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«Wie man sich bettet, so liegt man» lautet eine alte Wahrheit, der auch Pferde nachleben, wenn sie ihre Liegefläche selber wählen können. Denn Studien zeigen, dass ungestörtes Liegen massgeblich von der zur Verfügung stehenden Fläche und ihrer Beschaffenheit beeinflusst wird.

Vermenschlicht werden sollen Pferde nicht. Wenn es aber ums Liegen geht, gilt bei ihnen die gleiche alte Wahrheit wie für uns: «Wie man sich bettet, so liegt man!» Während wir uns danach ausrichten können, sind Pferde hingegen darauf angewiesen, sich mit den ihnen zur Verfügung gestellten Verhältnissen zufriedenzugeben. Bei den Liegeflächen trifft das ganz besonders zu, wie das von der ETH Agronomin Joan-Bryce Burla festgehalten wird in ihrer Dissertation zum Thema «Einfluss von Fütterungsmanagement und Liegefläche auf das Verhalten von Pferden in Gruppenhaltung». 
Weich und verformbar
In der Studie zum Liegeverhalten konnte Burla aufzeigen, dass ungestörtes Liegen massgeblich durch die Verfügbarkeit eines weichen und verformbaren Lagers, d. h. Einstreu, und die Abmessungen der eingestreuten Fläche beeinflusst wird. Unter der Annahme, dass die zur Verfügung stehende Liegefläche ein ungestörtes Liegeverhalten für alle Gruppenmitglieder gewährleisten sollte, sind die in der Schweiz gesetzlich festgelegten Mindestmasse für die eingestreute Liegefläche in Gruppenlaufställen als minimale Abmessungen zu betrachten. Diese werden in der Tierschutzverordnung in Anhang 1 Tabelle 7 vorgeschrieben und sind abhängig von der Widerristhöhe der Pferde. Zudem hält Artikel 59 der Tierschutzverordnung fest: «Liegeplätze in Unterkünften müssen ausreichend mit geeigneter, sauberer und trockener Einstreu versehen sein.» Und im Tierschutz-Kontrollhandbuch Pferde und andere Equiden steht ausserdem: «Die Einstreuschicht kann bei wärmegedämmten Böden wie Böden mit Gummimatten oder Holzböden dünner ausfallen. Je nach Bodenqualität muss die Einstreuschicht die Verformbarkeit, Nässebindung oder Gleitsicherheit ausreichend sicherstellen.»
In der Studie wurde zudem ein experimenteller Ansatz verwendet, um den Einfluss der Abmessungen der eingestreuten Liegefläche auf das Liegeverhalten von Pferden in Gruppenhaltung zu untersuchen. Obschon Pferde im Stehen schlafen können, müssen sie für REM-Schlaf (REM, engl. rapid eye movement, das heisst schnelle Augenbewegungen, auch paradoxer Schlaf oder desynchronisierter Schlaf) zwingend liegen. Dies ist dadurch bedingt, dass der Muskeltonus der Skelettmuskulatur in der REM-Schlafphase stark absinkt und die Pferde deshalb umfallen würden. Da zur Komplettierung eines gesamten Schlafzyklus alle Schlafstadien durchlaufen werden müssen, ist die Möglichkeit sich hinzulegen für das Tierwohl essenziell. Aus den wenigen vorhandenen Studien zum Schlaf beim Pferd lässt sich für die minimale Dauer für REM-Schlaf eine Mindestliegedauer von 30 Minuten pro 24 Stunden ableiten. Räumliche Bedingungen oder soziale Unsicherheiten können jedoch Gründe sein, weshalb Pferde sich nicht hinlegen. Ein wichtiger Einflussfaktor für das Tierwohl ist folglich die Verfügbarkeit einer geeigneten Liegefläche. In der Schweiz sind sowohl qualitative Anforderungen als auch Mindestmasse für die Abmessungen der eingestreuten Liegefläche gesetzlich definiert. Von diesen ausgehend wurden 38 Pferde und Ponys in acht Gruppen jeweils unter vier verschiedenen Varianten gehalten: keine Einstreu, 0,5 x Mindestfläche eingestreut, Mindestfläche eingestreut und 1,5 x Mindestfläche eingestreut. Verwendete Einstreumaterialien waren Stroh oder Holzspäne, nicht eingestreute Flächen wurden mit Gummimatten ausgelegt. Der Versuch dauerte für jeweils elf Tage, wobei das Liegeverhalten während der letzten 72 Stunden kontinuierlich erfasst wurde.
Die Pferde zeigten für das Liegen eine deutliche Präferenz für eingestreuten Untergrund. Sie lagen nur selten und kurz auf Gummimatten, und dies vor allem dann, wenn keine eingestreute Fläche zur Verfügung stand. Die Gesamtliegedauer pro 24 Stunden, der Anteil Liegen in Seitenlage und die Synchronizität des Aufenthalts im Liegebereich nahmen mit zunehmenden Abmessungen der eingestreuten Liegefläche zu. Unter Berücksichtigung des Rangs der Pferde in ihrer Gruppe zeigte sich jedoch, dass die Gesamtliegedauer ranghoher Gruppenmitglieder von Mindestfläche eingestreut zu 1,5 x Mindestfläche eingestreut nicht weiter anstieg, rangniedrige Gruppenmitglieder hingegen erst bei 1,5 x Mindestfläche eingestreut gleich lange lagen wie Ranghohe. Darüber hinaus wiesen ranghohe Pferde konstant geringe Anteile an unfreiwillig beendeten Liegesequenzen (d. h. Aufstehen als direkte Reaktion auf ein anderes Pferd) auf, wohingegen dieser Anteil bei rangniedrigen Pferden nur in der Variante mit 1,5 x eingestreuter Mindestfläche vergleichbar gering war. Wenn hingegen die Mindestfläche eingestreut war, beendeten rangniedrige Pferde rund ein Drittel ihrer Liegesequenzen unfreiwillig. Das Liegeverhalten wurde somit durch die Verfügbarkeit eines weichen und verformbaren Untergrundes deutlich beeinflusst, und grössere Abmessungen als die gesetzlich festgelegten Mindestmasse für die eingestreute Liegefläche wirkten sich insbesondere für rangniedrige Pferde positiv aus. Dennoch wurde festgestellt, dass einzelne Pferde auch mit 1,5 x eingestreuter Mindestfläche weniger als 30 Minuten pro 24 Stunden lagen.
Beziehen sich die Erkenntnisse von Joan-Bryce Burla zwar ausschliesslich auf Studien aus Gruppenhaltung, wurde für Studien in früheren Jahren auch die Einzelhaltung in der Box herangezogen. Die Resultate in der vorliegenden Studie bestätigen frühere Aussagen, dass Pferde in welcher Haltungsform auch immer eine weiche und verformbare Einstreu vorziehen und Liegen auf hartem Untergrund meiden. So beobachteten Hunter und Houpt (1989), dass Pferde Einzelboxen mit Einstreu gegenüber Einzelboxen mit Betonboden zum Liegen wählen. Muggenthaler et al. (2010) beobachteten – wenn beides gleichermassen angeboten wurde – eine kürzere Liegedauer auf Gummimatten im Vergleich zur Liegedauer auf Einstreu bei Pferden in Gruppenhaltung.
Viele Faktoren spielen mit
Wie eingestreut wird, hängt in den Ställen noch von zahlreichen weiteren Faktoren ab. Und dabei decken sich die Kriterien der Pferde, was eine optimale Einstreu für sie wäre, längst nicht immer mit der Sicht des Halters. Für ihn stehen der Preis, die Arbeitswirtschaftlichkeit, ein niedriger Verbrauch, leichte Handhabung (Lagerung), hohe Saugfähigkeit oder gute Einbindung von Gerüchen ganz oben. Pferde dagegen bevorzugen ein trockenes, sauberes, weiches und rutschsicheres Material mit wenig Staubentwicklung.
Auch wenn es die optimale Einstreuart für alle Pferde nicht gibt – die von Tierärztin Julie Schwechter am Strickhof Pferdepensions-Tag vor drei Jahren an die Einstreu gestellten Forderungen lässt sich mit allen Materialien erreichen. Sie sagte nämlich: «Die Einstreu (mit Stroh, Anm. d. Red.) hat einen erheblichen Einfluss auf die Pferdegesundheit und Matratzeneinstreu ist für Pferdehaltung nicht geeignet.» Dabei wies sie auch auf die Entmistungsintensität hin, weil eine mit Mist (Kot und Urin) verunreinigte Einstreu zu haltungsbedingten Erkrankungen der Atemwege, des Bewegungsapparates (Strahlfäule, White Line Disease) und des Verdauungssystems (bis Zähne) führen kann.

