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Ob beschlagen oder barfuss – nur eine Lösung gibt es für den Pferdehuf nicht. Wichtig dagegen ist, den Huf lesen zu lernen und daraus den passenden Schutz auszuwählen unter Berücksich­tigung von Haltung, Gesundheit und Stellung des Hufs sowie der Verwendung. 
Wer nur auf die Kosten schaut, lässt sein Pferd barfuss gehen. Hufpflege und Ausschneiden führen zu durchschnittlichen Jahreskosten von 642 Franken, wie eine von Conny Herholz, Leiterin Pferdewissenschaften, präsentierte und an der HAFL Zollikofen durchgeführte Studie aufzeigte und weniger als die Hälfte des Hufbeschlags ausmacht, für den 1420 Franken ermittelt wurden. Was am von HAFL, NPZ und Inforama organisierten Brennpunkt «Huf» so lukrativ tönte, wurde am Posten «Beschlag versus Barfuss» relativiert. Das Fazit von Christian Krieg lautete: «Eine 1a-Lösung gibt es beim Hufschutz nicht. Ob sich barfuss oder beschlagen empfiehlt, ist von der Stellung und der Gesundheit der Hufe, der Haltung, der Verwendung und dem Management abhängig.» Und damit ist auch gesagt, warum im kleinen Pferdeland Schweiz in nur zwei Wochen gleich drei Anlässe zum Thema Huf und Hufschutz auf grosses Interesse stiessen.
Hufeisen als Glücksbringer
Die grosse Bedeutung des Pferdehufs lässt sich allein schon daran ableiten, dass das Hufeisen sehr früh als Glücksbringer angesehen wurde. Freilich, man müsse sich seiner auch bedienen können, damit die Auswirkungen wohltuend seien, steht im Vorwort des vom jurassischen Tierarzt Germain Carnat 1950 herausgebrachten Buches «Das Hufeisen in seiner Bedeutung für Kultur und Zivilisation». Und ist es nicht immer wieder beeindruckend, wenn man als Aufhalter dem Hufschmied bei seiner von Wissen und Erfahrung geprägten Arbeit zuschauen kann? Wie er schon beim Ausschneiden abzulesen im Stande ist, was in den vergangenen sechs, sieben Wochen für Kräfte auf das Huf eingewirkt haben und was daraus abzuleiten ist? Wenn er es beispielsweise besser findet, wenn er vorne statt einer Zehenkappe neu zwei seitlich angebrachte Kappen anbringt, um den Abrollpunkt zu optimieren? Oder wie das Horn im vergangenen Sommer durch die heisse und trockene Witterung viel härter geworden ist? Da erinnert man sich an die Zeiten der Kavallerie zurück, als Irländer und Anglo-Normänner mit ihren flachen Hufen neben Eidgenossen aus Ungarn und Polen mit harten und fast bockhufartigen Hufen standen? Nicht erstaunlich, dass das Buch «Der schweizerische Militär-Hufschmied» von Oberst Schwyter über 700 Seiten dick ist. 
Viele Faktoren spielen mit
Aufs Wohl der Hufe bedachte Besitzerinnen und Besitzer haben nicht erst aktiv zu werden, wenn es ums Neubeschlagen oder Ausschneiden geht. In welchem Zustand sich die Hufe dem Hufschmied oder -pfleger präsentieren, liegt in der Zeit davor. Die Verantwortung für eine gute Hufqualität beginnt schon beim Züchter, wenn er mehr auf Leistungsgene schaut als gute Hufe und nicht an die alte Weisheit «No hoof, no horse!» denkt. Wie einst bei Bundeshengst Rocky de Baussy, dem Vollbruder von Weltmeister Quito der Baussy – die Hufqualität des Hengstes war so schlecht, dass er im Sport praktisch nicht eingesetzt werden konnte. Aber auch die Haltung hat wesentlichen Einfluss, wenn man bedenkt, dass Pferde durchschnittlich weniger als eine Stunde pro Tag liegen und nicht auf ihren Hufen stehen, Stallhygiene in vielen Betrieben aber noch nicht angekommen ist. Die Umwelt ist nach den Worten von Tierärztin Nathalie Butz einzubeziehen, weil unterschiedliche Böden auch zu unterschiedlichen Kräften führen.
Wer denkt schon an Schwefel
Wie wichtig Futter für die Hufqualität sein kann, zeigte PD Ingrid Vervuert vom Institut für Tierernährung an der Uni Leipzig in Bern auf. Dort klärte man ab, welche Stoffe im Huf überhaupt vorkommen. Das überraschende Ergebnis war, dass Schwefel die absolut dominierende Rolle einnimmt. Bei normaler Fütterung – eine gute Qualität vorausgesetzt – tritt im Prinzip kein Mangel auf. Der Biotin-Hype ist für sie dennoch absolut gerechtfertigt, weil Biotin das Hornwachstum bei einer Verabreichung von mindestens sechs Monaten fördert. Und bei den Zusatzfuttern, die auf dem Markt eine bessere Hufqualität versprechen, kommt es aufs Kleingedruckte respektive die Zusammensetzung an. Vervuert meinte dazu: «Zuerst ist abzuklären, was und welche Mengen gefüttert werden. Es kommt auf die Zusammensetzung an, ob ein Produkt sich nicht, nur bedingt oder gut eignet.»

Biomechanik als Grundlage

Über den Huf hinausgeschaut wurde am Symposium «Der Huf und die Diagonalität» von «Pro Pferd» am Tierspital Zürich. Die wissenschaftliche Grundlage für die ganztägige Weiterbildung lieferte Prof. Mike Weishaupt in seinem Referat über die biomechanischen Fakten rund um den Huf, bevor die Hufschmiede Ruedi Blumer und Aron Gygax aus ihrer Arbeit berichteten und den Zuhörern mit auf den Weg gaben, nicht zu lange zuzuwarten mit einem neuen Beschlag. Dabei dürfe das Pferd nicht als Ganzes vergessen werden. Das Pferd gebe dem Hufschmied vor, was es als adäquaten Hufbeschlag benötige. Barhufpflege und alternativer Hufschutz wurden von Andi Weishaupt behandelt. Seine These ist: «Alles, was starr ist, hat etwas Negatives, auf das was flexibel ist.» Mit der Hufpflege befasst sich Tierarzt Jürg Hugelshofer seit Jahrzehnten und meint: «Die Kunst besteht darin, den Huf richtig lesen zu können.» Wichtig war auch der Hinweis von Huforthopädin Melanie Engeler zu Hufschuhen: «Die Marke xy ist nicht zwingend für jeden Huf richtig.»
Nicht mehr auf den Huf selber, sondern auf von aussen wirkende Kräfte gingen Klaus Schöneich und Pferdephysiotherapeutin Brigitte Stebler ein. Aufgrund ­seiner Erkenntnisse aus der von ihm entwickelten «Schiefentherapie» kommt Schöneich zum Schluss, dass 85% der Probleme bei Pferden durch die Schiefe hervorgerufen würden. Die Funktion des Pferdekörpers nimmt für die Physiotherapeutin Stebler eine zentrale Stelle ein, weshalb sie ihr Referat unter den Titel stellte: «Ist es unten schief, tut es oben weh und umgekehrt.» Weil Stellung und Form der Hufe nicht ohne Auswirkung auf den Bewegungsablauf bleiben, folgerte sie: «Die Hufspur ist die Handschrift des Pferdes.»

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