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Kavallo besuchte die irische Tierschutzorganisation ISPCA und sprachen mit Behörden in Dublin und mit Pferdezüchtern. Dabei entstand ein differenzierteres Bild der Situation. So bestätigten alle unsere Gesprächspartner, dass die Zahl von 20 000 vom Hungertod bedrohten Pferde masslos übertrieben sei. Lisa O’Donovan, Inspektorin bei der ISPCA in Cork an der Ostküste Irlands, vermutet, die Zahl sei von dubiosen Tierschutzorganisationen in Umlauf gebracht worden, um das Spendengeschäft anzukurbeln.
Allerdings muss auch sie einräumen, dass sich die Lage zugespitzt hat und nur schon in ihrer Region in diesem Zeitraum ungewöhnlich viele tote Pferde registriert werden mussten. «Bis heute haben wir in der Gegend um Cork 30 verhungerte Pferde aufgefunden», sagt die 42-Jährige, die seit fünf Jahren vollamtlich als ISPCA-Inspektorin arbeitet. «So viele Todesfälle registrieren wir sonst in zwei Jahren.» Zudem haben sie und ISPCA-Helfer auf Inspektionstouren elf Tiere in desolatem Zustand aufgegriffen und sie ins Pferdeheim überführt. «Und drei mussten an Ort eingeschläfert werden », sagt die gelernte Tierarztassistentin O’Donovan. «Natürlich versuchen wir alles, um die Pferde zu retten. Aber unser Auftrag ist es letztlich, Leiden zu mindern.»
Diejenigen Pferde, die es bis ins Pfl egeheim schaffen, finden im Equine Center der ISPCA in Mallow, 20 Minuten von Cork City entfernt, einen sicheren Ort. In sieben Boxen für die Schwächsten, einem Offenstall und auf grosszügigen Weiden können sich die Tiere von ihren Strapazen erholen. 38 Pferde und Ponys sind es zur Zeit, geplant war die Anlage ursprünglich aber nur für 28 Pferde. «Was hier in den vergangenen Wochen und Monaten passiert ist, bringt uns an unsere Grenzen », sagt O’Donovan. «Nötig wären vor allem mehr Einzelboxen, da viel mehr Pferde als üblich in einem sehr kritischen Zustand aufgegriffen werden.»

«Die Lage hat sich zugespitzt»

Ausser den falschen Zahlen sind einige Medien einem bis zu einem gewissen Grad verständlichen Irrtum aufgesessen: Das Bild von den «ausgesetzten Pferden», die «vom Hungertod bedroht über die Insel streunen», hat seinen Ursprung einem seit Jahren existierenden irischen Problem. In den Vorstädten von Dublin, Limerick und Cork halten viele der dort wohnenden Menschen Pferde. Die Tiere leben auf Brachland zwischen Häusern, auf Ungenügend gesicherten Wiesen oder sind an Pflöcken festgebunden. Ihre Besitzer sind fast ausschliesslich Sesshaft gewordene Fahrende. «Die Pferde, mit denen wir es in Cork zu tun haben, gehören alle den Fahrenden», sagt die gelegentlich etwas burschikose Lisa O’Donovan. «Die meisten von ihnen schauen zwar zu ihren Pferden, aber in den vergangenen Monaten ist in dieser Gemeinschaft etwas schrecklich schief gelaufen. » Viele hätten im Zuge der Wirtschaftskrise kein Geld mehr für das Futter. Und der ungewöhnlich harte Winter bringt die Pferde vollends in Schwierigkeiten.
Der Ursprung dieser Misere liegt allerdings an einem anderen Ort: «Das Hauptproblem, und das existiert seit Jahren, ist das unkontrollierte Züchten, das diese Leute praktizieren», erklärt O’Donovan. Die freilaufenden Pferde vermehren sich in der Herde, ohne dass jemand den Überblick hat. Zudem sind diese Pferde nicht mittels eines Chips registriert, so, wie es das Gesetz eigentlich verlangen würde.

Züchter fürchten um ihren Ruf

Den Vorwurf, der Staat tue zu wenig, um das Chipping aller Pferde durchzusetzen, weist Breffini Carpenter zurück. Er ist einer der Chefbeamten im Landwirtschaftsministerium in Dublin und betrachtet diesen Punkt nicht als Hauptproblem. «Für uns steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Wir wollen die Menschen vor frei herumstreunenden Pferden schützen.» Dafür habe der Staat 1996 den «control of horses act» eingeführt. Dieses Gesetz erlaubt den lokalen Behörden, Gebiete zur Sperrzone für Pferdehaltung zu erklären. Was aber, wenn sich – vor allem die Fahrenden – einen Deut um die Auflagen scheren? «Wir können den Menschen nicht grundsätzlich verbieten, Pferde zu halten», weicht der nervös wirkende Carpenter aus. «Pferde gehören zu ihrer Tradition, und das müssen wir respektieren.» Das Ministerium in Dublin unterstütze deshalb die lokalen Behörden und Tierschutzorganisationen in ihren Bemühungen, artgerechte Haltung populär zu machen. «Natürlich wollen wir, dass letztlich alle Pferde registriert sind. Dafür bauen wir unser Netzwerk weiter aus», sagt Carpenter. «Aber das braucht Zeit.» Zeit aber ist etwas, das viele Pferde in Irland nicht mehr haben. Das macht auch die Schweizerin Andrea Etter betroffen. Seit 18 Jahren züchtet sie auf ihrem Gestüt in Belmont, Co. Offaly, irische Warmblüter. Als Züchterin ist sie von den dramatischen Medienberichten natürlich besonders betroffen. «Ich erhalte täglich Anrufe und E-Mails aus Europa, ob es wahr sei, dass die Pferde hier reihenweise verhungern würden. Und anscheinend glauben viele, dass auch die Sportpferde betroffen sind.» Und das, ärgert sich Etter, schade natürlich dem Ruf ihrer Branche. «Wir könnten unsere Pferde gar nicht vernachlässigen, denn wir werden regelmässig kontrolliert», sagt sie. «Und selbstverständlich sind alle unsere Pferde sauber gechippt. Aber solange die Registrationspfl icht nicht überall durchgesetzt wird, geht das unprofessionelle Züchten in den Vorstädten weiter.»
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