Welche Einstreu ist richtig?

Unter dem Titel «Die richtige Einstreu zum Wohle des Pferdes» hat Josie Sigl von der Beratungsstelle Pferd bei Agroscope, Schweizer Nationalgestüt Avenches, ein Merkblatt herausgegeben. In der Einleitung schreibt sie: «Die klassische Einstreuvariante ‹Stroh› ist längst nicht mehr die einzige Einstreumöglichkeit. Es gibt unterschiedliche, auf dem Markt konkurrierende Produkte, von Spänen über Pellets bis hin zu Kompost. All diese Produkte sollen für den besten Komfort des Pferdes sorgen und fokussieren sich dabei auf folgende Kriterien: Sauberkeit der Box, Bindung von Gerüchen, geringe Staubentwicklung und eine gute Arbeitseffizienz. Die Wahl der richtigen Einstreu sollte an die Bedürfnisse des individuellen Tieres, die Haltungsbedingungen und das Management angepasst werden.» Auf dem zweiseitigen Merkblatt werden acht verschiedene Einstreumaterialien vom Stroh über Leinen, Chinaschilf oder Waldboden bis zu Holzpellets aufgeführt und auch beschrieben. 
Bezogen werden kann das Merkblatt bei Agroscope, Schweizer Nationalgestüt, Telefon 058 482 61 11 oder www.nationalgestuet.ch.

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