Kräuterhexen wurden jene Frauen früher genannt, die über die heilenden Kräfte von Pflanzen Bescheid wussten. An dieses alte Heilwissen über Pflanzen hat man sich nicht nur erinnert, es wurde aktualisiert und unter dem Begriff Phytotherapie auf den heutigen Wissensstand gebracht.
Wie sich Heilpflanzen als Arzneimittel verwenden lassen, gehört in allen Kulturen und auf allen Kontinenten zu den ältesten medizinischen Therapien. Ganz vergessen ging dieses Wissen der Kräuterfrauen und -mannli nie ganz und liegt nun aktualisiert in Buchform vor. Im Kapitel «Gesund erhalten» im kürzlich im Haupt Verlag herausgekommenen Buch «Heilende Kräuter für Tiere» geht es darum, die Gesundheit zu erhalten und zu stabilisieren sowie Krankheiten zu vermeiden – durch frühzeitige Anregung und Unterstützung der Heilbestrebungen des Organismus. Heilpflanzen sind hierbei sehr hilfreich. Sie dienen zur
• Anregung des Immunsystems
• Anregung des Stoffwechsels
• Unterstützung der Ausleitung von Stoffwechselprodukten.
Allgemeines zur Funktion des Immunsystems
Das Immunsystem übernimmt eine Schutzfunktion im Körper. Einerseits ist es dafür zuständig, äussere, den Organismus bedrohende Einflüsse, wie Krankheitserreger, in Schach zu halten. Anderseits wacht es über die Funktion der eigenen Körperzellen: Fehlerhafte Zellen wie Tumorzellen werden eliminiert, abgenutzte Zellen abgebaut und recycelt – beispielsweise die roten Blutkörperchen. Das Immunsystem ist sehr komplex. Zu ihm gehören unter anderem das Knochenmark, der Thymus (Bries), die Milz und die Lymphknoten.
Lymphknoten sind die Filterstationen des Lymphsystems, das ähnlich wie das Blutgefässsystem den ganzen Körper durchzieht. Ausserdem sind sie die Ausbildungsstellen der frei im Körper beweglichen Abwehrzellen. Besonders zahlreich ist Lymphgewebe im Rachenbereich und im gesamten Magen-Darm-Trakt. Hier sorgt es dafür, dass über Atemluft und Nahrung nichts Schädliches in den Organismus gelangt. Im Lymphgewebe der Darmschleimhaut und der Schleimhaut der Atemwege lernen die Abwehrzellen zwischen schädlich (abzuwehren) und nützlich (in den Blutkreislauf zu entlassen) zu unterscheiden.
Allgemeines zur Funktion des Stoffwechsels
Unter Stoffwechsel versteht man die Gesamtheit aller biochemischen Prozesse im Körper: Stoffe aus der Umgebung werden (v.a. über Atmung und Nahrung) aufgenommen, transportiert und schliesslich so umgewandelt, dass sie dem Organismus immer ausreichend Energie und Grundstoffe zur Aufrechterhaltung aller seiner Aufgaben zur Verfügung stellen. Zum Stoffwechsel gehören auch die Entgiftung von Schadstoffen und der Abbau von Medikamenten sowie die Ausscheidung der nicht mehr verwertbaren Substanzen – der Stoffwechselendprodukte.
Die Leber übernimmt die zentrale Rolle im Stoffwechsel. Ihr werden über die Pfortader alle vom Darm aufgenommenen Nährstoffe, aber auch alle Arznei- und Giftstoffe direkt zugeführt. Von der Leber wird Nützliches zur weiteren Verwertung ins Blut entlassen, und nicht mehr Verwertbares wird für die Ausscheidung über Kot oder Urin aufbereitet. Die Leber produziert die zur Fettverdauung benötigte Galle sowie Eiweisse, Hormone und Blutgerinnungsfaktoren. Sie reguliert Fett-, Kohlehydrat- und Eiweissstoffwechsel ebenso wie Vitamin- und Hormonhaushalte. Ausserdem ist sie Speicher für Vitamine, Blut- und Spurenelemente.
Was führt zu Beeinträchtigungen?
Alle Lebewesen verfügen über umfangreiche Regulierungsmechanismen, mit denen sich Stoffwechsel und Immunsystem an die sich ständig verändernden Lebensbedingungen anpassen können – etwa an Wetteränderungen, Änderungen im Nahrungsangebot und in der Haltung, Auftauchen von Krankheitserregern, Trächtigkeit und Geburt. Diese Regulierungsmechanismen sind eng miteinander verbunden und voneinander abhängig. Die Funktion dieser Regulation ist für die langfristige Gesundheit eines Tieres wichtig. Krankheiten lassen die Überforderung der Regulierungsmechanismen erkennen und zeigen, dass das Gleichgewicht gestört ist.
