Auf dem richtigen Weg
Wenn Pferde im Frühjahr etwas «knackiger» sind, ist die Auswahl der richtigen Strecke für Trab- und Galopptouren wichtig. «Offenes Gelände mit weichem Boden lädt dazu ein, es knacken zu lassen», sagt der Ausbildner Werner Jost. «Ein geschlossener Waldweg mit etwas härterem, gut befestigtem Boden ist besser geeignet, wenn Pferde etwas munterer sind.» Der Stuttgarter lehnt es jedoch ab, Pferde einen steilen Berg hinaufzuhetzen und so müde zu machen. Neigt ein Pferd zum Weglaufen und ist es unausbalanciert, sollte ausserdem nicht bergab galoppiert werden. «Bei einem gut ausbalancierten Pferd ist ein leichter Bergaufgalopp dagegen ideal, damit es mehr Last auf die Hinterhand bekommt. Ausserdem sind die Pferde dann auch besser durchzuparieren», erklärt Werner Jost. Um für mehr Kontrolle zu sorgen, rät er, dass der Reiter sich bestimmte Punkte einer bekannten Galoppstrecke festlegt, an denen er gezielt angaloppiert und auch wieder durchpariert. Vor einem Galopp muss der Reiter ein Mindestmass an Durchlässigkeit fühlen, und Paraden müssen durchkommen. Der Reiter sollte auch bestimmen können, in welchem Galopp das Pferd anspringt. «Und wenn man kein gutes Gefühl hat, kann es auch besser sein, auf einem Ausritt mal gar nicht zu galoppieren», betont Werner Jost.
Über Stock und Stein
Der Winter hat mit seinen Stürmen so manchen Baum zum Umstürzen gebracht. Dumm nur, wenn die Bäume auf Reitwege fallen und diese versperren. Wenn diese von den Gemeindearbeitern noch nicht weggeräumt wurden, gibt es für Reiter zwei Möglichkeiten: über den Stamm oder daran vorbei. «Generell ist beim Reiten im Gelände der Untergrund zu beachten. Gerade bei Bäumen, die durch den Sturm entwurzelt wurden, ist meist der komplette Boden drum herum mit aufgerissen. Löcher oder Hohlräume sind jedoch oft nur schwer zu erkennen, und die Pferde können leicht hineintreten», erklärt Wanderreitführer Piet Rott. Darüber hinaus sei es wichtig, dass beim Überreiten von Hindernissen nicht gesprungen wird, sondern die Pferde über den Baumstamm gehen, betont der Deutsche. Ist der Weg durch einen grossen Baum versperrt, den man nicht überqueren kann, so muss der Reiter sich einen Weg um den Baum herum suchen. An welcher Seite man um ihn herumreitet, hängt von den Bodenverhältnissen und von abstehenden Ästen ab. Reiter können das Szenario gut nach – stellen, indem sie ihr Pferd auf dem heimischen Reitplatz im Schritt über ein Cavaletti steigen lassen. Das gibt nicht nur Sicherheit für den Ernstfall, sondern trainiert gleichzeitig auch die Geschicklichkeit.
«Tänzelnde» Pferde beruhigen
Damit Pferde beim Ritt gar nicht erst unruhig werden, rät Werner Jost, sie viel am langen Zügel zu reiten. «Das erfordert natürlich etwas Mut, zahlt sich aber aus», so der Ausbildner. «Voraussetzung ist, dass der Reiter bei seinem Pferd die Dehnungshaltung jederzeit abrufen und es so bewusst entspannen lassen kann. Ein solches Pferd tänzelt dann auch nicht mehr.» Kontraproduktiv sei dagegen, das Pferd vorne in eine enge Dressurhaltung zu zwingen oder sogar ein immer schärferes Gebiss zu verwenden. «Wird ein Pferd ständig mechanisch am Anschlag geritten, explodiert es irgendwann», betont Jost. «Die Pferde trauen sich dann nicht mehr, mit der Hinterhand nach vorne heranzutreten. Der Takt wird jedoch umso ruhiger, je mehr Raumgriff ein Pferd zeigt. Deshalb muss man vorne loslassen, damit das Pferd sich ausreichend langmachen kann.» Pferden, deren Hals lediglich mit starker Handeinwirkung verkürzt wird, ohne dass die Hinterhand dabei herantritt, sieht man das auch an: Die Mittel- und Hinterhand sieht im Vergleich zur Halsregion viel zu lang aus. Die beste Voraussetzung, damit Pferde gar nicht erst «hibbelig» werden, ist jedoch immer noch eine artgerechte Haltung, die den Tieren auch im Winter genügend Auslauf bietet.
