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Pferde scheren, ja oder nein? Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt? Ob Pferde im Winter geschoren werden, ist primär vom Pferdetyp, von der Haltung und vom Gebrauch abhängig.  
Wie uns die ersten Herbstzeitlosen daran erinnern, dass die kalte Jahreszeit langsam näherrückt, machen uns auch die Pferde auf die bevorstehenden Veränderungen aufmerksam. Bereits im August, wenn die Temperaturen noch hochsommerlich sein können, fangen die ersten Pferde an, das Winterfell langsam, aber stetig wachsen zu lassen. Mehr als drei Monate können vergehen, bis dieses seine endgültige Länge und Dichte erreicht hat. Alle Pferde passen ihre Fellqualität dem Rhythmus der Jahreszeiten an. Je nach Rasse, Geschlecht, Alter, Gebrauch, Haltung und der Region, in welcher sie sich aufhalten, kann dies jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. Am deutlichsten erkennbar wird es bei der Ausprägung des Winterfells. Pferde, die aus unwirtlichen, kalten Zonen stammen, besitzen einen deutlich besseren Schutz gegen Nässe und Kälte als solche, die ursprünglich aus gemässigten oder heissen Zonen kommen. Alle Pferde können sich im Laufe der Jahre bis zu einem gewissen Grade und individuell an das Klima anpassen, in welchem sie sich aufhalten.
Fettiger Staub als Schutz
Bei voll ausgebildetem Winterfell ist ein Pferd je nach Fellqualität in der Lage, viele Stunden oder gar tagelang widrigste Wetterbedingungen zu ertragen, ohne dass Nässe und Kälte das Fell bis auf die Haut durchdringen und die Gefahr besteht, dass ihm dabei kalt wird. Voraussetzung dafür ist ein «naturbelassenes» Fell; das Fell also am ganzen Körper intakt ist, der fettige Staub im Fell belassen, das Fell vor allem bei Nässe nicht gebürstet wird, weil man ansonsten die wasserableitende Haarstruktur zerstört. Zudem soll es von innen her trocken sein – das Pferd also nicht geschwitzt haben. Diese Voraussetzungen sind bei Pferden, die noch nicht oder nicht mehr gearbeitet werden, grundsätzlich gegeben. Wie gut der Schutz des Winterfells eines Pferdes ist, muss individuell überprüft und eingeschätzt werden.
Wie das Verhalten im Winter eine ganze Rasse prägt, zeigt uns insbesondere das Islandpferd sehr eindrücklich. Seit mehr als 1000 Jahren reingezogen, überlebte das Pferd auf dieser unwirtlichen Insel nur dank seines ruhigen, energiesparenden Verhaltens, das es einnimmt, wenn überflüssiger Kalorienverbrauch schlimme Folgen haben könnte. Diese Fähigkeit des «Abwetterns», das heisst schlimmsten Bedingungen mit einer Art innerlichen Abschaltens zu begegnen, könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich Islandpferde zum Beispiel bei Koliken unüblich ruhig verhalten.
Um die Art der Pferdehaltung, welche diese Rasse so stark geprägt hat, verstehen zu können, muss man wissen, dass die Bewohner Islands über Jahrhunderte oft in grosser Armut lebten und deshalb während der langen Wintermonate nur die wenigen Pferde, die für ihr eigenes Überleben notwendig waren, das heisst als Reitpferde genutzt wurden, im Stall halten konnten. Alle anderen Pferde lebten draussen ohne Stall und schützende Wälder. Bis heute hat sich an dieser Haltung grundsätzlich wenig geändert. Noch heute hält man in den Wintermonaten überwiegend nur Pferde im Stall, die gearbeitet werden. Alle anderen leben das ganze Jahr über im Freien und werden regelmässig kontrolliert. Bei schlechter Witterung werden sie gefüttert und man stellt ihnen allenfalls einen Windschutz zur Verfügung.
Grössere Krankheitsanfälligkeit
Das Benehmen dieser Pferde zeigt deutlich, dass ein entsprechendes Winterkleid kombiniert mit geeignetem Verhalten wichtig ist, um schlechtes Wetter und Kälte unbeschadet zu überstehen. Dieses Verhalten beinhaltet auch, jegliches Schwitzen zu vermeiden. Schweiss bewirkt, dass das Pferd von der Hautoberfläche her nass wird. Ein so durchnässtes Fell ist nicht mehr wasserdicht, was je nach Umständen zu einer Schwächung und vermehrter Krankeitsanfälligkeit der Tiere führen kann. Denn sobald ein durch Anstrengung verschwitztes Pferd wieder abkühlt, kann die Kälte bei entsprechenden Temperaturen und noch schlimmer bei Regen oder Schneetreiben ungehindert bis zur Haut vordringen.