Störungen von Immunsystem und Stoffwechsel sind zumeist auf ungünstige Lebensumstände zurückzuführen. Meist sind es mehrere Faktoren, die zusammenkommen und gemeinsam bewirken, dass ein Organismus erkrankt. Oft ist es ein kleiner Auslöser, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt. Der Organismus ist nicht länger in der Lage, auszugleichen und zu regulieren, und reagiert mit Funktionsstörungen. Dies insbesondere, wenn das Immunsystem oder die Leber als Stoffwechsel- und Entgiftungszentrale betroffen sind.
Pferdepulver
Traditionelle Viehpulver zur allgemeinen Förderung der Gesundheit, bei Schwäche nach Krankheit und schwerer Geburt, schlechtem Appetit oder Milchmangel – dafür sind schon in alten Zeiten Latwergen gebunden. In Viehpulvern finden sich immer verdauungsanregende und die Ausscheidung fördernde Pflanzen. In einer typischen Rezeptur sind Heilpflanzenmischungen mit breiter Wirkung verwendet worden. Sie wurden pulverisiert und mit Kochsalz, Glaubersalz oder Bittersalz vermischt, manchmal mit Honig. Ein appetitanregendes und allgemein gesundheitsförderndes Mittel ist das folgende Pferdepulver:
Man nehme zu gleichen Teilen
• Anisfrüchte (pulverisiert),
• Kümmelfrüchte (pulverisiert),
• Wacholderbeeren (pulverisiert),
• Natriumsulfat (Glaubersalz),
• Natriumchlorid (Kochsalz),
mische alles und gebe 3-mal täglich 2 EL aufs Futter bei mangelnder Fresslust.
Das Buch «Heilende Kräuter für Tiere»
Cäcilia Brendieck-Worm, Franziska Klarer, Elisabeth Stöger
248 Seiten | durchgehend farbige Abbildungen | Haupt Verlag Bern, CHF 35.90
Die drei Autorinnen vermitteln im Buch gut verständlich die Grundlagen für das auf dem neusten Stand befindliche Heilpflanzenwissen. Zum unentbehrlichen Nachschlagewerk in der Hausapotheke wird es aber vor allem dank der von den drei Tierärztinnen präsentierten bewährten und gut verträglichen pflanzlichen Heilmittel und der damit verbundenen praktischen Tipps rund um deren Herstellung und Verarbeitung.
Gute Resonanz auf Heilkräuter
tf. – Die Leidenschaft, die Doris Weidmann seit Jahrzehnten für Pferde empfindet, bringt sie in ihrer Drogerie im zürcherischen Embrach auch für Heilkräuter auf. Fundierte Kenntnisse in Pflanzenheilkunde, die in ihrem Beruf einen sehr hohen Stellenwert geniesst, holte sie sich bereits während ihrer Ausbildung. Der Kavallo wollte deshalb von der Drogistin und CC-Reiterin bis WM-Niveau wissen, worauf bei der Verabreichung von Kräutern zu achten ist.
Das Angebot an Kräutermischungen ist fast unüberschaubar. Wie geht man am besten vor?
Am besten kauft man sicher im Fachgeschäft. Um zu einer hohen Qualität ohne starke Verunreinigungen zu kommen, muss bereits ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Grossist und Detailhändler vorhanden sein.
Dann lohnt es sich auch, auf der Packung die Zusammensetzung genau durchzulesen?
Auf jeden Fall. Denn was hier manchmal noch alles hinzugefügt wird, ist nicht besonders gesundheitsfördernd. Eine Fachperson kann hingegen über jede in der Mischung enthaltene Substanz Auskunft geben.
Ist bei der Verabreichung von Kräutern besondere Vorsicht geboten?
Solange man bekannte Kräuter verfüttert, ist das nicht der Fall. Auf keinen Fall darf man jedoch irgendwelche Pflanzen verfüttern, die man nicht kennt. Wenn beispielsweise ein Mittel wie Mädesüss zu lange verabreicht wird, kann es zu Schädigungen kommen. Wer sich nicht von einer Fachperson beraten lassen will, muss sich das Fachwissen selber aneignen.
Ein Vorgehen nach dem Motto «Dörfs e bitzeli meh si?» ist wahrscheinlich nicht ratsam?
Sicher nicht. Pferde sind, gerade was das Futter anbelangt, sehr sensible Geschöpfe. Im Vergleich zum Körpergewicht des Menschen liegen die Mengen für das Pferd sehr viel tiefer.
Wie soll man sich verhalten, wenn das Pferd bereits in tierärztlicher Behandlung ist?
Auf jeden Fall mit dem Tierarzt darüber sprechen. Gerade bei Husten bieten sich Kräuter oder Sirup zur Unterstützung an. Auch stehen heute viele Tierärzte solchen zusätzlichen Therapien sehr positiv gegenüber.
Die Akzeptanz von Heilkräutern scheint somit vorhanden.
Ja, das kann man wohl sagen. Gerade bei den Pferdebesitzern ist die Resonanz sehr gut. Die Anwendung ist auch einfach, weil sich Kräuter leicht unter das Futter mischen lassen.
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