürmen zu ihm, gratulieren. Der Zürcher steigt ab und geht an den Viereckrand. In der Zwischenzeit hat der zweitplatzierte Hans Staub seine Kür absolviert und hat das Resultat von Graf nicht erreicht. Auch die erstplatzierte Marcela Krinke Susmelj beisst sich an der Kürnote von Graf die Zähne aus. Sie sichert sich schlussendlich Platz zwei. «Da bin ich aus allen Wolken gefallen», erinnert sich Graf.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Vor allem, weil er mit dem 13-jährigen Ronaldo erst die zweite Saison Grand Prix bestreitet. Anfänglich hat es gar nicht nach einem Traumpaar ausgesehen. Als Graf den Wallach vor fünf Jahren das erste Mal ritt, drehte der Schimmel voll auf. Vorne hoch, hinten raus, mit dem Bauch fast am Boden. Die meisten hätten den Wallach weit von sich gewiesen und ihn als aggressiv abgestempelt. Nicht so Graf und seine Besitzerin Gaby Koller. Sie verliebten sich beide auf den ersten Blick in den Schimmel, an den keiner mehr glauben wollte.
Der sensible Wallach wurde in Holland geboren. Sein Vater Gribaldi hat Dressurgrössen wie den millionenschweren Totilas hervorgebracht. Doch mit Ronaldos Temperament konnte keiner umgehen. Er wechselte Besitzer und Ställe wie andere Pferde ihren Hufbeschlag. Von Holland ging es nach Frankreich und Italien. «Er wurde in ganz Europa herumgeschubst. Und wahrscheinlich auch geschlagen », sagt Graf.
Erst im Stall Mainau hat Ronaldo seinen Platz gefunden. Da hat der sensible Schimmel die perfekte Betreuung: Koller schaut für das seelische Wohl, verwöhnt Ronaldo mit Streicheleinheiten und genügend Aufmerksamkeit, Graf bildet ihn aus und weiter. Er war es, der den rohen Diamanten zum Glänzen gebracht und bis zur Grand-Prix-Klasse ausgebildet hat. Vom anfänglichen Sorgenkind ist nichts mehr übrig. Geblieben ist die Bewunderung «Ronaldo ist blitzgescheit. Das habe ich noch nie erlebt», sagt Graf. 
Von den Grundqualitäten her sei Ronaldo nicht das beste Pferd. Was ihn auszeichnet, ist sein Kopf. Der Reiter nennt ein Beispiel: Nach der Schweizermeisterschaft wollte er dem Schimmel Ruhe gönnen, ritt mit ihm ins Gelände statt Dressurlektionen zu pauken. Doch schon am zweiten Tag zog der Wallach Richtung Viereck, wollte lernen statt ausruhen, verlangte nach Neuem. 
Diese Intelligenz ist nicht immer einfach. Es gab Tage, da war Graf mit seinem Latein am Ende. Wusste nicht, wie er die Energien des Schimmels in die richtigen Bahnen lenken konnte. Der Wallach forderte immer wieder neue Ideen und Ansätze, damit ihm nicht langweilig wurde. «Durch Ronaldo habe ich extrem viel gelernt», sagt Graf. Er, der an sich selbst immer die höchsten Ansprüche setzt, für den Aufgeben ein Fremdwort ist und der über einen eisernen Willen verfügt, hat in Ronaldo einen ebenbürtigen Partner gefunden. «Wir ticken gleich, deshalb harmonieren wir so gut.»

Liebe zur Dressur

Mit Reiten angefangen hat der 37-Jährige schon als kleines Kind. Mit fünf Jahren sass er bereits im Sattel. Zusammen mit seinem Bruder bestritt er als Jugendlicher unzählige Spring- und Dressurprüfungen. «Das Springen hat mich aber nie so gepackt», gibt Graf zu. So hat er sich auf das Dressurreiten spezialisiert.
Mitte zwanzig liess er sich nach einer Lehre als Hochbauzeichner zum Bereiter ausbilden und hängte danach direkt den Reitlehrer dran. Vor fünf Jahren dann hat Graf zusammen mit seiner Frau die Stallungen Mainau in Dielsdorf gekauft und umgebaut. Heute bietet es Platz für 25 Pferde – die meisten sind Ausbildungspferde und Pensionäre. Zwei Bereiterinnen und drei Lehrlinge kümmern sich um das Wohl der Vierbeiner. Der Hof ist umgeben mit Weiden und einem grossen Viereck. Auch eine neue Führanlage steht direkt am Waldrand. Mit dem Hof, den Ausbildungspferden und Reitstunden verdient Graf sein Geld.
Das Dressurreiten hingegen ist wenig lukrativ. «Es ist für Laien schwer verständlich. Grosse Sponsoren sind an dem Sport kaum interessiert.» Dies ist Graf jedoch egal. Sein nächstes Ziel sind internationale Wettkämpfe.
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