Es spricht nichts dagegen, dass Pferde auch im Winter regelmässig geritten werden. Dabei ist jedoch wichtig zu wissen, dass sie in dieser Jahreszeit je nach Aussenbedingungen und Felldichte bei Belastung sehr schnell ins Schwitzen geraten können. Das Verzwickte an dieser Situation ist, dass die Pferde, welche von Natur aus gegen Kälte und Nässe am besten geschützt sind, auch am schnellsten schwitzen und am längsten brauchen, um wieder zu trocknen. Erschwerend kommt hinzu, dass nassgeschwitzte Pferde, die im Offenstall gehalten werden, nach der Beanspruchung nicht selten draussen in der Kälte und Nässe stehen bleiben. So können sie verständlicherweise schlecht trocknen und es besteht die Gefahr, dass sie zu frieren beginnen.
Aber weshalb geht ein solches Pferd in den meisten Fällen denn nicht in den frei zugänglichen Offenstall und bleibt dort, bis es wieder trocken ist? Das entspricht ganz einfach nicht seinem natürlichen Verhalten. Auch wenn Pferde schon sehr lange domestiziert sind, ist das, was wir als vernünftig ansehen, in ihrem Verhaltensmuster in dieser Form nicht vorhanden. Sehr wahrscheinlich geht dies auf die Zeit vor der Domestikation zurück, als, ausser in Extremsituationen, eine Belastung bei Minustemperaturen mit nachfolgendem Schwitzen, nicht zu ihrer Lebensform gehörte.
Mit diesem aus unserer Sicht nicht zeitgemässen Verhalten des Pferdes müssen wir in irgendeiner Form umgehen. Es soll hier selbstverständlich in keiner Weise vermittelt werden, dass man Pferde während der kalten Monate nicht reiten darf. Dieser Artikel soll lediglich eine Entscheidungshilfe sein, die beste Möglichkeit für ein unbeschwertes Reiten im Winter zu finden.
Die traditionelle Einzelboxenhaltung, erfreulicherweise immer häufiger kombiniert mit dem Aufenthalt in kleinen Ausläufen, wird meistens mit individueller Betreuung des Pferdes angeboten. Geeignet ist diese Unterbringung für Pferde, die intensiv gearbeitet werden oder empfindlich sind. Zwischen dieser Pferdehaltung und einer Offenstallhaltung mit einer grös-seren Anzahl Pferde gibt es sehr viele Varianten. Von der Möglichkeit, ein Pferd zwischenzeitlich, das heisst, bis es wieder trocken ist, in einen temperierten Boxenstall oder unter ein Solarium zu stellen oder es eindecken zu lassen, bis hin zu einer Unterbringung mit diesbezüglich minimalem Angebot, gibt es alles.
Nicht zu vergessen sind die vielen privat gehaltenen Pferde. Ihre Besitzer können leichter auf alle Bedürfnisse der Pferde eingehen. Als Halter ist man daher aber auch verpflichtet, dieser Aufgabe gewissenhaft nachzukommen.
Scheren bedingt grosse Verantwortung
Aus vielerlei Gründen ist es seit Langem üblich, Pferde im Winter zu scheren. Man muss sich dabei allerdings darüber im Klaren sein, dass Scheren einen erheblichen Eingriff in den jahreszeitlichen Rhythmus des Pferdes darstellt. Man nimmt dem Pferd den natürlichen, winterlichen Schutz, kann aber sein Verhalten dadurch nicht ändern. Das Pferd hat nicht die Fähigkeit, auf die veränderte Situation vernünftig zu reagieren, da ihm nicht bewusst ist, dass sein Winterfell entfernt wurde. Das Pferd spürt lediglich, dass es schneller friert. Wenn man dies begreift, erkennt man, wie gross die Verantwortung ist, ein Pferd seinem Wärmebedürfnis entsprechend zu halten und gegebenenfalls korrekt einzudecken.
Ob Pferde im Winter geschoren werden, ist primär vom Pferdetyp, von der Haltung und vom Gebrauch abhängig. Ein Pferd, das frei wählen kann, ob es im Stall oder draussen stehen will, sollte grundsätzlich und auch teilweise nicht geschoren werden. Somit sollte man bei im Offenstall gehaltenen Pferden, die nach dem Reiten weder aufgestallt noch eingedeckt werden können, was die Beanspruchung anbelangt, sehr flexibel sein. Man sollte sich zum Wohle des Pferdes den Witterungsbedingungen anpassen. Bei extremem Wetter ist, je nach Pferdetyp, lediglich ein ruhiger Spazierritt oder der vollständige Verzicht auf eine Belastung angezeigt.
Wir dürfen jedoch auch nicht vergessen, dass es Pferden mit Winterfell, vor allem solchen mit einem sehr dichten Haarkleid, in winterlichen Wärmeperioden und vor allem zum Frühling hin auch viel zu warm werden kann. In solchen Situationen muss die Belastung ebenfalls entsprechend angepasst werden, denn diese Pferde leiden oft bereits im Ruhezustand unter der Wärme. Wenn diese Pferde stärker belastet werden sollen, ist zu überlegen, ob ein Scheren sinnvoll wäre. Bedingung für ein solches Vorgehen ist, dass die Tiere bei kühleren Temperaturen entsprechend betreut und untergebracht werden können.    

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