Hoch hinaus und steil Bergab
Wenn man nicht gerade im flachen Land wohnt, begegnen einem beim Reiten immer wieder Steigungen. Mit dem richtigen Sitz kann der Reiter seinem Pferd das Klettern deutlich erleichtern. Grundsätzlich werden starke Steigungen immer senkrecht zum Hang geritten und niemals quer, denn dann verlieren Pferde leicht die Balance und können sich mitsamt Reiter überschlagen. Beim Bergaufreiten ist es wichtig, dass der Rücken des Pferdes entlastet wird. So ist die Hinterhand frei und kann den notwendigen Schub für den Aufstieg entwickeln. Beim Bergaufreiten stellt man sich in die Steigbügel und beugt den Oberkörper nach vorne. Bei starken Steigungen hilft es, sich in der Mähne festzuhalten. Bei leichtem Abwärtsgefälle sitzt man entlastend und gerade. Aufgepasst: Ist das Gefälle sehr stark, dürfen Sie nicht mit Ihrem Schwerpunkt vor die Vorhand des Pferdes kommen, sonst bringen Sie es aus dem Gleichgewicht! Piet Rott rät, sich dabei nach hinten zu lehnen. «Bergab lasse ich dem Pferd ausserdem genug Zügel, damit es sich über den Hals ausbalancieren kann», betont der Wanderreitführer. Rott empfiehlt, bei längeren oder sehr steilen Strecken bergab die Pferde zu führen.
Rutschpartie
Es schüttet wie aus Eimern. Was der Natur guttut, verwandelt Reitwege in wahre Matschwüsten. Grundsätzlich gilt hierbei das Gleiche wie beim Autofahren: das Tempo den Verhältnissen anpassen. «Wenn der Boden schmierig ist, muss ich mit einem Rutschen des Pferdes rechnen. Deshalb reiten wir in den langsamen Gangarten», so Piet Rott. Wenn es möglich ist, reitet man am besten um die matschige Stelle herum.
Die feinen Damen
Stuten reagieren besonders auf das bessere Wetter. Meist haben sie im Frühjahr und Sommer mehrere Rossezyklen und sind paarungsbereit. Allerdings nicht unbedingt reitbereit. Viele Stuten sind dann kitzlig und zickig, andere suchen Kontakt und kleben an anderen Pferden. Oft sind rossige Stuten beim Reiten triebig und reagieren auf Schenkeldruck nicht mit mehr, sondern mit weniger Tempo. Möglicherweise verwechselt die Stute die Schenkelhilfen mit umklammernden Vorderbeinen des Hengstes und bleibt lieber stehen. Durchschnittlich dauert eine Rosse etwa sieben Tage. Diese Zeit muss man seiner Stute wohl geben und sollte ihr das Verhalten nicht übelnehmen, wenn die Hormone verrücktspielen.
Fit aufs Pferd: Training für den Reiter
Wer mit seinem Pferd ausgedehnte Frühjahrsritte machen möchte, sollte fit sein. Ein Reiter mit guter Kondition kann länger konzentriert trainieren und ermüdet nicht so schnell. Deshalb heisst es nach dem gemütlichen Winter: Ab aufs Fahrrad, hinein in die Laufschuhe, und los geht das Ausdauertraining. Je besser die Ausdauer, desto niedriger wird der Ruhepuls, der Blutdruck verbessert sich, die Belastbarkeit steigt. Und das ist für schnelle Reaktionen bei vielleicht etwas übermütigen Pferden wichtig. Ist das Herz-Kreislauf-System dagegen erschöpft und der Reiter müde, sind die Reaktionen und das Koordinationsvermögen herabgesetzt. Reiter haben oft eine für ihre Sportart typische Muskulatur, bei der einige Partien stark und andere wenig ausgeprägt sind. Diese oft verkürzten Problemzonen sollten gedehnt werden: Brustmuskulatur, Hüftbeuger, die lange Rückenmuskulatur, innere Oberschenkelmuskulatur, seitliche hintere Oberschenkelmuskulatur und Wadenmuskulatur. Ausserdem müssen spezielle Partien gestärkt werden, weil sie beim Reiten gefordert sind: Bauchmuskulatur, Hüftstrecker, die Muskeln des Schultergürtels, lange Rückenmuskulatur sowie die innere Oberschenkelmuskulatur, Gesässmuskeln und Wadenmuskulatur.
Hilfe bei Heuschnupfen
Wenn im Frühjahr die Natur erwacht, beginnt die Leidenszeit der Pollenallergiker. Gerade beim Reiten ist es wichtig, sich zu schützen. Dazu hilft ein Blick auf die Pollenflugvorhersage. Sie zeigt, wann die Belastung besonders hoch sein wird. Empfehlenswert ist ein Ritt nach ausgiebigen Regenfällen, weil die Luft dann wenig Blütenstaub aufweist. Achtung: Nicht bei den ersten Regentropfen losreiten, denn dann werden die Pollen in Richtung Boden gedrückt, direkt am Reitergesicht vorbei. Kleidung sollte nach dem Reiten gewaschen und nur in geschlossenen Räumen getrocknet werden. Am besten lagert man sie danach im Keller. Brillen sollten regelmässig gereinigt werden, da die winzigen Pollen an Gläsern und Gestell hängen bleiben und auch noch Stunden nach dem Ritt den Brillenträger quälen. Heuschnupfenpräparate wie Augentropfen und Nasensalben müssen etwa eine halbe Stunde vor dem Ausreiten angewendet werden, damit sie ihre volle Wirkung entfalten. Allergiker sollten sich beim Ritt nicht zu sehr anstrengen, da durch tiefes Einatmen grössere Pollenmengen aufgenommen werden. Wichtig: Nach dem Ausritt unbedingt duschen und Haare waschen, weil die Pollen sich in den Haaren verfangen.
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